Mit ihnen zusammen in der dunklen Jahreszeit feiern – im Neubad

«Celebrao» lädt ein zum sinnlichen Erlebnis: Am Gesamtkunstwerk im Luzerner Neubad am 4. Januar ist auch Cellistin Sara Käser aus Emmenbrücke beteiligt.

Pirmin Bossart
Hören
Drucken
Teilen
Sie sind im Neubad zu hören und zu sehen (von links). Sara Käser, Franziska Schiltknecht, Stefanie Hess und Thomas Troxler.

Sie sind im Neubad zu hören und zu sehen (von links). Sara Käser, Franziska Schiltknecht, Stefanie Hess und Thomas Troxler.

Bild: PD

«Frech, sinnlich, lustig und grenzgängerisch» verspricht es zu werden, das gemeinsame Feiern von Dunkelheit und Licht, das im Neubad zu erleben ist. «Celebrao» heisst das aktuelle Projekt von Stimmenfeuer, unter dem man sich eine Art inszeniertes Konzert vorstellen darf. Eine Performance mit Musik, Masken, Kopfschmuck, Bild und Videokunst. Das Publikum ist eingeladen, sich davon anstecken zu lassen. «Man kann sich dazu bewegen, tanzen und mitsingen oder sich hinlegen, so wie es einem wohl ist», sagt die Musikerin Sara Käser, die in Emmenbrücke lebt.

Was nach einem ritualistischen Erlebnis zur Wintersonnenwende klingt, darf auch so verstanden werden. «Wir machen unsere Tour bewusst in der dunkelsten Zeit. Unser Projekt ist vielleicht auch eine andere Art, Advent, Weihnachten und Neujahr zu feiern.» «Celebrao» soll mit seinen Klängen und Szenen die «gesamte Farbpalette des Menschseins zelebrieren». Für kontrollierte Menschen, die es gerne rational haben, mag dieses Feier-Ding etwas esoterisch klingen. Andere werden sich aus Neugier und weil sie ihre Sinne gerne öffnen mit Freude darauf einlassen.

Was reizt Sara Käser, die Cellistin mit einem Master-Abschluss in «Interpretation in Contemporary Music» (ICM) an der Hochschule Luzern-Musik, an diesem nicht gerade klassisch-strengen Interpretationsprojekt? Sie sagt:

«Ich habe trotz meiner Ausbildung immer in stilistisch ganz verschiedenen Bereichen gespielt. Da gibt es für mich keine Grenzen.»

Das Projekt habe sie schnell berührt. «Die Initiantin Franziska Schiltknecht hat Power. Es spricht mich umfassend an. Ich bin als ganzer Mensch drin.» Franziska Schiltknecht ist eine Sängerin aus der Ostschweiz, die in diversen Theater- und Musikprojekten gearbeitet hat. Seit einigen Jahren widmet sie sich dem ursprünglichen Kern der Bühnenarbeit – dem Ritual. Privat ist sie als Zeremonienmeisterin tätig. Stimme und Maske sind ihre Werkzeuge. Unter dem Namen Stimmenfeuer führt die Mutter von drei Kindern ihre eigene stimmtherapeutische Praxis. Es geht um Präsenz, Wahrnehmung, Körperempfindungen, Kreativität.

Die Musik von «Celebrao» lebt von Stimmungen, die in verschiedenen Kompositionen aus mehrstimmigen Chorarrangements, Elektrobeat und Bordun-­Flächen zum Ausdruck kommen. Die vier Musikerinnen und Musiker haben sich über ein Jahr lang regelmässig getroffen und frei improvisiert. Sara Käser sagt:

«Die treffendsten Passagen dieses Materials wurden ausgewählt und so zu Stücken verdichtet, dass sie möglichst passend mit den visuellen Elementen zusammenspielen.»

Die freischaffende Cellistin ist vielseitig unterwegs. So realisierte sie etwa mit dem Luzerner Ensemble Nachhall vergangenen Frühling im Neubad eine 24-Stunden-Konzert-Performance. Am Festival Alpentöne war sie mit dem multi-ethnischen Ensemble Building Bridges zu hören, einem heimlichen Höhepunkt des Festivals. Auch mit der jungen Schriftstellerin Noëmi Lerch tritt sie als Duo Käser & Lerch an musikalischen Lesungen auf. «Mir gefällt es, gemeinsam mit anderen Leuten diverser Disziplinen etwas zu erschaffen oder mich mit Musikerinnen und Musikern aus verschiedenen Hintergründen auseinanderzusetzen», sagt die Cellistin. Deswegen fühle sie sich auch in Theaterprojekten oder wie aktuell bei «Celebrao» sehr wohl. Sie habe aber auch nichts dagegen, ab und zu mit einem Orchester klassisch und präzise Partituren zu interpretieren.

Das trifft auch auf ihre eigene Musik zu. Ihr Cello hat sie mit dem Prototyp eines Tonabnehmers bestückt, den ein Gitarrenbauer konstruiert hat, um ihre Klangvorstellungen noch präziser umsetzen zu können. Sie ist offen für elektronische Tools und Effekte, mit denen sie den Celloklang in neue Dimensionen erweitern kann. Sie schätze es, wenn der Experimentieranteil gross sei, sagt Sara Käser, die sich als freie Cellistin quer durch die Sparten zu etablieren beginnt. «Ich forsche gerne und möchte vermehrt meine eigenen Geschichten umsetzen.»

Hinweis: «Celebrao» am 4. Januar, 20 Uhr, Neubad. www.stimmenfeuer.ch

Mehr zum Thema