MONOPOL: Kaminfeger: Preis steigt bei Liberalisierung

Profitieren Hausbesitzer von der freien Wahl des Kaminfegers? Erfahrungen in Kantonen wie Zürich zeigen: Nein. Trotzdem geht die Entwicklung nur in eine Richtung.

Lukas Nussbaumer
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Je nach Kanton steigen Kaminfeger für unterschiedlich hohe Preise auf Dächer (Symbolbild). (Bild: Keystone / Ennio Leanza)

Je nach Kanton steigen Kaminfeger für unterschiedlich hohe Preise auf Dächer (Symbolbild). (Bild: Keystone / Ennio Leanza)

Lukas Nussbaumer

Die Luzerner Regierung zweifelt an ihrer eigenen, noch vor kurzem eingenommenen Haltung: Sie lässt prüfen, ob das seit Jahrzehnten bestehende Kaminfegermonopol nicht doch fallen soll. Dies, obwohl sowohl der Direktor der Gebäudeversicherung als auch der Kaminfegermeisterverband von der geltenden Monopol-Lösung überzeugt sind und der Kantonsrat sich auf Anraten der Regierung hin im Januar 2014 gegen eine Liberalisierung ausgesprochen hatte (Ausgabe vom Mittwoch).

In Luzern können Hausbesitzer wie in 16 anderen Kantonen der Schweiz ihren Kaminfeger nicht frei wählen. Die Regierung legt fest, welche Gemeinden zu welchem Kaminfegerkreis gehören; und das Justiz- und Sicherheitsdepartement wählt die verantwortlichen Kaminfegermeister für die Dauer von vier Jahren. Auch die Tarife sind behördlich fixiert.

Im Kanton Luzern arbeiten rund 60 Kaminfeger in 18 Geschäften. Landesweit sind es etwa 1500, davon haben rund 400 ein Meisterdiplom. Die Zahl der Kaminfeger hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert.

«Monopole kommen unter Druck»

Auf die freie Wahl des Kaminfegers – das bevorzugte Modell von Avenir Suisse (siehe Kasten) – setzen inzwischen neun Kantone. Es sind dies Zug, Schwyz, Uri, Obwalden, Tessin, Zürich, Basel-Stadt, Schaffhausen und seit Anfang 2014 auch Glarus. In den Kantonen Aargau und Bern scheiterten die letzten Liberalisierungsversuche 2013. In Bern allerdings strebt der Kaminfegermeisterverband nun bis 2020 eine Liberalisierung an.

Luzern und Bern werden nicht die einzigen Kantone bleiben, in denen die Abschaffung des Monopols in den nächsten Jahren diskutiert wird, glaubt Stephan Gisi, Geschäftsführer des Schweizerischen Kaminfegermeister-Verbandes. «Die Monopole werden punktuell unter Druck kommen», sagt Gisi – und bezeichnet diese Entwicklung als Chance für die Branche, solange bei der Ausführung der Arbeit auch weiterhin berufliche Anforderungen gestellt werden und eine regelmässige Kontrolle, Wartung und Reinigung der Heizungsanlagen empfohlen wird. «Die Kunden, aber auch die Kaminfeger, erhalten dadurch Freiheiten, und der kantonale Vollzug von Umwelt- und Brandschutz wird so im Sinne der Sicherheit für alle Beteiligten aufrechterhalten.» Mit dieser Aussage spreche er sich nicht generell für liberale Modelle aus, betont Gisi. Er könne auch Argumente der Monopol-Befürworter nachvollziehen, beispielsweise die Möglichkeit einer effizienten Einsatzgestaltung und tiefere Preise für die Kunden, dies vor allem in ländlichen Regionen.

Zürich: Preis stieg um 30 Prozent

Mit dem Preis argumentiert beispielsweise Willy Kirchhofer, Vizepräsident des Luzerner Kaminfegermeisterverbands. Er bezweifelt, dass Kunden bei liberalen Modellen weniger für die Arbeiten des Kaminfegers ausgeben. Die Erfahrungen der Zürcher Hausbesitzer geben Kirchhofer Recht. 2002, als Zürich das Monopol auf Initiative der Kaminfeger selber abgeschafft hatte, stiegen die Preise im gleichen Jahr um satte 30 Prozent. Harry Weber, Präsident des Zürcher Kaminfegermeisterverbands, hält dies jedoch für gerechtfertigt. «Vorher wurden die Preise mehr als zehn Jahre lang nicht angepasst. Wir arbeiteten also jahrelang zu günstig.» Seither, so Weber, hätten sich die Preise eingependelt.

Die seit 14 Jahren herrschende freie Wahl des Kaminfegers bezeichnet Weber im Rückblick denn auch als Erfolg: «Die Liberalisierung hat sich für uns gelohnt. Weil im Kanton Zürich arbeitende Kaminfeger eine Bewilligung der Gebäudeversicherung brauchen und das Absolvieren der Meisterprüfung verlangt wird, ist auch die Qualität nicht gesunken.»

Zug: Meisterprüfung nicht nötig

Weniger Vorschriften als im Kanton Zürich existieren in Schwyz und Zug. So müssen Kaminfegergeschäfte für den Erhalt einer behördlichen Bewilligung keine Angestellten mit Meisterprüfung vorweisen. In Schwyz, wo die freie Wahl des Kaminfegers schon 1995 eingeführt wurde, soll daran auch nichts geändert werden. «Der freie Markt funktioniert bestens. Es sind keine Eingriffe geplant», sagt Georg Kenel, Leiter der Abteilung Brandschutz beim Amt für Militär, Feuer- und Zivilschutz.

Weniger grosse Erfahrungen mit einer liberalen Lösung hat der Kanton Zug. Die 2010 eingeführte freie Wahl des Kaminfegers habe sich aber grundsätzlich bewährt, sagt Hans-Peter Spring, Geschäftsführer-Stellvertreter der Gebäudeversicherung Zug. Im kommenden Frühjahr würden die bisher gemachten Erfahrungen mit dem Zuger Kaminfegermeisterverband ausgetauscht. Dabei würden die Anforderungen für den Erhalt einer Bewilligung zur Berufsausübung im Kanton Zug thematisiert, sagt Spring – und meint das Vorweisen eines Meisterdiploms, da es einzelne Reklamationen über die Arbeitsqualität von Kaminfegern gegeben habe.

Schwyz und Zug sind an der Spitze

Mit den Vor- und Nachteilen von Kaminfegermonopolen hat sich kürzlich auch Avenir Suisse befasst. Die Stiftung engagiert sich für die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Entwicklung der Schweiz und bezeichnet sich als Denkfabrik. Sie kommt zum Schluss, dass Kaminfegermonopole Relikte sind, die abzuschaffen seien. Im Ranking schneiden Kantone mit möglichst wenig Vorschriften am besten ab. So belegen Schwyz und Zug, die keine Höchsttarife kennen, uneingeschränkt ausserkantonale Kaminfeger zulassen und keine Meisterprüfung verlangen, Platz eins. Dann folgen Uri, Zürich, Basel-Stadt und Schaffhausen, die höhere Anforderungen an die Berufsqualifikation stellen. Zur gleichen Gruppe gehört das Tessin, das einen Höchsttarif kennt.

Die beiden letzten Plätze in der Gruppe der Kantone mit einer liberalen Lösung gehören Obwalden und Glarus: Obwalden kennt einen Höchsttarif und verwehrt ausserkantonalen Kaminfegern den Marktzutritt; Glarus verlangt eine Meisterprüfung und lässt ebenfalls keine ausserkantonalen Kaminfeger zu.