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MOBILITY: Schossen Linke ein Eigengoal?

Die ökologische Carsharing-Firma würde gut an die Industriestrasse passen. Ausgerechnet SP und Grüne sorgten mit dafür, dass die Überbauung dort blockiert ist.
Hugo Bischof
Die Firma Mobility sucht in Luzern einen neuen Standort. Im Bild der bisherige Hauptsitz an der Gütschstrasse. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Firma Mobility sucht in Luzern einen neuen Standort. Im Bild der bisherige Hauptsitz an der Gütschstrasse. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Luzerner Firma Mobility prüfte aus Platzgründen den Umzug ihres Hauptsitzes an die Industriestrasse (Ausgabe vom 21. März). Dort lag ein fertiges Überbauungsprojekt der Firma Allreal vor. Diesem erteilte das Volk im September 2012 mit seiner Zustimmung zur Volksinitiative «Ja zu einer lebendigen Industriestrasse» aber eine Absage. Dass Mobility nun anderswo Platz suchen muss und einen Wegzug in die Agglomeration nicht ausschliesst, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

SP wusste nichts von Plänen

Denn gerade das Carsharing-Unternehmen, das sich nachhaltige Mobilität auf die Fahne schreibt, würde bestens in das Konzept jener politischen Kräfte passen, die hinter der Industriestrasse-Initiative standen. Gemeint sind SP/Juso und Teile der Grünen. Sie unterstützten als einzige Parteien die Initiative und sind so mitverantwortlich dafür, dass die Neubaupläne an der Industriestrasse vorerst auf Eis gelegt werden mussten.

«Uns waren die Pläne von Mobility an der Industriestrasse nicht bekannt, sie hätten unsere Haltung aber nicht beeinflusst», betont SP-Grossstadtrat Marcel Budmiger auf Anfrage unserer Zeitung. «Bei der Abstimmung ging es nicht um Mobility, sondern um günstigen Wohnraum und kulturelle Freiräume. Zudem wollten wir den Ausverkauf der städtischen Landreserven stoppen.»

Sie hätten von den Mobility-Plänen ebenfalls nicht gewusst, sagt Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen und Jungen Grünen. Auch für sie sei aber der Landverkauf das entscheidende Argument gewesen.

Wie gehts nun weiter?

Wie geht es weiter? Soll ein neues Projekt an der Industriestrasse so konzipiert werden, dass Mobility dort schliesslich doch Platz findet? Auch hier äussern sich SP und Grüne zurückhaltend. Budmiger: «Auch wenn Mobility ein sympathischer Betrieb ist, gilt es auch hier, die Anliegen der Bevölkerung höher zu gewichten als die einzelner Firmen.» Dennoch: «Wir würden es sehr begrüssen, wenn sich Mobility ins gewünschte Leuchtturmprojekt eingliedern liesse.»

Auch für Bärtsch ist klar: «Es macht keinen Sinn, die Überbauungspläne für eine Firma zu konzipieren.» Grundsätzlich würde Mobility aber «gut zur Industriestrasse passen – insbesondere würde Mobility die Bestrebungen nach einem autoarmen Wohnen unterstützen, was für uns Grüne ein wichtiger Aspekt bei Arealentwicklungen ist».

3000 bis 3500 Quadratmeter Bürofläche braucht die Firma Mobility laut ihrem Mediensprecher Patrick Eigenmann. Das Allreal-Projekt sah 4000 bis 5000 Quadratmeter zusammenhängende Bürofläche vor. Soll es bei einem neuen Projekt ähnlich viel Bürofläche geben? «Ja», sagt Korintha Bärtsch. «Die Erfahrung zeigt, dass grosse Büroflächen in der Stadt Luzern fehlen.» Dabei dürfe der primäre Fokus aber nicht darauf liegen, «irgendwelche internationalen Unternehmen nach Luzern zu locken, die dann nach drei Jahren wieder gehen». Wichtiger seien Firmen, die «in Luzern ansässig und gewachsen sind».

«Wie viel Bürofläche an der Industriestrasse entstehen soll, wird nun beim partizipativen Prozess ausgehandelt», sagt Marcel Budmiger. «Das Ergebnis wollen wir nicht vorwegnehmen.» Aber auch für Budmiger ist klar: «Wichtiger als internationale Grosskonzerne sind uns lokale Genossenschaften und das Kleingewerbe.»

Mobility ist zuversichtlich

Könnte sich Mobility einen späteren Umzug an die Industriestrasse vorstellen? Konkret dazu äussert sich Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann nicht: «Wir befinden uns mitten im Evaluationsverfahren und sind überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden – sei es am jetzigen Standort oder an einem neuen im Raum Luzern.» Heute beschäftigt Mobility in seinem Bürohauptsitz an der Gütschstrasse 2 in Luzern 125 Mitarbeiter. Der Platz dort wird langsam knapp.

Zurzeit finden unter Leitung der Stadt Gespräche mit allen Beteiligten statt, um herauszufinden, wie das Areal Industriestrasse künftig überbaut werden soll. Der Auftrag der Stadtbevölkerung ist klar: Der Auftrag muss an eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft gehen. Diese soll das Areal nicht kaufen, sondern im Baurecht übernehmen.

Was sagt die IG Industriestrasse, welche die Initiative lanciert hatte? «Wir sind grundsätzlich offen für Mobility», so die offizielle Stellungnahme auf Anfrage unserer Zeitung. Konkreter äussern wolle man sich wegen des laufenden Verfahrens noch nicht. Immerhin so viel liess sich IG-Sprecher Philipp Ambühl dann doch entlocken: «Eine wichtige Frage wird sicher sein, ob sich Mobility die Miete an der Industriestrasse überhaupt leisten kann.»

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