PH Luzern kämpft mit Robotern im Schulzimmer gegen den Fachkräftemangel 

Naturwissenschaftliche Fächer sollen beliebter werden. Dazu werden auch Roboter im Unterricht eingesetzt - wie etwa in der Klasse 6b des Wartegg-Schulhauses in der Stadt Luzern. Der Workshop kommt bei den Schülern gut an - künftig soll es noch mehr davon geben.

Raphael Zemp
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Die PH Luzern führt im Auftrag des Kantons an Schulen Robotiktage durch. Ein Besuch bei der Schule Wartegg. Im Bild von links Marcel, Andrea Maria Schmid und Jovana. (Bild: Corinne Glanzmann, 18. Oktober 2018)

Die PH Luzern führt im Auftrag des Kantons an Schulen Robotiktage durch. Ein Besuch bei der Schule Wartegg. Im Bild von links Marcel, Andrea Maria Schmid und Jovana. (Bild: Corinne Glanzmann, 18. Oktober 2018)

Sie fährt, sie piepst und wenn richtig instruiert, lässt sie gar Augen auf Ihrem Rückendisplay hin- und herschielen: Roberta. Ein Lego-Roboter mit faustgrossem Computerherz, ausgestattet mit Ultraschall-, Licht-, und Tastsensoren – und derzeit eine wichtige pädagogische Waffe im Kampf um mehr Interesse für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).

Zu was Roberta wirklich taugt, das dürfen an diesem Donnerstag die Schüler der Klasse 6d der Stadtluzerner Primarschule Wartegg eigenhändig austesten. Ihre Klasse ist eine von bloss zehn, die im Kanton jährlich in den Genuss des sogenannten Robotiktages kommen – subventioniert von der kantonalen Dienststelle für Volksschulbildung, durchgeführt von Mitarbeiterinnen der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH).

Roberta fordert volle Aufmerksamkeit

Es ist kurz vor 11 Uhr – und einiges los im Zimmer 025, ganz zuoberst im Schulhaustrakt P1. An einer Schnur aufgefädelte Kantonsflaggen hangeln durch den Raum, trotz geöffneter Fenster ist es stickig. Aufgabe Nr. 3: «Roberta soll einen Meter vorwärtsfahren, eine Sekunde warten und anschliessend wieder einen Meter rückwärtsfahren.» Während die einen konzentriert in ihre Laptopbildschirme starren, rutschen andere auf ihren Knien herum, wieder andere fummeln an Robertas Knöpfen.

Beim Robotik-Tag gehe es darum, Berührungsängste abzubauen, sagt Andrea Maria Schmid, Dozentin für Naturwissenschaften und deren Didaktik an der PH Luzern und Leiterin des eintägigen Robotik-Workshops. Mädchen und Knaben gleichermassen sollen spielerisch erste Erfahrungen im Bereich Informatik sammeln. Das heisst: Nebst Lesen und Schreiben tatsächlich auch selber Hand anlegen – und zwar in Teamarbeit.

Tatsächlich versuchen sich an diesem Vormittag vorwiegend Mädchen-Jungen-Duos an «ihren» Robertas. Dahinter steckt Absicht, ebenso wie die Aufgaben bewusst so ausgestaltet sind, dass nicht nur (voreilige) Tüftlerjungs den Ton angeben, sondern auch die Mädchen zum Zuge kommen. Wie im Team Marcel Baumeler/Jovana Milojevic, beide 12 Jahre alt und in ihre Arbeit vertieft. Roberta haben sie eben für einen kurzen Moment zur Seite geschoben, nun liegt fahles Bildschirmlicht in ihren Gesichtern. Baumeler klickt sich virtuos durchs Softwaremenü, abwechslungsweise greift Milojevic in die Tasten. Zeit, um Fragen des Reporters zu beantworten, bleibt so gut wie keine.

Auch Mädchen sollen sich angesprochen fühlen

Kein Zufall ist auch der Name Roberta. Der «geschlechtergerechte» Workshop will damit deutlich machen: Robotik und Informatik generell sind nicht nur Männern vorbehalten. Mädchen sollen sich genauso angesprochen fühlen. Allerdings dürfen die Schüler gegen Kursende ihren Lego-Roboter umtaufen («selbstverständlich auch auf männliche Namen») und aufpeppen, je nach Lust und Laune. Darf es ein weiblich konnotiertes gelbes Plastikblümchen sein? Oder doch eher ein nüchtern-graues Röhrchen, wie es dem stereotypen Knaben gefallen sollte?

Noch ist es nicht soweit, das Duo Baumeler-Milojevic soll Augen auf den Roboterdisplay programmieren (Aufgabe Nr. 9). Dann friert plötzlich der Bildschirm ein. «Sie, es geht nichts mehr», schlägt Baumeler Alarm, während sein hochgestreckter Arm nach Aufmerksamkeit verlangt. Es hilft einzig: unzimperliches Abwürgen des Programms.

Zwölf neue Lehrkräfte werden ausgebildet

Das ist keineswegs sinnbildlich für den Unterricht mit Robotern. Denn dieser gewinnt zunehmend an Fahrt. Und bald sollen an der PH zwölf zusätzliche Robo-Lehrkräfte ausgebildet, die Infrastruktur aufgerüstet und mehr spezielle Kurstage durchgeführt werden. An diesem Ausbau will sich auch die Hochschule Luzern beteiligen. Der wichtigste Grund dafür liegt laut Andrea Maria Schmid im Erfolg dieser Kurse. Konkrete Zahlen für Luzern gäbe es zwar keine, dafür aber viele positive Rückmeldungen sowie langjährige Erhebungen aus Deutschland, die den Roboterworkshops eine «signifikante Interessenssteigerung» für Robotik, Informatik, gar für Mint-Fächern generell attestierten.

Auch die Sechstklässlerin Jovana Milojevic findet das Tüfteln am Roboter «super» – will aber trotzdem an ihrem Traumberuf Arztassistentin festhalten.