MODEINDUSTRIE: Calida will Lafuma übernehmen

Calida schaut für seine Zukunft erneut nach Frankreich. Die Schweizer Wäscheherstellerin mit Sitz in Sursee will bei der französischen Sportbekleidungsgruppe Lafuma mehr als nur Mitreden.

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CEO Felix Sulzberger: «Wir schätzen das Entwicklungspotenzial hoch ein». (Bild: Keystone)

CEO Felix Sulzberger: «Wir schätzen das Entwicklungspotenzial hoch ein». (Bild: Keystone)

In einem ersten Schritt will Calida ihren Anteil an Lafuma von derzeit 15,3 Prozent auf 50,6 Prozent aufstocken.

Diesen Schritt, der über eine Erhöhung des Aktienkapitals vollzogen würde, liesse Calida sich 35 Mio. Euro kosten. Der Ausgabepreis der neuen Aktien beliefe sich auf 14 Euro und läge rund 5 Prozent über dem Durchschnittskurs der letzten 60 Tage.

Bereits Anfang Jahr wurde Calida zur grössten Aktionärin von Lafuma. Zugleich hatte der Calida-Chef Felix Sulzberger bei den Franzosen die operative Leitung übernommen. Er ist seit 2004 bereits Mitglied des Verwaltungsrats. Anfang Jahr gab sich Calida aber noch zurückhaltend, was den Ausbau der Beteiligung betraf.

«Wir wollten das Unternehmen zuerst besser kennenlernen», so Sulzberger gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Nun schätzen wir das Entwicklungspotenzial hoch ein», sagt er.

Die Franzosen sind über das Interesse aus der Schweiz erfreut. Dank der Beteiligung können sie ihren Schuldenberg abbauen. Die Lafuma-Gruppe, die die Marken Lafuma, Millet, Eider und Oxbow vertreibt, hatte sich mit Zukäufen übernommen.

Vorteile für beide

Nun könnte Calida neue Finanzpolster bringen. Nach der Erhöhung ihres Anteils wäre Calida zuerst verpflichtet, den Drittaktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Über eine zweite Kapitalerhöhung unter Wahrung des Bezugsrechts für Minderheitsaktionäre böte sich anschliessend die Möglichkeit, zu - gemäss Calida - «vorteilhaften Konditionen» in Lafuma zu investieren.

Beim obligatorischen Kaufangebot an die übrigen Lafuma-Aktionären würde Calida 14 Euro pro Aktie bieten. Die französische Finanzmarktaufsicht muss diesen Preis noch genehmigen. Zudem muss noch ein unabhängiges Bewertungsgutachten erstellt werden.

Bei der Kapitalerhöhung nach dem Kaufangebot sähe Calida gerne einen Aktienausgabepreis von nur 9 Euro, was einem Abschlag von 36 Prozent entspräche.

Hauptsache die Mehrheit

Wie hoch Calidas Beteiligung letztlich sein wird, hängt von der Zahl der Aktien ab, die angedient werden. Gemäss Calida gibt es diesbezüglich keine Ziele. «Wir wollten mindestens über 50 Prozent. Wie viel es letztlich sein wird, ist völlig offen», so Sulzberger.

Lafuma macht mit rund 225 Mio. Euro zwar mehr Umsatz als Calida mit rund 203,1 Mio. Franken. Sie ist aber im Gegensatz zum Schweizer Unternehmen nicht profitabel. Der Verlust schmälerte in der ersten Jahreshälfte denn auch den Gewinn von Calida um 1,4 Mio. Franken.

Das wird sich ändern, ist Calida überzeugt. Lafuma werde einen wichtigen Beitrag leisten zum Ausbau der Gruppe. Vorbild hierzu könnte Aubade sein, die französische Luxus-Dessous-Marke, die Calida 2005 gekauft hatte.

Aubade hat sich vom Sorgenkind zur wichtigen Stütze des Konzerns entwickelt. Inzwischen steuert Aubade mit 53,5 Mio. Euro einen wichtigen Teil des Umsatzes bei. Dank der französischen Luxuswäsche erzielte Calida im Jahr 2011 sogar den höchsten Gewinn seit dem Börsengang 1987.

Anfänglich aber drückten die Franzosen die Schweizer in die Verlustzone. Es mussten Kosten gespart und Stellen abgebaut werden. Bei Lafuma seien die Restrukturierungen bereits passiert, so Sulzberger gegenüber der sda.

Als nächstes müssen die Lafuma-Aktionäre nun die Transaktion noch an einer ausserordentliche Generalversammlung genehmigen. Diese soll noch im laufenden Jahr durchgeführt werden. Von Seiten des Lafuma-Verwaltungsrats liegt ein bis Ende Jahr gültiges exklusives Verhandlungsmandat vor.

(SDA\/ti rj)

sda