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Bundesgericht entscheidet: Mann, der Luzernerin ermordete, bleibt in Haft

Wenn verurteilte Kriminelle zwei Drittel ihrer Freiheitsstrafe abgesessen haben, müssen sie bedingt entlassen werden – so steht es im Gesetz. Ausnahmen sind möglich. Jüngst haben die Luzerner Vollzugsbehörden davon gleich zweifach Gebrauch gemacht.
Lena Berger
Blick in eine Zelle im Zentralgefängnis Lenzburg, wo der Mann untergebracht ist, der im Jahr 2000 seine schwangere Verlobte umgebracht hat. (Keystone/Walter Bieri, 23. Mai 2017)

Blick in eine Zelle im Zentralgefängnis Lenzburg, wo der Mann untergebracht ist, der im Jahr 2000 seine schwangere Verlobte umgebracht hat. (Keystone/Walter Bieri, 23. Mai 2017)

Wenn in der Zentralschweiz das Stichwort «Todespfleger» fällt, dann weiss noch heute jeder, wovon die Rede ist. Der Fall des Mannes, der zwischen 1995 und 2001 mindestens 22 Patienten in Alters- und Pflegeheimen umbrachte, hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Der mehrfache Mörder wurde 2006 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Seit zwei Jahren könnte er bedingt entlassen werden – doch die Vollzugsbehörden haben das Gesuch jüngst erneut abgelehnt (Artikel vom 6. Juni).

Die Dimension dieses Falles hat die Tat eines anderen Mörders, der im gleichen Jahr verurteilt wurde, in den Schatten gestellt. Und so blieb der Öffentlichkeit bislang verborgen, dass auch dieser bald wieder auf freien Fuss kommen könnte.

Rückblende: Am Nachmittag des 27. November 2000 findet eine Spaziergängerin im Leidenbergwald bei Oberkirch die Leiche einer jungen Frau. Die Schwangere wurde mit sechs Messerstichen getötet und einen Abhang herabgeworfen. «Wie Abfall entsorgt», wie es der Staatsanwalt später ausdrücken wird.

"Die Entlassung ist die Regel, die Verweigerung die Ausnahme."

Schon früh gerät ihr Verlobter ins Visier der Behörden. Der Marokkaner taucht nach der Tat unter. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der abgewiesene Asylbewerber seine Verlobte umgebracht hat, weil sie wenige Tage vor der Tötung die Hochzeit hatte platzen lassen. Denn damit hat sich seine Hoffnung auf ein Bleiberecht zerschlagen. Es gibt zwar keinen direkten Tatbeweis – dennoch folgt das Kriminalgericht dem Antrag der Staats­anwaltschaft und verurteilt den Mann wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Ober- und Bundesgericht bestätigen das Verdikt.

Inzwischen hat der Mann mehr als zwei Drittel seiner Strafe verbüsst. Damit wäre er von Gesetzeswegen bedingt zu entlassen – wenn er sich erstens um Vollzug anständig benommen hat und zweitens nicht anzunehmen ist, dass er weitere Straftaten begehen wird. Die Entlassung ist die Regel, die Verweigerung die Ausnahme. Entsprechend muss Letztere seitens der Vollzugbehörden gut begründet werden können.

Bundesgericht stützt den Entscheid der Behörde

Die Behörde tut dies. Und zwar einerseits mit diversen Vorfällen, die sich in elf Jahren Haftzeit ereignet haben sollen, wie aus einem Urteil des Bundesgerichts hervorgeht. Bis vor diese Instanz hat der Mann nämlich um seine Freilassung gekämpft. Weiter wurde seitens der Vollzugsbehörde ein Gutachten vorgelegt, wonach der Mann an einer Persönlichkeitsstörung leidet, die sich durch egozentrisches, narzisstisches und dissoziales Verhalten auszeichnet. Seine Werte weisen auch auf eine hohe Ausprägung psychopathischer Eigenschaften hin. Das bedeutet, dass er kaum Empathie empfindet sowie seine Umgebung täuscht und manipuliert. Entsprechend sei auch nicht auszuschliessen, dass er nur vorgebe, sich geändert zu haben. Das Gutachten geht von einem hohen Rückfallrisiko für Betrugsdelikte sowie einem erhöhten Risiko für Körperverletzungen aus.

Der Mann wurde zwar zu 15 Jahren Landesverweis verurteilt, die Vollzugsbehörde befürchtet, dass er dennoch in die Schweiz zurückkehren könnte. Aus diesen Gründen lehnte sie die bedingte Entlassung ab. Sowohl das Kantons- wie auch das Bundesgericht bestätigten den Entscheid.

Welche Gründe dazu geführt haben, dass auch dem «Todespfleger» die bedingte Entlassung vorenthalten wurde, ist nicht bekannt. Die Öffentlichkeit wird diese nur erfahren, wenn der Mann das Urteil ans Kantonsgericht weiterzieht und das Verfahren dadurch öffentlich wird. Ob er das tun wird, ist noch offen.

Klar ist: Die beiden Fälle unterscheiden sich insofern, dass dem «Todespfleger» immer attestiert wurde, psychisch gesund und voll zurechnungsfähig zu sein – was im Fall der ermordeten Schwangeren nicht der Fall ist. Steht eine Tat mit einer schweren psychischen Erkrankung in Zusammenhang, kann der Freiheitsentzug sogar länger dauern als die eigentliche Strafe gedauert hätte (siehe Box).

Hinweis: Die Nummer des Bundesgerichtsurteils lautet 6b_119/2018.

Strafe längst abgesessen - und trotzdem hinter Gittern: Ex-Bodybuilder ist jetzt im offenen Vollzug

Ist ein Straftäter psychisch gestört, und seine Krankheit steht in Zusammenhang mit seinen Delikten, ordnet das Gericht neben einer Freiheitsstrafe eine Massnahme an. Diese kann länger dauern als die Strafe. So sitzt ein Ex-Bodybuilder noch heute hinter Gittern, obwohl er vom Luzerner Kriminalgericht 1999 wegen Vergewaltigung und Körperverletzung nur zu knapp sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Der Mann leidet gemäss Gutachten an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Weil weiter ein hohes Risiko für «punktuelle Gewalthandlungen» bestehe, wurde die Massnahme jüngst vom Kantonsgericht um weitere zwei Jahre verlängert. Der Mann ist nun aber im offenen Vollzug und soll auf das Leben in Freiheit vorbereitet werden. (ber)

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