Mobilität
In Horw gibt es bald einen weiteren Fahrdienst für Senioren – jetzt werden Fahrer gesucht

Ob zum Arzt oder Einkaufen: Der Verein FahrFlex bietet ab Mai seine Dienste für Menschen mit eingeschränkter Mobilität an. Reservieren kann man per App. Was sagen die bestehenden Fahrdienste dazu?

Roman Hodel
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Wer im Horwer Alterszentrum Kirchfeld wohnt, nicht mehr so gut zu Fuss ist und etwa im Dorf unten Einkäufe erledigen möchte, kann ab Mai auf den neuen Verein FahrFlex zählen. Dieser wird Menschen, die dauerhaft oder vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, von A nach B transportieren. Davon profitieren auch in Horw wohnhafte Spitex-Klientinnen und -Klienten, die etwa zum Arzt müssen, sowie Bewohnende der Horwer Demenztagesstätte Pilatusblick. Diese drei Organisationen stehen gemeinsam hinter dem neuen Verein.

Das Alterszentrum verfügt bereits heute über einen Fahrdienst, den man aber optimieren könnte. Bei der Spitex transportieren heute Mitarbeitende die Klienten, was aber nicht zum Kernauftrag gehört. Und der Pilatusblick hat keine eigene Lösung. Marco Müller, FahrFlex-Präsident und Geschäftsführer des Kirchfeld, sagt:

«Zwar gibt es Angebote wie etwa den Fahrdienst des Roten Kreuzes – nur ist dieser oft schon ausgebucht.»

Abwickeln wird der Verein die Fahrtenbuchung über eine App. Klienten buchen via Smartphone einen Termin, spätestens 48 Stunden im Voraus. Dieser wird dem Fahrpersonal wiederum aufs Smartphone übermittelt. Wer Zeit hat, bestätigt den Einsatz. Und wenn niemand kann? «Dann haben wir immer noch einen Zivildienstleistenden im Kirchfeld», sagt Müller.

Taxi-Software wurde für Horw weiterentwickelt

Die Software «go! Fleet» ist gemäss Müller im Taxiwesen erprobt und wird für Horw noch angepasst. Dank ihr können sämtliche Fahrzeuge organisationsübergreifend geteilt und zu einem späteren Zeitpunkt auch Fahrtenaufträge kombiniert abgewickelt werden. «FahrFlex ist daher ein schweizweit einzigartiges Projekt», sagt er. Es wurde vom Verein in Zusammenarbeit mit dem Horwer Mobilitätsunternehmen Trafiko entwickelt und über Fördergelder des Bundes, der Gemeinde und Stiftungen finanziert. Wieviel die Fahrten bei Fahrtflex kosten werden, ist noch nicht definiert. Sicher kostendeckend, aber nicht gewinnorientiert.

Nun fehlen noch genügend freiwillige Fahrerinnen und Fahrer. Zu den bestehenden zehn des Kirchfeld braucht es laut Müller bestimmt nochmals so viele. Sie sollen Fahrdienste vor allem mit dem eigenen Auto machen, für Rollstuhltransporte steht das Fahrzeug des Kirchfeld zur Verfügung:

Bild: PD/Kirchfeld

Auf Inserate hätten sich bereits Personen gemeldet. Weitere Interessenten seien willkommen. Müller betont: «Unser Fahrdienst ist eine sinnvolle Ergänzung im Dorf zu den bestehenden Angeboten.» Ab diesem Mai bis Frühling 2022 wird FahrFlex getestet und schrittweise in seinen Funktionen erweitert, bevor das Angebot in den regulären Betrieb übergeht. Dereinst kann sich Müller eine Ausweitung auf weitere Gemeinden und Organisationen vorstellen.

Rotes Kreuz absolvierte letztes Jahr 37'000 Fahrten

Wie reagiert man bei den bisherigen Anbietern von Fahrdiensten auf das neue Angebot? «Mehrere Optionen sind grundsätzlich gut», sagt Erica Züst, Geschäftsführerin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Luzern. Man kenne FahrFlex bereits aus persönlichen Gesprächen. «Dieses Angebot wird vor allem lokal das ÖV-Netz ergänzen und den Betroffenen in Horw und Umgebung eine bessere Mobilität ermöglichen.»

Im Gegensatz zu FahrFlex deckt das Rote Kreuz den ganzen Kanton Luzern ab. Der SRK-Pool zählt derzeit rund 170 Fahrerinnen und Fahrer, die letztes Jahr 37'000 Fahrten unternommen haben. Dabei bringen sie etwa Personen zum Arzt, in die Therapie oder zum Einkaufen, fahren Kinder in Sondereinrichtungen oder Mitarbeitende in einem Rollstuhlauto zur Arbeitsstelle. Der Rotkreuz-Fahrdienst ist an 365 Tagen unterwegs. Fahrten sind in der Regel zwei bis drei Tage im Voraus anzumelden. Dies läuft aktuell meist per Telefon oder E-Mail. Züst sagt:

«Gesamtschweizerisch sind jedoch Abklärungen für eine App im Gang.»

Für die Luzerner Rollstuhltaxi-Genossenschaft LUtixi mit Sitz in Horw ist eine App hingegen kein Thema, wie Geschäftsführer Mario Bucher sagt: «90 Prozent unserer Fahrten sind mit Rollstuhl und jeder Kunde ist anders, deshalb haben wir verschiedene Fahrzeuge, insgesamt sind es elf – und für solche Abklärungen ist das Telefon immer noch am effizientesten.» Die Belegung sei je nach Tag unterschiedlich. «Spontane und auch Notfalleinsätze sind möglich – in der Regel werden die Fahrten jedoch 2 bis 3 Tage vorbestellt», sagt er. Dass der Verein FahrFlex neu in Horw mitmischt, ist Bucher bekannt: «Es hat Platz für alle drei Anbieter – bei uns wissen die Leute einfach, dass wir auf Rollstuhlfahrten spezialisiert sind.»

Hinweis: freiwillige Fahrerinnen und Fahrer können sich per E-Mail melden auf susanna.ineichen@kirchfeld.ch.