Mitarbeiterinnen der Stadt Luzern verdienen 3 Prozent weniger als Männer – weshalb, weiss man nicht

Bei der Luzerner Stadtverwaltung gibt es Lohnunterschiede, die nicht erklärbar sind. Nun will die Stadt Abhilfe schaffen.

Robert Knobel
Drucken
Teilen

Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist seit langem bekannt – genauso wie die Gründe dafür: Frauen sind seltener in Führungspositionen, haben häufiger Unterbrüche in der Berufstätigkeit, und typische «Frauenberufe» bieten oft tiefere Löhne. Das ist auch in der Luzerner Stadtverwaltung nicht anders. Dort beträgt der Lohnunterschied zwischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen durchschnittlich über 11 Prozent. Doch selbst wenn man alle oben genannte Faktoren abzieht, bleibt ein Lohngefälle von 3 Prozent, das schlicht nicht erklärbar ist. Das schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von SP und Grünen. Immerhin sei dieser unerklärliche Lohnunterschied kleiner geworden: 2017 betrug er noch 4,7 Prozent. 

Früher nutzten die Vorgesetzten den Spielraum zugunsten der Männer

Die aktuell 3 Prozent Lohnunterschied erscheinen trotzdem viel, wenn man bedenkt, dass die Luzerner Stadtverwaltung ein klar definiertes Lohnklassensystem besitzt, welches den Lohn nach Funktion und Dienstalter praktisch auf den Franken genau festlegt. Wie kann es also sein, dass Mitarbeiterinnen dennoch weniger verdienen als ihre Kollegen? Stadtpräsident Beat Züsli (SP), der auch fürs Personal zuständig ist, sagt: «Bei der Festlegung des Lohnes gibt es stets einen kleinen Ermessensspielraum.» Es gebe Hinweise darauf, dass dieser Spielraum früher tendenziell zugunsten der Männer – und zu ungunsten der Frauen – ausgenutzt wurde. Das betreffe insbesondere Personen, die schon sehr lange bei der Stadt arbeiten. Heute hingegen seien die Vorgesetzten genügend für das Thema sensibilisiert. «Bei Neueinstellungen ist die Lohngleichheit gewährleistet», betont Züsli.

Der Lohnunterschied in der Stadtverwaltung wird zurzeit mithilfe einer externen Firma analysiert. Als Sofortmassnahme sind im Budget 2020 insgesamt 80'000 Franken reserviert, mit dem das Missverhältnis zumindest in Einzelfällen korrigiert werden soll. Einige Mitarbeiterinnen können also auf etwas mehr Lohn hoffen. 

Die Stadt soll auch den Firmen auf die Finger schauen

Doch nicht nur in der Stadtverwaltung soll die Lohngleichheit genauer unter die Lupe genommen werden. Auch Firmen, mit denen die Stadt zusammen arbeitet, sollen in die Pflicht genommen werden. Das fordert die SP in einem Postulat. Konkret bedeutet dies: Wenn eine Firma bei einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag erhält, soll die Stadt überprüfen, ob in dieser Firma faire Löhne für Mann und Frau bezahlt werden. Falls nicht, muss die Firma nachbessern und dies gegenüber der Stadt belegen. Wie der Luzerner Stadtrat in seiner Antwort auf das SP-Postulat schreibt, führt die Stadt Zürich bereits seit einiger Zeit solche Lohn-Kontrollen stichprobenweise durch. Demnach hat der Zürcher Stadtrat bei jeder zehnten Firma systematische Lohndiskriminierung festgestellt. Für die Kontrollen wendet Zürich jährlich 44'000 Franken auf. In Luzern hingegen fehlten für eine solche Kontrolltätigkeit bisher «die finanziellen, aber insbesondere die personellen Mittel», wie der Stadtrat schreibt. Trotzdem wolle man nun aber ein Modell nach Zürcher Vorbild prüfen, so der Stadtrat. Er betont gleichzeitig, dass er keine strikten Vorgaben zur Häufigkeit von Stichproben will. 

Luzern soll eine Fachstelle für Geschlechterfragen erhalten

Weiter fordern SP, Grüne und GLP in einer Motion die Einführung einer Fachstelle für Gleichstellung. Diese soll nicht nur über die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau wachen, sondern allgemein für Geschlechterfragen zuständig sein. Dazu gehören auch Anliegen von Homosexuellen, trans- und intersexuellen Menschen. Der Stadtrat ist einer solchen Fachstelle grundsätzlich nicht abgeneigt. Er will aber keine isoliert städtische Lösung, und die Stadt müsse auch nicht zwingend Anbieterin der Fachstelle sein. Deshalb will der Stadtrat zunächst bei Kanton, Nachbargemeinden, Interessenverbänden und Wirtschaft eine Bedarfsabklärung machen. Es gehe darum herauszufinden, ob und in welcher Form ein Bedürfnis für eine solche Fachstelle besteht. Für die Evaluierung brauche es aber externes Fachwissen, wie der Stadtrat schreibt. Dieses Fachwissen werde die Stadt rund 50'000 Franken kosten.

Kanton Luzern staunt über grösseren Lohnunterschied

Der Lohn der Luzerner ist mit 6000 Franken pro Monat konstant geblieben. Doch schaut man genauer hin, zeigt sich: Die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau ist im Kanton Luzern grösser als im Schweizer Durchschnitt.
Roseline Troxler