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Mit E-Scooter bei der VBL unerwünscht – Gehbehinderte fühlt sich diskriminiert

Wegen einer Krankheit ist Cornelia Stocker schlecht zu Fuss und deshalb auf ihren E-Scooter angewiesen. Doch in den Luzerner Bussen darf sie diesen nicht mitführen. Der VBL-Direktor sagt, weshalb.
Roman Hodel
Cornelia Stocker mit ihrem E-Scooter, den die VBL aus Sicherheitsgründen nicht transportieren will. (Bild: hor, Meggen 27. März 2019)

Cornelia Stocker mit ihrem E-Scooter, den die VBL aus Sicherheitsgründen nicht transportieren will. (Bild: hor, Meggen 27. März 2019)

Wenn Cornelia Stocker in Luzern etwas besorgen muss oder einen Termin hat, braucht sie viel Zeit. Zu Fuss mal schnell von einem Laden zum anderen wechseln, das ist vorbei. Cornelia Stocker hat Multiple Sklerose. Ein E-Scooter erleichtert ihr seit einiger Zeit das Fortbewegen. Allerdings wohnt die zweifache Mutter in einer Agglomerationsgemeinde. Um von dort in die Stadt zu gelangen, kann sie schlecht die ganze Strecke mit dem E-Scooter zurücklegen. Deshalb nimmt sie gelegentlich den Bus der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL).

Bloss: Beim Einsteigen in den Bus erntet die 50-Jährige – so sagt sie es – meist keine freundlichen Blicke von den Chauffeuren: «Die meisten wirken genervt und nicht sehr hilfsbereit.» Einmal immerhin habe ihr ein Chauffeur sogar geholfen beim Fixieren des E-Scooters an jener Vorrichtung, die eigentlich für Rollstühle gedacht ist:

Sie sagt: «Mein Fahrzeug hielt bestens und ich setzte mich auf einen Klappstuhl, der im Bus installiert ist – für mich ist unverständlich, weshalb dies sonst nicht gehen soll.»

Die Reaktion der meisten Chauffeure kommt nicht von ungefähr: Grundsätzlich schliesst die VBL den Transport von E-Scootern aus. Für Stocker bedeutet das Ganze ein Affront:

«Mein E-Scooter ist ein IV-bewilligtes Fahrzeug, also nicht eines für den Spass – die VBL nimmt Leute, die eine Einschränkung haben, nicht ernst.»

Dazu passt laut der 50-Jährigen die kurze Antwort des VBL-Kundendienstes auf ihre Anfrage, mit der sie «abgespiesen» worden sei. «Auf mein Angebot, dass wir die Angelegenheit einmal vor Ort in einem Bus anschauen könnten, trat die VBL gar nicht erst ein», sagt Stocker. Dabei ginge es auch anders. Bei einem Busbetrieb im Wallis sei sie willkommen und bei den SBB könne sie sich vorgängig melden, werde am Gleis von Personal empfangen und man helfe ihr «ohne wenn und aber».

Gemäss VBL-Direktor Norbert Schmassmann lassen sich Schienen- und Pneufahrzeuge nicht vergleichen: «Das Brems- und Kurvenverhalten ist völlig anders.» Dass die Frau überdies noch keine umfassende Antwort erhalten habe, liege an den «vertieften Abklärungen», die nötig waren. Demnach besteht im ÖV zwar eine Beförderungspflicht für Hand- und Elektrorollstühle, nicht aber für E-Scooter. Trotzdem würden einige Unternehmen diese erlauben, sofern sie gewissen Regelungen und Anforderungen genügen. Schmassmann sagt:

«Versuche mit Gutachten in Deutschland haben allerdings ergeben, dass E-Scooter schon bei gewöhnlichen Fahrmanövern im Bus kippen und über keine geeignete Bremse verfügen.»

Deshalb empfehle man, aus Sicherheitsgründen auf den Transport von E-Scootern zu verzichten. «Schliesslich müssen wir auch an die anderen Fahrgäste denken.»

Nötig wäre laut Schmassmann eine einheitliche, landesweite Regelung. In dieser müssten in Zusammenarbeit mit der Politik und den Behindertenverbänden sämtliche Voraussetzungen zur Beförderung von E-Scootern definiert werden. «So könnten wir Rechtssicherheit schaffen – nicht nur für die E-Scooter-Nutzer, sondern auch für die Verkehrsunternehmen», sagt Schmassmann und kündigt an, als Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr das Anliegen bei den entsprechenden Gremien einfliessen zu lassen. Noch wichtiger sei aber ein Erlass an die Adresse der Hersteller. Sprich: Klare Richtlinien, die ein noch zu konstruierender E-Scooter für die Mitnahme im ÖV erfüllen muss. Schmassmann sagt: «Bis auf weiteres müssen wir jedoch die Beförderung solcher Geräte aus sicherheits- und versicherungstechnischen Gründen ablehnen.»

Bei Procap, dem grössten Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen, bedauert man, dass Cornelia Stocker der Zugang zum Bus mit E-Scooter verwehrt bleibt: «Die Aussage von Seiten der Verkehrsbetriebe Luzern bezüglich Sicherheitsbedenken können wir ohne weitere Kenntnis der Details jedoch nicht kommentieren.» Man höre jedenfalls zum ersten Mal davon, dass eine gehbehinderte Person den E-Scooter nicht im Bus mitführen darf.

Vorerst bleibt Cornelia Stocker nichts anderes übrig, als wieder vermehrt mit dem Auto in die Stadt zu fahren: «Ich werde ja förmlich dazu gezwungen – schade, vor allem weil es immer heisst, man soll der Umwelt zuliebe auf den ÖV setzen.»

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