MOGGETÄTSCHER: Kindergarten auf dem «Stadtkeller»

Das Fasnachtstheater lässt dieses Jahr Kinder an die Macht und zeigt die Folgen der Sparpolitik auf – knallhart, aber lustig.

Luca Merlo
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Die Moggetätscher auf dem Dach des «Stadtkellers». (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 23. Februar 2017))

Die Moggetätscher auf dem Dach des «Stadtkellers». (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 23. Februar 2017))

Luca Merlo

stadt@luzernerzeitung.ch

Ein riesiges Kinderzimmer thront dieser Tage auf dem «Stadtkeller». Das Theater Moggetätscher zeigt dort unter dem Motto «Kinder an die Macht» täglich sieben bis acht Aufführungen. Dabei bekommen unter anderem die «Bildungssparer» und ehemalige Bundesräte ihr Fett weg.

Zwischen Schaukelpferd, Zählrahmen und Mobile tummeln sich über ein Dutzend Kleinkinder im Laufgitter und hören dem Kasperlitheater zu. In diesem wird das Prinzessli Evelindli von Räuber Christöpherli Chlotzundplotz Gäldsack entführt und in eine Burg gesperrt. Doch immer wieder wird das Theater im Theater unterbrochen. Entweder durch die lärmenden Goofen selbst, durch Zalando-Kuriere – oder durch eine Mathematikstunde. Und in dieser offenbaren die Kinder ihre haarsträubenden Rechenkenntnisse: Keines der Resultate ist richtig, da die Kinder zu lange in den Zwangsferien waren.

Auch der Werkunterricht wurde offensichtlich weggespart: So fällt die aus riesigen Duplo-Klötzen aufgebaute Mauer sogleich wieder in sich zusammen, und passend zum aktuellen Weltgeschehen lärmt es aus den Lausprechern «Mexico, Mexico!».

Unterdessen wird das arme Prinzessli Evelindli von einem Zolipisten befreit. Der böse Räuber Christöpherli wäre beinahe entkommen, hätte Kasperli nicht aufgepasst und ihm gehörig den Hosenboden versohlt.

Das Motto «Kinder an die Macht» passt auch zur aktuellen Situation der Theatergruppe selbst, wie das langjährige Mitglied Marino Malagoli erklärt: «Letztes Jahr feierten wir unser 50-jähriges Bestehen. Das war für uns Grund genug, die junge Garde ans Ruder zu lassen.» Die «Alten» stehen aber weiterhin mit guten Ratschlägen zur Seite. Doch nicht alles ist neu bei den Moggetätschern: Dieses Jahr werden sie nach 30 Jahren auf dem «Stadtkeller» zwischendurch auch wieder in den Gassen unterwegs sein, wie es die Gruppe in ihren Anfängen gemacht hat.

Ein Besuch auf dem Sternenplatz lohnt sich auf alle Fälle. Was Herbert Grönemeyer in seinem Lied «Kinder an die Macht» singt, das zu Beginn des Stücks eingespielt wird, trifft für das knapp fünfzehnminütige Theater voll und ganz zu: «Wir werden in Grund und Boden gelacht!»

Hinweis

Die Moggetätscher spielen noch bis am Güdisdienstagabend zu unterschiedlichen Zeiten auf dem Dach des «Stadtkellers».