MOGGETÄTSCHER: 50 Jahre jung, 30 Jahre auf dem Dach

Auf dem Stadtkellerdach geht ein Spektakel ab. Das Publikum reckt die Hälse und wartet gespannt ab, «wem die Stunde schlägt».

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Die Moggetätscher feiern ihr Doppeljubiläum: Mit Schalk und Witz werden dabei auch Touristen aufs Korn genommen. (Bild Philipp Schmidli)

Die Moggetätscher feiern ihr Doppeljubiläum: Mit Schalk und Witz werden dabei auch Touristen aufs Korn genommen. (Bild Philipp Schmidli)

Sandra Monika Ziegler

Mit dem Stück «Wem die Stunde schlägt» starten die Moggetätscher ihre 30. Theatersaison mit einem Doppeljubiläums-Auftritt auf dem Dach des Stadtkellers. Das war nicht immer so.

Von der Strasse aufs Dach

Gegründet wurde die Fasnachtsgruppe im schwülheissen Sommer im Jahre 1966. Die schweisstreibenden Tage hatten es in sich und waren mit Unmengen Mücken angereichert. Da war für eine kleine Gruppe Badebegeisterter kein Entkommen mehr, es wurde geschmiert, gesprayt und herumgeschlagen. Einer der Gruppe hatte das passende Utensil dabei: einen sogenannten «Flügetätscher». «Das wars!» schoss es den jungen Leuten durch den Kopf, wir gründen eine Guuggenmusig mit dem Namen Moggetät­scher. Selbst auf intensives Nachfragen hin – notabene ist es jetzt 50 Jahre her – konnte nicht mehr genau eruiert werden, ob das «stechende Geschwader» Auslöser für die Namensgebung war – oder ob es sich dabei um eine frei erfundene Geschichte handelt.

Marschproben für den Gleichschritt

Für ihre ersten Auftritte, damals gut 50 Mannen, stürmten sie in wallenden Gewändern und mit grossen Grenden die Gassen.

Damit der Auftritt mit Paukenschlag, Schällenbaum und Bläsertrupp im Gleichschritt vonstatten ging, wurden strenge Marschproben einberufen. Geübt wurde nicht nur auf heimischem Terrain, es gab gar Auftritte in Bulle, Bellinzona oder auch in Lyon. Einige Jahre ging das ganz gut.

Als sich aber die Guuggen rasant vermehrten, von den Moggetätschern musikalisches Personal abgeworben wurde und die Stadt Luzern immer mehr Vorschriften erliess, erlahmte die fasnächtliche Begeisterung, bald wurde klar: Es muss etwas Neues her.

Wieder wurde gehirnt und gebadet – denn die besten Ideen kommen bekanntlich in den Sommermonaten. Wir schreiben das Jahr 1976. Die Moggetät­scher setzen auf musikalisches Strassentheater mit Maskenspiel. Bald zeichnete sich ab, dass das Theaterspiel dem Musizieren vorgezogen wird. Und dafür wurde kein Aufwand gescheut. Die Lozärner Fasnacht wurde mit Zigeunerwagen inklusive gackerndem Gefieder oder mit fahrbarer funktionstüchtiger Beiz belebt und kreativ bereichert.

Doch der Neid kennt selbst während der Fasnacht keine Pause. Und so konnten es sich einige Luzerner Altstadtwirte nicht verkneifen, die Stadtoberen auf den nicht bewilligten Ausschank von Hochprozentigem und dem Verköstigen der Fasnächtler mit Suppe und Risotto aufmerksam zu machen. Ja selbst die fahrbare Kafi-Träsch-Hütte geriet ins Visier.

Namen und Zerquetschte

Und erneut musste ein Sommer lang gebadet werden, um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Nicht alle goutierten die erneuten Einschränkungen, sahen gar die Fasnacht in Gefahr. Es kam zur Spaltung der Gruppe: Musikwillige versus Theaterfreudige. Nun befinden wir uns im Jahr 1983. Den Namen Moggetätscher und einige Zerquetschte aus der Vermögensschatulle durften die Theaterwilligen behalten. Fortan bespielten sie als redimensionierte Gruppe Gassen und Plätze. Sie spielten so lange, bis die wundersame Vermehrung der Guuggenmusigen dermassen fortgeschritten war und sie von denen buchstäblich in die Ecke gedrängt wurden. Jetzt fehlte der Platz für ein grosses Theater.

Theater in luftiger Höhe

Und wieder waren neue Ideen gefragt. Für einmal wurde dafür nicht im See gebadet, sondern in der Altstadt spaziert. Auf einer Altstadttour entdeckten die noch zwölf verbliebenen Moggetätscher das Flachdach des Musiklokals Stadtkeller. Ohne drängen und drücken Theater zu spielen, das wäre was.

Dank schnellem Zuschlag des damaligen Stadtkellerwirtes Walti Vollenmeier waren sie sich handelseinig und zogen so von der Strasse aufs Dach.

Mit einem mittelalterlichen Glockenspiel samt Drehbühne begann das Dachspektakel. Seit nun gut 30 Jahren spielen sie meist pünktlich und zur vollen Stunde. Jahr für Jahr wurden die Vorführungen spektakulärer, wurde in die Höhe und in die Breite gebaut und nahm die Mitgliederzahl ebenso wundersam zu. Diese Fasnacht sind 35 Moggetätscher von jung bis altdynamisch am Werk und warnen schelmisch vom Dach all diejenigen, denen die Stunde schlägt.