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Ein brisanter Vorschlag: Mit Gebühren gegen Car-Touristen

Das Geschäft mit den Gästen aus dem In- und Ausland boomt in Luzern. So sehr, dass sich Fritz Erni Sorgen macht. Der Direktor des Hotels Montana bringt darum eine Gebühr für Car-Touristen ins Spiel.
Interview: Raphael Zemp
«Von diesen Gästen profitieren in erster Linie die Souvenir- und Uhrenindustrie»: Car-Touristen auf dem Luzerner Schwanenplatz. (Bild: Eveline Beerkircher (20. Juni 2018))

«Von diesen Gästen profitieren in erster Linie die Souvenir- und Uhrenindustrie»: Car-Touristen auf dem Luzerner Schwanenplatz. (Bild: Eveline Beerkircher (20. Juni 2018))

Der Tourismus prägt Luzern wie keine zweite Stadt in der Schweiz. Entsprechend vertraut sind Stadtluzerner mit seinen Auswüchsen: Cars, die Strassen verstopfen und Autofahrer verärgern; Touristengruppen, die blindlings einem Schirm oder Fähnlein folgen, unbekümmert bei Rot über die Strasse bummeln und gerade in den Sommermonaten Altstadtgassen und Reussbrücken flächig fluten. Manch ein Einheimischer flüchtet sich da in die Neustadt – oder gar ins Ausland.

Welchen Tourismus braucht Luzern? Darüber haben wir uns mit Fritz Erni unterhalten. Der 63-Jährige ist langjähriger Direktor des Art-Deco-Hotels Montana, wurde letztes Jahr zum Hotelier des Jahres gewählt. Das «Montana» wurde zudem diesen Frühling zum «Schweizer Hotel des Jahres» gekürt – als erstes Viersterne-Hotel überhaupt. Wir treffen den Herzblut-Hotelier auf der Montana-Terrasse, wo sich ein atemberaubendes Panorama über Stadt, See und Berge entfaltet.

Fritz Erni, Direktor des Art-Deco-Hotels Montana.

Fritz Erni, Direktor des Art-Deco-Hotels Montana.

Fritz Erni, gibt es auch bei Ihnen Momente, wo Sie finden: Genug ist genug?

Nein. Persönlich störe ich mich nicht daran. Aber man muss das Unbehagen in der Bevölkerung ernst nehmen. Diskussionen um den «Overtourism», darüber wie viele Touristen eine Stadt verträgt, soll man führen und werden geführt.

Was meinen Sie damit?

Wenn wir von Tourismus in Luzern sprechen, müssen wir unterscheiden: Zum einen gibt es da die Individualtouristen. Sie kommen aus dem In- und Ausland und geniessen Luzern, unser «Paradies auf Erden», in vielfältiger Art und Weise. Sie essen, kaufen und übernachten hier – und stellen somit einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor dar. Zu dieser Touristengruppe zählen auch meine Gäste, die aus den USA kommen, Deutschland und England – mehr als zur Hälfte aber aus der Schweiz.

Asiatische Gäste, welche in Gruppen anreisen, zählen vornehmlich zur zweiten Gruppe von Touristen: den Tagestouristen.

Genau. Sie reisen in Gruppen und werden mit dem Car direkt ins Zentrum chauffiert, wo sie eifrig Kapellbrücke und Wasserturm abknipsen, womöglich eine Uhr kaufen, danach vielleicht noch eine Glace schlecken – bevor sie nach ein bis zwei Stunden schon wieder davonfahren. Von diesen Gästen profitiert in erster Linie die Souvenir- und Uhrenindustrie. Tagestouristen generieren kaum Wertschöpfung für das Gesamtgewerbe, beanspruchen aber stark die bestehende Infrastruktur.

Das ist ein Gästesegment, das bereits jetzt boomt und künftig noch kräftig zulegen soll. Die Anzahl Tagestouristen pro Jahr soll in Luzern bis im Jahr 2030 auf bis zu 12 bis 14 Millionen anwachsen, gemäss der Prognose eines Tourismusexperten.

Das ist ein beängstigendes Wachstum! Da stellt sich nicht nur das Car-Problem, sondern grundsätzlich die Frage, ob wir diese Art des Tourismus weiter fördern oder nicht eher eindämmen sollen. Ich persönlich glaube nicht, dass das eine gesunde und nachhaltige Entwicklung ist, und finde: Wir müssen diese Entwicklung in verträgliche Bahnen leiten.

Wie wollen Sie das erreichen?

Indem das Verursacherprinzip zur Anwendung kommt. Die Auswirkungen dieses Tourismus soll nicht der Steuerzahler berappen. Konkret schwebt mir das Modell Ballenberg vor. Niemand kann das Freilichtmuseum gratis besuchen, auch nicht, wer dort nur kurz verweilt. Es gilt ein pauschaler Eintrittspreis. Auch wir in Luzern dürfen so arrogant sein, und für den Besuch unserer Stadt einen marktkonformen Eintrittspreis verlangen. Diese Gebühr gilt dabei ausschliesslich für Car-Touristen. Technisch sollte dies ohne weiteres umsetzbar sein. Möglich wäre sogar eine dynamische Preisgestaltung. Das heisst: In den Stosszeiten steigt der Preis nochmals an, analog den Slots im Flugwesen, wo dies ein Standard ist.

Ein regulärer Einzeleintritt beim Ballenberg kostet 24 Franken. Verliert Luzern so nicht auf einen Schlag sämtliche Car-Touristen?

Eine solche Gebühr wird sicher Auswirkungen haben – womöglich auch unvorhersehbare. Viele Tour-Operatoren werden Luzern kurzerhand aus ihrem Reise-Programm streichen. Das wiederum werden die Geschäfte am Schwanenplatz zu spüren kriegen. Aber ich bin überzeugt, dass weiterhin Car-Reisegruppen unsere Stadt ansteuern werden. Die Kapellbrücke, die Altstadt, die Berge und der See; Luzern ist in der ganzen Welt bekannt. Jene, die nicht auf dieses einmalige Erlebnis verzichten wollen, werden Einnahmen generieren, die dann in die Infrastruktur investiert werden können: etwa in ein Car-Parkhaus, zum Beispiel unter dem Schweizerhofquai, oder für öffentliche WCs. Die Millionen von Touristen wollen schliesslich auch irgendwo ihr Geschäft verrichtet haben.

Würde sich das Car-Problem mit Ihrem Vorschlag nicht einfach an die Stadtgrenze verschieben?

Das glaube ich nicht. Den Reisegruppen steht zu wenig Zeit zur Verfügung. Es dauert schlicht zu lange, um von der Peripherie ins Stadtzentrum zu gelangen.

Lässt sich ein Modell, das für ein Freilichtmuseum funktionieren mag, einfach auf eine Stadt wie Luzern übertragen?

Seien wir ehrlich: In gewissen Belangen ist der Unterschied gar nicht so gross. Luzern ist nun mal auch eine Kulisse für Touristen. Das Tourismusgeschäft ist für Luzern enorm wichtig. Banken und Industrie, sie spielen hier eine untergeordnete Rolle. Das wissen auch die Einheimischen. Wohl auch deshalb ist die Stimmung hier glücklicherweise noch positiv gegenüber dem Tourismus.

Den Anstieg von Car-Touristen soll man also einschränken. Wie sieht es mit den anderen Segmenten aus?

Wenn wir das Geschäft mit den Tagestouristen besser steuern, gilt es, gleichzeitig andere Sparten auszubauen. Dazu gehören sicherlich die Individual- und Kongresstouristen, besonders im Premium-Markt. Das hat auch Luzern Tourismus erkannt und seine Strategie bereits vor Jahren angepasst. Eine Vorreiterrolle diesbezüglich spielt in unserer Region der Hotelkomplex auf dem Bürgenstock. Dort residieren bereits auffallend viele Gäste aus dem arabischen Raum. Diese sind zahlungskräftig, bleiben oft ein paar Tage am Stück und besuchen meist auch Luzern – mit dem Schiff. Aber auch im «Montana» haben sich die Bemühungen von Luzern Tourismus bereits bemerkbar gemacht. Zusammen mit unserem Marketing-Team sorgen wir so für die gewünschte Kundenfrequenz.

Wird Luzern nun also zu einer Destination, die sich nur noch die Reichsten leisten können?

Das glaube ich nicht. Luzern wird nie das Sommerpendant zu Sankt Moritz werden. Dafür sind wir hier zu bodenständig und im Vergleich zu Zürich für diese Klientel zu wenig interessant. Auch künftig wird eine gesunde Durchmischung bestehen bleiben.

Die Auslastungsziffer der Luzerner Hotels liegt in den Sommermonaten bei fast 90 Prozent. Tourismusdirektor Marcel Perren hat unlängst gar von «ausgeschöpften Kapazitäten» gesprochen. Wie soll die Hotellerie so noch wachsen?

Die starke Nachfrage wird wohl dazu führen, dass neue Hotels gebaut werden. Vor allem aber im niedrigeren Preissegment und wahrscheinlich auch eher in der Peripherie. Im Sommer zahlt sich das womöglich aus, weniger aber im Winter. Denn trotz traumhaft hoher Auslastungsziffer im Sommer bleiben bereits heute im Winter viele Betten leer. Ziel muss also sein, das ganze Jahr über eine möglichst hohe Auslastung zu erreichen.

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