Mobilfunk
5G-Kontroverse in Richenthal: Anwohner schlagen vor, die Polizeiantenne zu nutzen

Swisscom will bei der Hubgarage eine neue 5G-Antenne bauen. Stattdessen wollen zwei Einsprecher den nahen Polycom-Standort nutzen. Doch der Aufwand wäre gross. Zudem sind die Aussagen von Polizei und Swisscom widersprüchlich.

Reto Bieri
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In Richenthal ist der Handyempfang äusserst schlecht. Das könnte sich jedoch bald ändern. Bei der Autogarage im Weiler Hueb hat die Swisscom im Herbst ein Baugesuch für eine 5G-Antenne eingereicht (wir berichteten). Dagegen sind mehrere Einsprachen eingegangen sowie eine Petition mit 80 Unterschriften. Unter anderem wird ein Moratorium für 5G-Antennen gefordert.

In Richenthal plant die Swisscom eine 5G-Antenne. Philipp Hunkeler verlangt von den Behörden zu prüfen, ob stattdessen die bestehende Polycom-Antenne der Blaulichtorganisationen genutzt werden kann.

In Richenthal plant die Swisscom eine 5G-Antenne. Philipp Hunkeler verlangt von den Behörden zu prüfen, ob stattdessen die bestehende Polycom-Antenne der Blaulichtorganisationen genutzt werden kann.

Bild: Boris Bürgisser (Richenthal, 19. Mai 2021)

Eine der Einsprachen stammt von Philipp Hunkeler und einem weiteren Bewohner des Weilers Hueb, der nicht namentlich in Erscheinung treten möchte. Beide betonen, sie seien keine Mobilfunkgegner, ihnen gehe es um die Standortfrage. Auf einer Parzelle von Landwirt Philipp Hunkeler befindet sich nämlich eine sogenannte Polycom-Antenne. Sie ist Teil eines schweizweiten Kommunikationsnetzes, das von den Blaulichtorganisationen wie der Polizei und der Feuerwehr genutzt wird. Im Kanton Luzern gibt es rund 25 Polycom-Standorte, sie werden von der Polizei betrieben.

Die Richenthaler Polycom-Antenne befindet sich auf einem Hügel an einem Waldrand und ist rund 36 Meter hoch. «Ich finde es fragwürdig, dass man bei der Garage, die im Tal unten in einem Wohngebiet liegt, eine Mobilfunkantenne bauen will, wenn man nur knapp 600 Meter entfernt einen geeigneten Alternativstandort hätte», sagt Philipp Hunkeler. Schon vor rund vier Jahren habe er die Gemeinde gebeten, seinen Vorschlag zu prüfen. «Ich sagte, dass ich als Standortgeber mein Einverständnis geben würde, wenn Swisscom oder andere Anbieter mit einer Anfrage kommen.» Eine Rückmeldung habe er von der Gemeinde nicht erhalten.

Bei der Hubgarage in Richenthal plant die Swisscom eine 5G-Antenne, im Bild das Baugespann.

Bei der Hubgarage in Richenthal plant die Swisscom eine 5G-Antenne, im Bild das Baugespann.

Bild: Boris Bürgisser (Richenthal, 19. Mai 2021)

Besonders einen Punkt finden die beiden Einsprecher problematisch. «Die geplante Antenne bei der Hubgarage ist so nahe am Wohn- und Arbeitsgebiet platziert, dass sie aufgrund der gesetzlichen Strahlengrenzwerte wohl kaum andere Provider mitbenutzen können.» Einen anderen Standort zu finden, sei in Richenthal schwierig. An die Polycom-Antenne hingegen könne man mehrere Anbieter anhängen, sagt Philipp Hunkeler.

Gerücht stimmt nicht: Mitnutzung ist erlaubt

Antennen haben in Richenthal einen schweren Stand. Swisscom bestätigt auf Anfrage, dass in der Vergangenheit mehrere Standorte evaluiert wurden. Beim Baugesuch der Polycom-Antenne vor zehn Jahren habe es im Dorf ebenfalls Unruhe gegeben, sagt Philipp Hunkeler. Es lag zwar keine Anfrage eines Telekomanbieters vor, doch um den Polycom-Standort nicht zu gefährden, habe man damals auf eine Mobilfunkanlage verzichtet. Das Gerücht stimme aber nicht, dass die Mitnutzung vertraglich verboten sei, betont Hunkeler.

Wie die Luzerner Polizei auf Anfrage sagt, ist es möglich, dass private Mobilfunkanbieter gemeinsam mit Polycom den gleichen Standort nutzen. «Dies ist beispielsweise in Neuenkirch (Swisscom), in Kriens (Salt) oder in Beromünster (Sunrise) der Fall», sagt Christian Bertschi, Chef Kommunikation. «Auch in Richenthal ist es denkbar, dass Swisscom partizipieren kann. Der Aufwand wäre jedoch enorm», so Bertschi weiter. Der jetzige Mast sei gerade so hoch ausgelegt, dass die obersten Antennen über den Wald hinausragen. Für Swisscom müsste der Mast erhöht werden, dafür sei er jedoch zu schwach ausgelegt. Bertschi:

«Um die schweren Mobilfunkantennen auf einer nützlichen Höhe zu montieren, müsste er komplett ersetzt werden. Ebenso ist das Technikgebäude zu klein.»

Swisscom habe die Luzerner Polizei im Januar 2019 bezüglich Richenthal angefragt. Bertschi: «Wir machten sie auf die baulichen Voraussetzungen und die wohl erforderlichen Massnahmen aufmerksam.» Swisscom sagt allerdings, ihr seien andere Gründe genannt worden. «Laut den Informationen, die wir erhalten haben, ist eine Mitbenutzung durch Swisscom aus vertraglichen Gründen nicht möglich», sagt Mediensprecherin Sabrina Hubacher. «Swisscom hat von der Luzerner Polizei im Februar 2019 die schriftliche Auskunft erhalten, dass der Vertrag mit dem Grundeigentümer eine Mitbenutzung durch Anbieter von Telekommunikationsdiensten explizit ausschliesst.» Auf Nachfrage bleibt die Luzerner Polizei bei ihrer Darstellung.

Stand jetzt geht die Swisscom also davon aus, dass die Mitbenutzung des Polycom-Antenne nicht möglich ist. Ist es denkbar, dass Sunrise oder Salt die geplante Antenne bei der Hubgarage mitnutzen dürfen? «Es steht den Mitbewerbern grundsätzlich offen, Anträge zu stellen», sagt Hubacher.

Gemeinde verzichtet auf Moratorium

Die Gemeinde Reiden gibt aufgrund des laufenden Verfahrens keine Auskunft zur geplanten 5G-Antenne. Bereits im März hatte sie allerdings mitgeteilt, dass der Gemeinderat auf ein von Einsprechern gefordertes Moratorium verzichtet. Dies, weil der Bund in der Zwischenzeit die fehlende Vollzugshilfe für adaptive 5G-Antennen veröffentlicht hat. Zudem hat das Kantonsgericht Ende 2020 in einem Urteil aus Buchrain festgehalten, dass eine Sistierung der Baugesuche für adaptive Antennen nicht zulässig ist.

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