Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MITARBEITER: Zu häufig krank: Altersheime reagieren

Das Personal der städtischen Heime bleibt überdurchschnittlich oft zu Hause. Jetzt will die Viva Luzern AG gegen die hohe Absenzenquote vorgehen.
Beat Demarmels, Viva Luzern AG: «Wir leiden ohnehin unter Personalknappheit.» (Bild: Neue LZ)

Beat Demarmels, Viva Luzern AG: «Wir leiden ohnehin unter Personalknappheit.» (Bild: Neue LZ)

Hugo Bischof

12 bis 13 Absenztage pro Vollzeitstelle und Jahr verzeichnet das Pflegepersonal in den von der Stadt Luzern betriebenen Betagtenzentren und Pflegeheimen. Die Gründe dafür sind Krankheit, Unfall, Mutterschaft, Militär. Der grösste Teil, rund 80 Prozent, ist krankheitsbedingt. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2011 bis 2014. Bestätigt werden sie von Beat Demarmels, Geschäftsführer der Viva Luzern AG, welche die städtischen Betagtenzentren seit Anfang 2015 im Auftrag der Stadt führt.

Mit 12 bis 13 Tagesausfällen pro Vollzeitstelle liegen die städtischen Pflegeheime und Betagtenzentren über dem schweizerischen Durchschnitt der Absenztage im Gesundheits- und Sozialwesen. Dieser liegt bei 10,5 Tagen bzw. 82 Stunden pro Jahr (siehe Kasten rechts).

Bei Grippe bleibt man zu Hause

Für die Viva Luzern AG ist die hohe Absenzenzahl ein Problem. «Wir leiden ohnehin unter Personalknappheit», sagt Demarmels, «die vielen Arbeitsausfälle verschärfen diese Problematik.» Die im Vergleich zu den meisten anderen Berufsgattungen höhere Absenzenzahl im Gesundheitswesen sei teilweise zwangsläufig so, betont Demarmels: «Wegen Ansteckungsgefahr lässt man eine Pflegerin mit Grippe eher zu Hause bleiben als einen Büroangestellten.»

«Emotional belastende Situation»

Ein weiterer Grund für höhere Arbeitsausfälle im Gesundheitswesen ist laut Demarmels «die körperlich und emotional belastende berufliche Situation». Das Pflegepersonal habe es oft mit schwerstkranken Patienten mit sehr hohem Pflegebedarf zu tun. Zusätzlich handle es sich hier vielfach um «Frauenberufe mit der Mehrfachbelastung Haushalt/Familie». Laut Demarmels arbeiten in den städtischen Betagtenzentren und Pflegeheimen rund 80 Prozent Frauen.

Die Viva Luzern AG will die hohe Absenzenquote nicht einfach so hinnehmen. Man habe bereits darauf reagiert, sagt Demarmels.

So sei im neu ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag mit den Sozialpartnern aufgrund der hohen beruflichen Belastung eine fünfte Ferienwoche eingeführt worden (sechs Wochen für über 50-Jährige). Zudem gebe es grosszügige Regelungen zu Ruhezeiten, Ruhetagen und bezahlten Urlaubstagen. «Wir hoffen, dass die Massnahmen zu einer gewissen Verringerung der Abwesenheiten beitragen», sagt Demarmels.

Die Viva Luzern AG will aber noch einen Schritt weiter gehen. Aufgrund der relativ hohen Anzahl von Absenztagen sei im Businessplan das betriebliche Gesundheitsmanagement verankert worden, betont Demarmels: «Dabei soll vor allem die Minimierung der Krankheitstage im Vordergrund stehen.» Das betriebliche Gesundheitsmanagement hat zum Ziel, «die Gesundheit, die Motivation und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu erhalten und zu fördern». Dabei würden «die Arbeitsbedingungen und das individuelle Gesundheitsverhalten berücksichtigt», so Demarmels. Der Fokus liege im «systematischen Einbezug der Gesundheitsperspektive in die betriebliche Abläufe und Entscheidungsprozesse».

Die Chefs sollen Vorbild sein

Das kann ganz einfache Massnahmen bedeuten, etwa ergonomische Arbeitsplätze (richtig eingestellte Arbeitstische). Aber auch Themen wie Arbeitsplatzsicherheit oder das richtige Verhältnis von Arbeits- und Ruhezeiten sollen vermehrt beachtet werden. Mit zusätzlichen Informationsveranstaltungen sollen Führungskräfte auf das Thema Absenzen sensibilisiert werden. «Die Führungskräfte haben eine hohe Vorbildfunktion in der Gesundheitsförderung der Mitarbeitenden», betont Demarmels.

Ein Ziel unter anderen ist es, Langzeitfälle zu vermeiden. Dazu sollen zusätzliche betriebliche Anlaufstellen für kranke Mitarbeiter geschaffen werden. Demarmels redet von so genannten «Kümmergesprächen», die den Mitarbeitenden dort angeboten werden.Noch diesen Sommer will die Viva Luzern AG mit den Vorbereitungen und der Planung des betrieblichen Gesundheitsmanagements starten. «Die praktischen Massnahmen setzen dann Anfang 2016 ein mit der Umsetzung von Jahreszielen», sagt Demarmels.

Emmen: Deutlich weniger Absenzen

In anderen Betagtenzentren ist man diesbezüglich schon weiter. In den Betagtenzentren Emmen etwa liegt die jährliche durchschnittliche Absenzenzahl pro Vollzeitstelle bei nur 6 Tagen; allerdings rechnet man hier die reinen Krankheitskosten ohne Schwangerschaft. 2011 wurde in Emmen das so genannte Anwesenheitsmanagement «Pro Präsenz» eingeführt. «Dessen Grundgedanke ist, Anwesenheit zu fördern anstatt Absenzen zu reklamieren», erklärt Richard Kolly, Geschäftsleiter der Betagtenzentren Emmen AG. Seither konnten in Emmen die Absenzenzahlen halbiert werden. Ebenfalls nur rund 6 Absenztage pro Vollzeitstelle verzeichnet das private Alters- und Pflegeheim Landgut Unterlöchli in Luzern. Dessen Leiter Werner Sägesser sagt: «Wir haben ein Konzept eingeführt, welches das Vorgehen im Abwesenheits- und beim Rückkehrfall klar regelt und strukturiert – analog dem Modell in Emmen.» Er betont: «Abwesenheiten sollen bewusst wahrgenommen werden. Mögliche Ursachen, insbesondere wenn es betriebliche Gründe sind, sollen erkannt und angegangen werden.» Wichtig sei auch, dass die Heimleitung während der Abwesenheiten mit den Mitarbeitenden in kontinuierlichem Kontakt sei – nicht im Sinne einer Kontrolle, sondern eines «sich Kümmerns».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.