MOBILFUNK: Mehr WLAN- statt Handyantennen in Luzern?

Eine Initiative will grosse Handyantennen in Wohngebieten der Stadt Luzern verhindern und stattdessen auf flächendeckendes WLAN setzen. Die Idee hat allerdings Tücken.

Beatrice Vogel
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Wer in Luzern surfen will, kann das über das öffentliche WLAN-Netz tun – aber nur in bestimmten Gebieten, wie beispielsweise hier am Schweizerhofquai. (Bild Pius Amrein)

Wer in Luzern surfen will, kann das über das öffentliche WLAN-Netz tun – aber nur in bestimmten Gebieten, wie beispielsweise hier am Schweizerhofquai. (Bild Pius Amrein)

Jeder möchte guten Handyempfang, doch niemand will zu stark von Strahlung betroffen sein – ein weit verbreitetes Problem, wenn es um Antennenstandorte geht. Die Stadtluzerner Initiative «Ordnung statt Wildwuchs beim Mobilfunk» (Abstimmung am 5. Juni) will, dass möglichst wenige Antennen in Wohngebieten stehen. Sie zielt insbesondere gegen grosse, leistungsstarke Antennen – sogenannte Makrozellen (Ausgabe vom 15. Januar).

In der Stadt Luzern gibt es heute rund 100 Makrozellen sowie 80 Mikrozellen. Letztere haben eine schwächere Leistung und sind für die lokale Abdeckung eines kleinen Gebiets zuständig. Damit möglichst wenig Strahlung auf die Menschen abfällt, schlagen die Initianten vor, stärker auf Mikrozellen oder auf öffentliches WLAN zu setzen. Doch wie realistisch ist das?

«Es bräuchte sehr viele Antennen»

Die EWL betreibt seit 2007 ein öffentliches WLAN-Netz in Luzern. Es umfasst einen Teil des Stadtgebiets, insbesondere das Hirschmattquartier sowie die Achse Bahnhof–Löwenplatz. Die EWL hat dafür rund 40 WLAN-Antennen im Stadtzentrum in Betrieb. Einen flächendeckenden Ausbau hält man bei der EWL allerdings für unrealistisch. «Es müssten sehr viele Antennen gebaut werden, um nur schon im öffentlichen Raum eine ähnliche Netzabdeckung wie Mobilfunk zu erzielen», sagt EWL-Sprecherin Nicole Reisinger.

Hinzu komme, dass WLAN technologische Einschränkungen besitze, erklärt Reisinger: «Im Gegensatz zum Mobilfunk sucht das Endgerät – etwa das Smartphone – beim WLAN immer nach dem besten Sender. Dies führt zu kurzen Unterbrüchen zwischen Sender und Empfänger, wenn man sich von A nach B bewegt.» Beim Mobilfunk laufe dieser Vorgang über die Antenne und nicht über das Endgerät, wodurch die Unterbrüche im Millisekundenbereich gehalten werden können. «Dies ist zum Beispiel beim Telefonieren unabdingbar», so Reisinger. Das bestätigt Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation (FSM): «Es bedarf hier intelligenter Lösungen. Beispielsweise hat St. Gallen ein öffentliches WLAN-Netz eingerichtet, bei dem dieses Problem zumindest reduziert werden konnte.»

Versuch: Antennen im Boden

Mobilfunkanbieter teilen die Meinung von EWL. «WLAN stellt allenfalls eine Ergänzung, aber keinen Ersatz des Mobilfunknetzes dar», sagt Sabrina Hub­acher, Mediensprecherin bei Swisscom. Ebenso wenig sei es möglich, eine ganze Stadt nur durch Mikrozellen abzudecken. «Grosse Antennen stellen quasi die Grundversorgung im Mobilfunk dar.» Hingegen werden Mikrozellen punktuell zur Kapazitätserweiterung der grösseren Antennen eingesetzt. «Mikrozellen sind wie lokale Verstärker», so Hubacher. Für den FSM-Experten ist hingegen nicht völlig ausgeschlossen, auf grosse Antennen zu verzichten. «Rein technisch ist das denkbar, allerdings spielen für eine Umsetzung mehrere Faktoren eine Rolle. Etwa die Kosten oder die Zeit, die es braucht, um Signale innerhalb der Infrastruktur weiterzuleiten», so Dürrenberger. Swisscom hat übrigens eine neue Mikrozelle entwickelt, die ihr Signal vom Boden aus sendet. Diese wird in Kabelschächte der Festnetzleitungen (Glasfaser) eingebaut. In einem Pilotprojekt werden aktuell rund zehn Mikroantennen in Kabelschächten in Lausanne, Basel, Bern und Zürich getestet.

Strahlung demokratisch verteilt

In Zusammenhang mit der Mobilfunk-Initiative stellt sich auch die Frage, was denn im Endeffekt mehr Strahlung verursacht – wenige Antennen oder viele Mikrozellen? Diese Frage sei nicht so einfach zu beantworten, sagt Gregor Schmid, Leiter Umweltschutz bei der Stadt Luzern. Würde man im Stadtgebiet gänzlich auf Antennen verzichten, müsste man «Hunderte bis Tausende Mikrozellen» aufstellen, um dieselbe Leistung zu erreichen, so Schmid. «Die Belastung wäre etwa gleich gross, dafür ‹demokratischer› verteilt: Jeder wäre dann in der Nähe einer Antenne, während sich bei Makrozellen nur wenige Menschen im direkten Einflussbereich befinden.»

Ein weiterer Punkt in Sachen Strahlung ist vielen Leuten nicht bewusst: «Wenn man das Gesamtsystem, Handy plus Basisstation, betrachtet, dann ist das Handy die dominierende Strahlenquelle für den Menschen», sagt Gregor Dürrenberger. Beim Telefonieren sei eine möglichst fein verteilte Infrastruktur mit vielen schwach strahlenden Sendern besser, weil dann das Endgerät weniger weit senden muss. «Votiert man dafür, Sendemasten aus dem Siedlungsgebiet zu verbannen, so werden die Leute, die dort telefonieren, stärker durch ihr eigenes Gerät belastet.»

Beatrice Vogel