Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MOBILITÄT: Pendler fahren immer weiter

Innert fünf Jahren sind im öffentlichen Verkehr des Kantons Luzern sowohl mehr Personen befördert als auch mehr Kilometer gefahren worden. Grund: ein besseres ÖV-Angebot.
Zugpassagiere gestern im Bahnhof Luzern: Für den Arbeitsweg werden, anders als in der Freizeit, immer längere Strecken in Kauf genommen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Zugpassagiere gestern im Bahnhof Luzern: Für den Arbeitsweg werden, anders als in der Freizeit, immer längere Strecken in Kauf genommen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Alexandra Hirsiger

105,9 Millionen Fahrgäste haben vergangenes Jahr den öffentlichen Verkehr im Kanton Luzern benutzt – fast 8 Millionen mehr als 2013. Das ist ein Plus von 9 Prozent, wie der kürzlich veröffentlichte Bericht des Verkehrsverbundes Luzern (VVL) zeigt. Die zusätzlichen Passagiere konnten sich überdies auf einem erweiterten Streckennetz bewegen – die Transportunternehmen haben nämlich rund 2,4 Millionen mehr Kurskilometer angeboten, was gegenüber 2013 einer Steigerung von 8,5 Prozent entspricht.

Betrachtet man die Fünfjahresentwicklung der Fahrgäste und Kurskilometer, fällt die Erhöhung gleichermassen markant aus: Seit der Gründung des Verkehrsverbundes 2010 hat sich die Anzahl Passagiere von rund 86 Millionen um etwa einen Fünftel gesteigert. Auf der Angebotsseite wurde das öffentliche Verkehrsnetz seit 2010 um einen Achtel von 27 Millionen Kilometer auf fast 31 Millionen Kilometer ausgebaut (wir berichteten).

Mehr Passagiere, längere Strecken

Eine weitere Kennzahl, welche die eindrückliche Entwicklung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Luzern illustriert, sind die Personenkilometer. Innert fünf Jahren (2010 bis 2014) haben die Personenkilometer um 33,7 Prozent zugenommen. Die Personenkilometer zeigen auf, wie viele Streckenkilometer von den Passagieren mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt wurden.

Die Erhebung geht in der Praxis nur mit Stichproben und Hochrechnung. Christoph Zurflüh, Medienverantwortlicher des VVL, veranschaulicht anhand eines Beispiels die Theorie dazu: Personen, die in einen Bus oder einen Zug steigen, wird ein Kilometerzähler um den Fuss gebunden und damit die zurückgelegte Distanz registriert.

Längere Distanzen sind im Trend

Dass die Transportunternehmen mehr Passagiere über längere Strecken transportieren, führt Zurflüh teilweise direkt auf den Angebotsausbau zurück. «Die Entwicklung der Personenkilometer bestätigt den generellen Trend hin zu längeren Tagesdistanzen», so Zurflüh.

Kürzere Wege für die Freizeit

Längere Tagesdistanzen legen auch Erwerbstätige zurück. Ein Blick in die Zahlen von Lustat, der zentralen Stelle für öffentliche Statistik des Kantons Luzern, zeigt: 2005 legten Luzernerinnen und Luzerner auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag 8 Kilometer zurück. 2010 waren es täglich 2 Kilometer mehr. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum ging der für Freizeit aufgewendete Weg um rund 3 auf 13,4 Kilometer zurück.

Timo Ohnmacht, Projektleiter am Kompetenzzentrum für Mobilität der Hochschule für Wirtschaft Luzern, bestätigt in dieser Hinsicht: Die Verlängerung der Distanz, die man für die Arbeit zurücklegt, hängt ebenfalls mit einem verbesserten ÖV-Angebot zusammen. «Die Erreichbarkeit spielt eine grosse Rolle in der Entscheidung über Wohn- und Arbeitsort», sagt er. Je besser und schneller Verbindung und Erreichbarkeit, desto akzeptabler werde ein weiter Arbeitsweg. Desto eher falle auch der Entscheid, aus der Stadt in die ländliche Umgebung zu ziehen und den Weg zur Arbeit in die Stadt durch Pendeln zurückzulegen.

Besser erschlossen, mehr genutzt

Dass die Qualität des vorhandenen – oder eben nicht vorhandenen – ÖV-Netzes einen grossen Einfluss auf dessen Nutzung hat, stellen auch Luzerner Unternehmen fest. Sibylle Umiker, Mediensprecherin der Emmi, sagt: «Nur gerade 15 Prozent unserer Mitarbeiter in Emmen benutzen den öffentlichen Verkehr, um dorthin zu gelangen – dieser Industriestandort ist vergleichsweise schlecht durch den ÖV erschlossen. Das Gegenteil beobachten wir hingegen an unserem Standort in der Stadt Luzern, der gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist: Um die 80 Prozent reisen dort mit dem ÖV, dem Velo oder zu Fuss an.»

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Schindler AG mit Sitz in Ebikon: «Wir sind relativ gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Von unseren gut 1800 Mitarbeitern kommen rund 50 Prozent mit dem Auto zur Arbeit, und rund 50 Prozent setzen auf den öffentlichen Verkehr beziehungsweise auf das Velo oder die Anreise zu Fuss», schätzt Florian Meier, stellvertretender Mediensprecher der Liftherstellerin.

Kein Bahnhof – viele Autopendler

Bei der Trisa fällt die Schätzung etwas anders aus: Das Unternehmen geht davon aus, dass ungefähr 70 Prozent der etwa 850 Mitarbeiter motorisiert und individuell, teilweise auch in Fahrgemeinschaften zur Arbeit gelangen. «Das sind hauptsächlich jene rund 600 Mitarbeitenden, die nicht in Triengen und im Surental wohnhaft sind», kommentiert Othmar Wüest, Kommunikationsverantwortlicher der Trisa. Dass es in Triengen keinen Bahnhof gebe, trage seinen Teil dazu bei, fügt er an.

Schindler grosszügiger als Trisa

Nicht nur die Nutzung des öffentlichen Verkehrs geschieht auf verschiedene Art und Weise, auch Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter unterschiedlich.

  • Die Ebikoner Firma Schindler leistet unter den befragten Unternehmen hierbei den grosszügigsten Beitrag: Für ein Abonnement des öffentlichen Verkehrs irgendwelcher Art offeriert Schindler 70 Prozent des Abonnements, maximal aber 600 Franken pro Mitarbeiter und Jahr.

  • Mitarbeiter der Milchverarbeiterin Emmi, die ein privates Generalabonnement besitzen, können bei geschäftlichen Reisen die Hälfte der eigentlichen Reisekosten als Spesen abrechnen.

  • Die in Triengen beheimatete Trisa beteiligt sich mit 40 Franken jährlich pro Mitarbeiter an Halbtax- oder Generalabonnement.

  • Japan Tobacco International mit Sitz in Dagmersellen hält es ähnlich. Die Zigarettenfabrikantin unterstützt die Mitarbeitenden für Geschäftsreisen mit einem Halbtax, das diese auch privat nutzen können.

  • Braun B. Medical, in der Schweiz unter anderem ansässig in Sempach und Escholzmatt, beschränkt sich auf die Lernenden. Der Arbeitsweg, der mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt wird, wird entweder mit einem Passepartout oder einem GA vergütet.

Grafik zur Entwicklung im ÖV. (Bild: Grafik: web, Quelle: VBL)

Grafik zur Entwicklung im ÖV. (Bild: Grafik: web, Quelle: VBL)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.