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Luzerner Studenten entwickeln Mond-Menu: Algenpasta und Seegrasdrink

Es ist ein lang gehegter Traum der Menschheit, dereinst den Mond zu besiedeln. Studenten der Hochschule Luzern tüfteln derzeit daran herum, wie sich die Menschen ernähren könnten, wenn sie dort oben leben. Eins vorweg: Feinschmecker bleiben besser hier.
Lena Berger
Algen – die unter dem Mikroskop selber aussehen, wie fremde Planeten – könnten einen Beitrag zum Leben auf dem Mond leisten. (Bild: Getty)

Algen – die unter dem Mikroskop selber aussehen, wie fremde Planeten – könnten einen Beitrag zum Leben auf dem Mond leisten. (Bild: Getty)

Rasch eine Pizza bestellen geht nicht: Der Transport jeglicher Güter auf den Mond ist unglaublich teuer. Studenten der Hochschule Luzern untersuchen deshalb, welche Formen von Landwirtschaft da oben möglich sein könnten, um weitgehend unabhängig von der Erde überleben zu können.

Mit herkömmlichen Bauernhöfen wird das wenig zu tun haben, das ist bereits klar. Zwar gibt es Sonnenlicht auf dem Mond, die Böden jedoch sind derart nährstoffarm, dass kaum eine Pflanze gedeihen würde. Kommt hinzu: In der Schwerelosigkeit wachsen Nutzpflanzen deutlich schlechter, ihnen fehlt sozusagen der Boden unter den Füssen, der ihnen die Orientierung gibt, in welche Richtung sie wachsen sollen. Die Idee, Mondboden mit Exkrementen zu mischen und so Kartoffeln wachsen zu lassen – so wie es Schauspieler Matt Damon im 2015 erschienenen Film «Der Marsianer» tut – ist also eher utopisch.

Erkenntnisgewinn auch für Anwendungen auf der Erde

Und doch ist sie gar nicht so weit von dem entfernt, was Studenten der Hochschule Luzern derzeit planen. Zusammen mit 19 anderen Studententeams aus aller Welt befassen sie sich derzeit mit der Frage, wie auf dem Mond oder auf anderen Planeten Lebensraum für Menschen geschaffen werden könnte. Während man zum Beispiel an der ETH Zürich einen Roboterarm entwickelt, der aus Eisblöcken Wohnhöhlen bauen kann, wird in Luzern derzeit an einem Bioreaktor zur Algenzucht geforscht. «Algen könnten auf dem Mond vielseitig eingesetzt werden», erklärt Marcel Egli, Leiter des Kompetenzzentrums für biomedizinische Weltraumforschung und Medizintechnik in Hergiswil. «Sie liefern nicht nur Sauerstoff, sondern auch lebenswichtige Vitamine, Kohlenhydrate und Fette. Denkbar wäre, daraus einen Pasta-Teig oder Spirulina-Pulver herzustellen», so Egli. Letzteres wird hierzulande gerne genutzt, um die gesundheitsfördernde Wirkung von Smoothies zu verstärken.

Das Wachstum der einzelligen Algen wird durch die Schwerelosigkeit kaum beeinflusst. Das Material kann zudem auch genutzt werden, um Bioplastik herzustellen. Damit könnte man mit einem 3D-Drucker Werkzeuge und Alltagsgegenstände schaffen.

Die Alge ist also eine regelrechte Wunderwaffe, um auf dem Mond zu überleben. Die Frage ist jetzt nur noch, wie sie vor Ort gezüchtet werden kann. Viel braucht es nicht, damit sich die Pflanzen wohlfühlen: nur Licht, Wasser, Nährstoffe und CO2. Die ersten beiden Zutaten sind auf dem Mond vorhanden. Bezüglich des CO2 streben die Forscher eine Kreislaufwirtschaft an: Das Gas könnte aus der Umgebungsluft der Behausungen künftiger Mondbewohner gewonnen werden. Ganz falsch lag der Film «Der Marsianer» also nicht.

Sorgfältiger Umgang mit Ressourcen wird auch auf der Erde immer wichtiger

Der Prototyp des Bioreaktors steht bereits. Und obwohl die Studenten Grosses damit vorhaben, ist die Konstruktion selber verblüffend simpel. Es handelt sich um eine Art Setzkasten aus durchsichtigem Plexiglas, der mit Wasser und einzelligen Algen gefüllt wird. Gas wird eingeleitet und durch ein Belüftungssystem wird das Wasser ständig in Bewegung gehalten. Das zum Wachstum benötigte Licht wird auf der Aussenseite über LED-Paneelen bereitgestellt – fertig ist die Algenfarm.

Genauer erklären werden die Studenten die Funktionsweise selber – und zwar vom 24. Juni bis zum 3. Juli in einer Gletscherhöhle des Klein Matterhorns. Auf einer Höhe von 3883 Metern über Meer bei einer Raumtemperatur von -50C sind die Bedingungen so mondähnlich, wie sie auf der Erde nur sein können. Deshalb werden die 20 Studententeams, die an dem Projekt «Igluna» teilnehmen, dort ihre Prototypen testen und der interessierten Bevölkerung präsentieren.

Was auf dem Mond funktionieren soll, könnte übrigens auch praktische Anwendung auf der Erde finden. «Der sorgfältige Umgang mit Ressourcen wird schliesslich auch hier ein immer wichtigeres Thema», sagt Zentrumsleiter Marcel Egli.

Algen-Satellit soll Langzeit-Daten sammeln

Eine Frage, wird aber auch nach Abschluss des Projekts «Igluna» vorläufig offenbleiben: Nämlich ob sich die Algenzellen bei einem längeren Aufenthalt auf dem Mond durch die kosmische Strahlung genetisch verändern und allenfalls absterben würden. «Dazu gibt es bislang keine Langzeit-Daten», sagt Hochschulprofessor Egli. Sein Forschungsteam will das nachholen und arbeitet derzeit an einem mit Algenzellen ausgestatteten Satelliten, der längere Zeit in der Umlaufbahn bleiben, entsprechende Daten sammeln und auf die Erde schicken soll.

So wird der Mond bewohnbar

Zwanzig Studententeams aus ganz Europa beteiligen sich am Projekt Igluna. Das Ziel: eine Unterkunft für Menschen auf dem Mond entwickeln. Die Idee ist ein Habitat im Eis unter der Mondoberfläche, in der Menschen in der lebensfeindlichen Umgebung leben und wohnen können. Derzeit sind die Teams am Bau der Prototypen, wie das «Swiss Space Center» der ETH Lausanne (EPFL) mitteilte.

Bis Juni sollen die Module in einer Gletschergrotte auf dem Klein Matterhorn eintreffen, und alle sollen dort zusammenkommen, um sich ausführlichen Tests zu unterziehen. Die Feldkampagne ist öffentlich zugänglich und es werden zu diesem Anlass neben einer Ausstellung im Dorfzentrum von Zermatt weitere Veranstaltungen geplant. Mehr Informationen über das Projekt Igluna finden Sie online unter www.spacecenter.ch/igluna

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