Mitziehen oder nicht? Unterschiedliche Meinungen zu den neuen Ladenöffnungszeiten in der Stadt Luzern

Ab dem 1. Mai gelten neue Richtlinien zu den Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern. Eine Umfrage zeigt, dass sich vorwiegend zwischen den grossen und kleinen Läden ein gegensätzlicher Trend entwickelt.

Raissa Bulinsky
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Das neue Ruhetags- und Ladenschlussgesetz RLG entfacht Diskussionen und sorgt für grosse Meinungsdifferenzen. Vor allem zwischen den grossen und kleinen Läden besteht eine breite Kluft. Denn das neue Gesetz, dass ab dem 1. Mai eine Verlängerung der Öffnungszeiten werktags bis 19 Uhr und samstags bis 17 Uhr erlaubt, verursacht bei den Einen bessere Umsätze, bei den Anderen eine zusätzliche Belastung.

Zwei Läden in der Luzerner Altstadt.

Zwei Läden in der Luzerner Altstadt.

Bild: Nadia Schärli, 15. Januar 2019

Die Meinung der City Vereinigung Luzern zum Entscheid des Luzerner Kantonsrat ist deutlich: «Das nun mässig geglückte RLG bringt am Samstag eine Verbesserung, unter der Woche schaffen wir wohl mehr Probleme als Lösungen», erläutert André Bachmann, Vorstandsmitglied der City Vereinigung Luzern. Jeder Laden hat die Freiheit zu entscheiden, ob er die Anpassung übernimmt. Dazu sagt Bachmann: «Für die Kundschaft ist das insgesamt eher mühsam, für die Unternehmen mit zu wenig Spielraum aber viel Erwartungsdruck.» Es bestätige sich, dass es ein Fehler war, dass wesentliche Partner aus dem Detailhandel bei der Revision des Gesetzes nicht miteingebunden wurden. «Wir haben frühzeitig auf die Schwachstellen hingewiesen. Nun gilt es aus dieser schwachen Revision das Beste zu machen», sagt Bachmann.

Auch Karin Othmer, Inhaberin der Kinderkleiderboutique Noknok bedauert es, dass sie und andere Ladeninhaber in der Altstadt nicht in den Entscheid des Kantonsrat miteinbezogen wurden. Othmer sagt:

«Wir kämpfen schon lange für längere Öffnungszeiten am Samstag, trotzdem wurden wir nie gefragt.»

Besonders in der Altstadt, wo sich viele Touristen aufhalten, sei es ein Problem, die vielen Kunden bereits um 16 Uhr aus den Läden schmeissen zu müssen. Die Öffnungszeiten werktags zu verlängern, mache für sie jedoch keinen Sinn: «In dieser halben Stunde kommen nicht mehr Kunden. Die Mitarbeiter müssten bloss ihre Zeit bis 19 Uhr absitzen und das kann ganz schön demotivierend sein.»

Die Läden in der Neustadt hingegen fanden durch die Umfrageaktion der Quartiervereinigung Hirschmatt-Neustadt ein Sprachrohr. Fazit der Umfrage: Die neuen Ladenöffnungszeiten bedeuten für eine Mehrzahl der Läden in der Neustadt mehr Strapazen denn Profit. Lediglich 7 von 31 Läden würden ihre Öffnungszeiten werktags verlängern. Samstags seien es mit 13 etwas mehr.

Die Kleinen ziehen nicht mit

Wir haben bei verschiedenen Ladeninhabern nachgefragt. Es hat sich gezeigt, dass kleinere Läden ihre Öffnungszeiten eher nicht verlängern, wie zum Beispiel der physikalische Spielwarenladen Perpetuum Mobile, das Spezialitätengeschäft Koffeinshop oder das Blumengeschäft Haag Floristik. Die Ladeninhaber sind der Meinung, dass sich eine längere Öffnungszeit finanziell nicht lohnt, ausserdem verspüren sie keinen Druck sich anzupassen.

Auch Angelina Bucheli, Inhaberin der Boutique Mc Store, steht dem neuen Gesetz relativ entspannt gegenüber: «Gewisse Richtlinien sind sinnvoll, vor allem für die Kundschaft. Ansonsten sollte man individuell und flexibel sein dürfen.» Bucheli schliesst sich zwar der Meinung der anderen Ladeninhaber an. So würde eine längere Öffnungszeit nicht per se zu höheren Umsätzen führen, sondern könne zeitlich zur Belastung werden. Trotzdem hat Bucheli im Sinne werktags künftig bis 19 Uhr zu öffnen, da sie sehr flexibel ist. Sie betont:

«Wir feiern dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Flexibilität ist das A und O für ein erfolgreiches Geschäft.»

Bei der Boutique Mai sind es vor allem persönliche Gründe, welche die Inhaberin Melanie Kunz an längeren Öffnungszeiten hindern. «Ich habe Kinder, da macht es für mich einen grossen Unterschied, ob ich eine halbe Stunde länger pro Tag arbeite oder nicht», erklärt Kunz. Für sie würde die Anpassung keinen Sinn machen, da sie dadurch keinen Mehrwert erwarte. Am ehesten könne sich Kunz vorstellen samstags bis 17 Uhr zu verlängern: «Einen gewissen Druck mitzuhalten, verspürt man dann doch.»

Jacqueline Lauper (links) in der Boutique Mai mit InhaberinMelanie Kunz.

Jacqueline Lauper (links) in der Boutique Mai mit Inhaberin
Melanie Kunz.

Bild:Nadia Schärli,  20. Oktober 2017

Die Grossen schlagen Profit

Die grossen Unternehmen scheinen hingegen sowohl samstags als auch werktags von den längeren Öffnungszeiten zu profitieren. Auf Anfrage bestätigen diverse Detailhandels- und Warenhausketten, dass sie die Anpassung begrüssen, da sie zeitgemäss sei. Auch die Manor AG wird ihre Filialen künftig länger öffnen: «25 Prozent bis zu einem Drittel mehr Umsatz am Samstag belegt eindrücklich, dass die längeren Öffnungszeiten am Wochenende einem Kundenbedürfnis entsprechen», erklärt Fabian Hildbrand, Sprecher des Unternehmens. Die jetzigen Öffnungszeiten seien deshalb widersprüchlich. Hildbrand: «Touristen reagieren oft mit Unverständnis, warum die Geschäfte am Samstag so früh schliessen.» Die neuen Ladenöffnungszeiten würden hier etwas Abhilfe schaffen.

Die Genossenschaft Migros sieht es ähnlich. «Die Ladenöffnungszeiten werden da angepasst, wo ein Kundenbedürfnis besteht und dies auch betriebswirtschaftlich Sinn macht», sagt Lisa Savenberg, Sprecherin der Migros. Die gleiche Meinung vertritt auch die Coop-Gruppe. Besonders im städtischen Raum entspreche die Anpassung dem Kundenbedürfnis. Deren Sprecher Markus Eugster bestätigt: «Wir stehen dem Vorschlag einer moderaten Anpassung der Ladenöffnungszeiten positiv gegenüber und würden eine Anpassung im Interesse unserer Kundinnen und Kunden sicher prüfen.» Auch das Unternehmen Globus und C&A übernehmen die neuen Öffnungszeiten.

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