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MONTREUX: Dominanz ohne Krönung

Die Brass Band Bürgermusik Luzern verpasst den Sieg in der Höchstklasse klar. Deren Flügelhorn-Spieler Lukas Scherrer hatte trotzdem Grund zur Freude.
Stephan Santschi, Montreux
Ganz nach vorne reichte es der Brass Band Bürgermusik Luzern an den Schweizer Meisterschaften der Blasmusik dieses Jahr nicht. Im Bild: der Dirigent Michael Bach (links), die Brass Band Rickenbach (oben) und die Jugend Brass Band Michelsamt. (Bilder Philippe Dutoit)

Ganz nach vorne reichte es der Brass Band Bürgermusik Luzern an den Schweizer Meisterschaften der Blasmusik dieses Jahr nicht. Im Bild: der Dirigent Michael Bach (links), die Brass Band Rickenbach (oben) und die Jugend Brass Band Michelsamt. (Bilder Philippe Dutoit)

Stephan Santschi, Montreux

«Fünfter Platz – Brass Band Bürgermusik Luzern.» Ein Raunen ging durch das Publikum im Auditorium Stravinski. Hier, im Kongresszentrum von Montreux, herrlich gelegen an den Gestaden des Lac Leman, fanden am Wochenende die Schweizer Meisterschaften der Blasmusik statt. Die Vertretung aus Luzern war dabei einer der grossen Favoriten auf den Titel in der Höchstklasse (Ausgabe vom Samstag). Sie hatten elf Mitbewerber in ihrer Kategorie. Doch den Titel verpasste der Schweizer Meister von 2013 und Europameister von 2014 deutlich. «Wir hatten die klare Erwartung, dass es zumindest auf das Podest reichen würde. Natürlich sind wir nun enttäuscht», versuchte Martin Zihlmann, der Manager der Luzerner, das Geschehene in Worte zu fassen.

Zum Verhängnis wurde dem Ensemble das Selbstwahlstück vom Sonntag, das gemeinsam mit dem vorgegebenen Stück, dem sogenannten Teststück vom Samstag, über die Klassierung entschied. Nur den siebten Platz gab es für die Darbietung des Stücks «Ascension», das man eigens für diesen Anlass hatte komponieren lassen, während man für das Teststück noch die drittbeste Note erhalten hatte. Mit «Ascension», das übersetzt «Aufstieg» bedeutet, stürzte man also förmlich ab. «Anscheinend hat es der Jury nicht gefallen, unsere Auswahl müssen wir deshalb sicher thematisieren. Denn der Auftritt war eigentlich reibungslos. Unmittelbar danach dachten wir noch: Ja, das wars!», sagte Zihlmann. Entsprechend laut war es in der Stravinski-Halle geworden, der Jubel der 2000 Zuschauer sorgte für Gänsehaut, eine Luzerner Fahne und Schals der Bürgermusik wurden geschwenkt.

Bester Solist und Sieger-Dirigent

Einer aus den Reihen der 25 Bläser und vier Schlagzeuger der Luzerner hatte trotzdem Grund zur Freude. Und dies gleich doppelt. Die Rede ist von Lukas Scherrer. Zum einen gewann er den Spezialpreis für die beste Solo-Leistung aller Teststücke. «Diese Auszeichnung ist natürlich eine grosse Ehre für mich nach 12 Jahren in der Höchstkategorie», sagte der 36-jährige Flügelhornspieler aus Dürrenäsch AG, der ursprünglich aus Zell stammt. Kurz davor hatte er sich sogar der kollektiven Euphorie hingeben können, als die Jugend Brass Band Michelsamt ihren Titel in der 3. Klasse erfolgreich verteidigt hatte. Scherrer ist der Dirigent dieses Orchesters, das er in den höchsten Tönen lobte: «Dieser Sieg ist eine tolle Sache für die jungen Leute, die sehr konzentriert und hart gearbeitet haben. In mir bleiben aber die gemischten Gefühle, weil ich mir mehr als diesen fünften Rang mit der Bürgermusik erhofft hatte.»

Wahrscheinlich Zuschauerrekord

Die Krönung aus Luzerner Sicht hat aufgrund des Abschneidens in der Höchstkategorie also gefehlt. Ansonsten waren die Luzerner aber sehr überzeugend. Nicht nur die Michelsämter gewannen ihre Kategorie. Bereits am Samstag hatte sich die Brass Band Musikgesellschaft Reiden in der 1. Klasse den zweiten Platz gesichert, die Ebikoner Brass Band Abinchova die 2. Kategorie gewonnen und die Hinterländer Jugend Brass Band die vierte Klasse für sich entschieden (siehe Kasten). Auch aus Sicht des Organisators, des Schweizerischen Brass Band Verbands, war der Anlass mit den rund 2000 Musikantinnen und Musikanten aus 62 Bands ein voller Erfolg. Dessen Präsidentin Ariane Brun aus Grosswangen hielt fest: «Ich bin einfach glücklich. Die Begeisterung der Leute ist ansteckend. Ich gehe davon aus, dass wir einen Zuschauerrekord verzeichnen können.»

Formation aus Reiden beendet ihre Durststrecke

ss. Am Samstag kamen die Luzerner gar nicht mehr aus dem Feiern heraus. Gleich drei Formationen sorgten mit ihren Auftritten für Furore. Den Anfang machte die Hinterländer Jugend Brass Band mit dem ersten Rang in der vierten und letzten Klasse. In der 1. Klasse, die hinter der Catégorie Excellence als zweithöchste Fähigkeitsstufe gilt, spielte sich derweil die Brass Band Musikgesellschaft Reiden auf den zweiten Platz. «Arme rauf und schreien», so schilderte Micha Hofer die Emotionen nach der Bekanntgabe des Topergebnisses. Der 25-jährige Vize-Präsident der Reidener, auf der Bühne mit dem vierten Solo-Cornet im Einsatz, spricht von einem fast perfekten Auftritt, von einem sensationellen Erfolg, der allerdings nicht ganz unerwartet gekommen sei. «Wir haben damit unseren zweiten Platz vom kantonalen Musikfest in Sempach bestätigen können.»

Letzter Podestplatz war 2009

Erstaunlich ist die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit. So gut wie gestern war man in Montreux nämlich noch gar nie platziert. Davor datierte der letzte Podestplatz aus dem Jahr 2009, 2014 war man gar nicht vor Ort. «Wir hatten eine Durststrecke, es hat nicht mehr gestimmt», erklärt Hofer und spricht damit den Wechsel des Dirigenten an. Neu figuriert der Berner Roland Fröscher in dieser Rolle, er folgte auf Reto Näf. «Fröscher brachte mit seiner extrem grossen Erfahrung Ruhe auf die Bühne. Mit seinen neuen Ideen sorgte er auch musikalisch für einen Aufschwung.» Von Näf habe man sich aber im Guten getrennt, nach zehn Jahren sei es einfach Zeit für einen Wechsel gewesen. Neben dem Dirigenten verfüge man zudem über neue Nachwuchsspieler, welche die nötige Qualität mitbrächten. «Es macht riesig Spass, der Zusammenhalt ist grossartig», sagt Hofer.

Ebikoner Risiko lohnt sich

Seit längerem an einer Erfolgstory bastelt derweil die Brass Band Abinchova. Genau genommen seit zehn Jahren und der Gründung im Jahr 2006. Nach der Premiere in der 4. Klasse arbeiteten sie sich in der 3. Klasse nach oben und gewannen auf dieser Stufe in den Jahren 2012 und 2013 in Montreux jeweils den Schweizer-Meister-Titel. Und gestern? Krallte sich das junge Ensemble aus Ebikon bei seinem erst zweiten Start in der 2. Klasse ebenfalls den ersten Rang. «Wahnsinn, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet», gesteht der 29-jährige Dirigent Gian Walker. «Wir liefen am Limit, letztlich ist alles perfekt gelaufen.» Es habe sich gelohnt, bei der Interpretation des vorgegebenen Teststücks ein gewisses Risiko einzugehen, «wir spielten schneller, um uns abzuheben».

Band entstand wegen Schnapsidee

Der dritte Titel in Montreux sorgt bei den Ebikonern aber nicht für ein Sättigungsgefühl. «Nach oben ist alles offen», sagt Walker, die 1. Klasse sei vorderhand aber schon noch eine andere Welt. Man wolle die konstante Arbeit, auf die der Erfolg der Vergangenheit zurückzuführen sei, beibehalten. «Es sind noch fast immer die gleichen Leute wie am Anfang dabei.» Entstanden sei übrigens alles aus einer «Schnapsidee» während eines Jugendmusiklagers. «Wir dachten über die Gründung einer Band nach, um nach Montreux fahren zu können. Ich sagte: Wenn wir das machen, bin ich der Dirigent.» Bleibt noch die Frage: Was bedeutet der Vereinsname Abinchova? Walker schafft Klarheit: «So hiess Ebikon, als es erstmals in der Luzerner Geschichte erwähnt worden war. Wir wollten keinen 08/15-Namen.»

Die Resultate

Höchstklasse: 1. Valaisia Brass Band (VS). 2. EC Valaisan (VS). 3. Brass Band Berner Oberland. Ferner: 5. Brass Band Bürgermusik Luzern. 12. Musikgesellschaft Risch-Rotkreuz.
1. Klasse: 1. Eglisau (ZH) 97 Punkte. 2. Brass Band Musikgesellschaft Reiden 96. 3. Fricktal (AG) 94. Ferner: 8. Brass Band Harmonie Neuenkirch 89. 10. Brass Band Schötz und Brass Band Rickenbach beide 88. 14. Brass Band Kirchenmusik Flühli 86. 15. Feldmusik Knutwil 85.
2. Klasse: 1. Brass Band Abinchova (Ebikon) 95 Punkte. 2. Brass Band 43 (FR) 94. 3. Flaach (ZH) 93. Ferner: 4. BML Talents 92. 8. Brass Band Feldmusik Escholzmatt 87. 12. Musikgesellschaft Sörenberg 83. 13. Brass Band Harmonie Rickenbach 82.
3. Klasse: 1. Jugend Brass Band Michelsamt 97 Punkte. 2. Brass Band Zürich 95. 3. EC Jurassien B 93.
4. Klasse: 1. Hinterländer Jugend Brass Band 94 Punkte. Ferner: 4. Entlebucher Jugend Brass Band 89. 6. Jugend Brass Band Neuenkirch 87. Mehr Informationen zu den Ranglisten finden Sie unter www.sbbv.ch

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