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Interview

Ständeratskandidatin Monique Frey: «Unsere Rolle ist die der Vorreiterin»

Die Grüne Monique Frey aus Emmen will in den Ständerat. Sie würde in Bern zwei Schwerpunkte setzen – ganz andere als bürgerliche Luzerner Kandidaten.
Lukas Nussbaumer
«Ich bin sehr direkt»: Monique Frey mit drei von ihr mitbetreuten Schafen bei sich zu Hause in Emmen. (Bild: Pius Amrein, 30. September 2019)

«Ich bin sehr direkt»: Monique Frey mit drei von ihr mitbetreuten Schafen bei sich zu Hause in Emmen. (Bild: Pius Amrein, 30. September 2019)

Monique Frey ist in der kantonalen Politik ein Schwergewicht. Nun möchte die 54-jährige Emmerin im Ständerat neue Akzente setzen. Ihre Wahlchancen sind gemäss eigener Einschätzung allerdings «überschaubar».

Sie wollten sich zusammen mit drei Schafen bei Ihnen zu Hause fotografieren lassen. Warum?

Monique Frey: Ich will damit zeigen, dass wir eine Gruppe von Leuten sind, die im Turnus die Schafe betreuen. Das Bild soll symbolisieren, dass ich keine Einzelkämpferin bin.

Selbst mit einer vereint kämpfenden Linken dürfte eine Grüne Frau im Kanton Luzern keinen Sitz im Ständerat holen. Ihre Wahlchancen sind gering.

Sie sind überschaubar, ja. Doch in einem zweiten Wahlgang ist alles möglich. Wir Grün-Linke zusammen haben bei den Kantonsratswahlen schliesslich einen Wähleranteil von 32,1 Prozent erreicht. Eine bürgerliche Luzerner Doppelvertretung im Ständerat ist also nicht gerechtfertigt.

Haben Konrad Graber(CVP) und Damian Müller (FDP) Luzern in Bern demnach schlecht vertreten?

Aus meiner Sicht eindeutig zuwenig gut. Beim Finanzausgleich setzen sie auf Konkurrenz statt Solidarität. Es fehlte auch die Sicht einer Frau.

Vier Fragen an Monique Frey:

Haben Müller und Graber wenigstens punktuell in Ihrem Sinn politisiert?

Zugute halten will ich Damian Müller seinen Einsatz für den Durchgangsbahnhof, das hat er medienwirksam hingekriegt. Und Konrad Graber hat sich im Ständerat immerhin für einen Gegenvorschlag zur Konzern-Verantwortungs-Initiative stark gemacht.

Wofür würden Sie denn einstehen?

Ich würde zwei Schwerpunkte setzen, den ersten in der Finanz- und Steuerpolitik. Diese haben wir uns jetzt zehn Jahre lang vom Finanzausgleich diktieren lassen. Doch Steuerdumping unter den Kantonen tut uns nicht gut, sie schadet uns als Schweiz.

«Wir müssen uns als Bundesstaat verstehen und nicht weiter gegenseitig Steuerzahler abwerben.»

Als Grüne wird Ihr zweiter Schwerpunkt die Klimapolitik sein.

Klar. Dass Anpassungen nötig sind, dürfte inzwischen allen klar sein. Wir Grünen wollen aber möglichst schnelle Veränderungen. Unsere Rolle ist die der Vorreiterin.

Wie meinen Sie das?

Wir bringen Themen aufs Tapet, machen sie verständlich, zeigen ihre Umsetzbarkeit auf. Wenn der letzte Schritt zur Realisierung eines von uns lancierten Geschäfts dann von Bürgerlichen kommt, ist das auch okay.

Ist die Rolle der ständigen Verliererin bei ganz vielen Themen – zumindest zu Beginn ihres Erscheinens auf der Politbühne – auf Dauer nicht ermüdend? Haben Sie das nicht irgendwann satt?

Ich delegiere die Enttäuschung an meine Haare, darum sind die schon grau geworden (lacht). Im Ernst: Ich bin Optimistin. Sonst würde ich das alles nicht machen. Und ich vertraue dem parlamentarischen Weg. Der dauert zwar manchmal sehr lang. Aber wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass es in der Schweiz einen Vaterschaftsurlaub gibt, wenn auch nur einen kurzen? Als nächster Schritt folgt dann die Elternzeit.

Beim Klima muss es aber schnell gehen.

Wir Grünen befinden uns derzeit im Hoch. Das erhöht den Druck auf die anderen Parteien. Die Bürgerlichen betonen ja stets, wie unverantwortlich es sei, finanzielle Schulden auf die nächste Generation zu überwälzen. Das Gleiche muss zwingend auch im Klimabereich gelten.

Die Schweiz alleine kann wenig ausrichten.

Auch ein Donald Trump ist dank der Amtszeitbeschränkung nach spätestens zwei Legislaturen wieder weg.

Was sagen Sie einer in bescheidenen Verhältnissen lebenden Familie, die künftig hohe Abgaben auf Benzin oder Diesel zahlen soll?

Dass ich mich für eine sozialverträgliche Umsetzung einer neuen Klimapolitik stark machen werde. Es müssen zwar verursachergerechte Lösungen gefunden werden. Doch ärmere Leute müssen sich diese auch leisten können. Deshalb braucht es gute Löhne, zahlbare Mietzinsen und Krankenkassenprämien.

Wie klimafreundlich leben Sie selber?

Privat sehr. Wir haben seit 30 Jahren eine thermische Solaranlage, seit vier Jahren Photovoltaikzellen, und wir heizen mit Holz. Im Beruf ist es schwieriger, weil ab und zu Flugreisen in andere Länder nötig sind. Doch sie sind weniger geworden – dank Video-Konferenzen.

Sie argumentieren im Kantonsrat stets fundiert, kritisieren aber ihre politischen Gegner zuweilen hart. Das kostet Sie Stimmen aus anderen Lagern.

Ich bin sehr direkt, ja. Das wird aber offenbar geschätzt. So habe ich bei den letzten Kantonsratswahlen im Wahlkreis Hochdorf hinter dem jetzigen Regierungsrat Fabian Peter am zweitmeisten Stimmen von Wählern anderer Parteien geholt.

Steckbrief zur Person

Monique Frey ist seit 2008 Kantonsrätin und seit 2015 Fraktionschefin der Grünen. Sie wohnt in Emmen. Das müssen Sie noch über sie wissen:

- Alter: 54
- Beruf: Dr., dipl. Ing. Agr. ETH, Fachberaterin Ernährungssicherheit und Märkte bei der Caritas
- Hobbys: Lesen, Velofahren, Wandern, Schafgruppe, Politik
- Politischer Werdegang: Monique Frey war von 1990 bis 1996 Einwohnerrätin im aargauischen Brugg. Dann, nach einem Wohnortswechsel, politisierte sie zwischen 2007 und 2013 im Einwohnerrat von Emmen. Von 2008 bis 2019 war sie Vorstandsmitglied der Grünen des Kantons Luzern. 2008 bis 2012 leitete sie die Kantonalpartei als Co-Präsidentin mit. Im Kantonsrat gehört sie seit 2015 der Aufsichts- und Kontrollkommission an, zuvor weiteren zwei Kommissionen. (nus)

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