MONTREUX: Die Krienser trotzen dem Echo

Blasmusik für alle Geschmäcker und welschen Charme – das Eidgenössische Musikfest bot von allem etwas. Nicht für alle Musiker aber waren die Bedingungen ideal.

Stephan Santschi, Montreux
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Die Harmoniemusik Kriens während ihrer Darbietung am Eidgenössischen Musikfest (links) und ein Musikant an der Grand Rue in Montreux. (Bilder Dominik Wunderli)

Die Harmoniemusik Kriens während ihrer Darbietung am Eidgenössischen Musikfest (links) und ein Musikant an der Grand Rue in Montreux. (Bilder Dominik Wunderli)

Stephan Santschi, Montreux

Es war ein Anlass der Superlative. 26 000 Teilnehmer in 556 Formationen massen sich an den letzten beiden Wochenenden in allen Kategorien der Blasmusik – davon 45 aus dem Kanton Luzern. So viele wie noch nie in der Historie des Eidgenössischen Musikfests, das alle fünf Jahre stattfindet. Die zwölf Wettspiellokale und die drei Parademusikstrecken verteilten sich zwischen Montreux und Vevey auf fünf Ortschaften, entsprechend aufwendig war die Logistik. In Montreux, dem Zentrum der Festivitäten, wo sich auch die Verpflegungsmeile mit den rund 50 Ständen, Bars und Restaurants befand, tummelten sich Musikanten wie Touristen der Grand Rue entlang – in Erwartung der Busse, die sie an die Spielstätte bringen sollten. «Was für ein Ghetto. Ich bin froh, bin ich nicht mit dem Auto hier reingefahren», sagte eine Frau während der Busfahrt zwischen Montreux und dem benachbarten Burier.

La Fanfare de Romont bei ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
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La Fanfare de Romont bei ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
La Fanfare de Romont bei ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey bei ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Rohrdorf während ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Rohrdorf während ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musik aus dem Kanton Luzern: Die Feldmusik Grosswangen in Aktion. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der Musikgesellschaft Schnottwil. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Rohrdorf bei ihrer Parade. Offensichtlich wurde diese etwas verregnet. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Die Harmonie Municipale de Monthey beim Spiel. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)
Musiker der MG Schuepfheim in Montreux. (Bild: LAURENT GILLIERON)

La Fanfare de Romont bei ihrer Parade. (Bild: LAURENT GILLIERON)

Burier. Der Ortsteil der Gemeinde La Tour-de-Peilz war Teil des Megaevents und illustrierte gleichzeitig, wie sehr die Organisatoren bei der Beschaffung von Schauplätzen an die Grenzen gehen mussten. Während etwa am letzten Samstag die besten Brassbands der Schweiz im legendären Auditorium Stravinski in Montreux vor Tausenden Zuschauern ihr Können zelebrierten, mussten sich die Vereine hier mit den Räumlichkeiten des lokalen Gymnasiums begnügen.

Überakustische Halle

Dazu zählte auch die Harmoniemusik Kriens. Nur ein paar Dutzend Leute verfolgten auf Klappstühlen deren Auftritt in der Turnhalle. «Herr Direktor, Sie haben eine Minute Zeit für eine Hörprobe», liess die Dame am Mikrofon verlauten. Dirigent Patrick Ottiger rannte von der Bühne zur Eingangstür, hörte sich seine Musiker an und verzog das Gesicht. Später erklärte er: «Wir machen Unterhaltungsmusik auf einem ­hohen Niveau mit präzisen Einsätzen und klaren Rhythmen. Dazu passt diese überakustische Halle nicht.» Nach dem Auftritt empfand er wegen der Echowirkung «kein unglaubliches, musikalisches Glücksgefühl». Den Erfolg liessen sich die Krienser aber nicht nehmen. Wie vor fünf Jahren in St. Gallen, als die Kategorie der Unterhaltungsmusik am Eidgenössischen eingeführt worden war, sicherten sie sich auf höchster Stufe den Sieg. Im Gegensatz zur Konzertmusik, die mit original-symphonischer Blasmusikliteratur aufwartet, werden bei der Unterhaltungsmusik Showelemente wie Gesang, Tanz oder Elektrogitarren-Soli eingebaut. Im Falle der Krienser drehte sich der Dirigent gar plötzlich dem Publikum zu und offenbarte seine stupenden Qualitäten an der Trompete – honoriert mit Szenenapplaus.

Zufriedener Ehrenveteran

So eklatant wie am ersten Wochenende waren die organisatorischen Mängel diesmal nicht mehr. Vom Chaos im Instrumentendepot war da die Rede gewesen, von fehlenden Guides und falsch gelotsten Formationen. «Alles top», vermeldete Ariane Brun (49) von der Brass Band Frohsinn Grosswangen, als sie mit ihrer Formation den Marsch über die Parademusikstrecke absolviert hatte. Pascal Näf, Trompeter der Feldmusik Menznau, befand: «Klar, hatten wir im Instrumentendepot etwas Platzmangel. Aber der Anlass hier ist so gross – da sollte man nicht zu viel jammern.» Die Absolution für den Veranstalter erteilte schliesslich Hans Bachmann: «Alles war gut.» Schliesslich weiss der 71-jährige Baritonspieler der Brass Band Schötz, wovon er spricht, der Ehrenveteran ist seit 55 Jahren im Geschäft. Nun erwägt er, kürzerzutreten. «Heute werden in der 2. Klasse Partituren gespielt, die man früher in der Höchstklasse fand. Es ist knallhart geworden.» Die jungen Leute würden schneller lernen. «Nur mit dem Herzen sind sie noch nicht so weit», bemerkte er schmunzelnd und hielt die Hand auf seine linke Brust.

Für die Herzen der Blasmusikanten war es auf jeden Fall ideal, das Eidgenössische an den Gestaden des Genfersees im Kanton Waadt. Das welsche Laisser-faire mag für Deutschschweizer ungewohnt sein, bekommt uns aber gewiss nicht schlecht. «Wenn man mit der richtigen Einstellung hinfährt und damit rechnet, dass organisatorisch nicht alles klappt, kann man diese rüüdig grosse Party an einem der schönsten Plätze der Schweiz geniessen», resümierte Patrick Ottiger. Auf ein Wiedersehen 2021 also. Wo, steht noch nicht fest.

Mehr Bilder zum Musikfest in Montreux finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder