MONTREUX: Jubelschreie und auch lange Gesichter

Beim 40. Brass-Band-Wettbewerb vermochten nicht alle Luzerner ganz zu überzeugen. Dennoch bleibt das Festival den meisten als einzigartig in Erinnerung.

Roger Rüegger
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Die Brass Band Bürgermusik Luzern während ihres Auftritts in Montreux. (Bild: Philippe Dutoit)

Die Brass Band Bürgermusik Luzern während ihres Auftritts in Montreux. (Bild: Philippe Dutoit)

Roger Rüegger

Die Rangverkündigung gestern Abend bewegte die Gemüter der Luzerner Bands. Aber auf unterschiedliche Weise. Während die Jugend Brass Band Michelsamt nicht unbedingt damit gerechnet hatte, als Sieger der 3. Klasse ausgerufen zu werden und deshalb den Saal des Auditoriums Strawinski zum Beben brachte –, nahm der Titelverteidiger der Höchstklasse, die Brass Band Bürgermusik Luzern, ihren 4. Rang mit versteinerten Gesichtern zur Kenntnis. «Das kommt für uns überraschend. Vor allem, weil wir beim Selbstwahlstück gewonnen haben», sagt der sichtlich enttäuschte Dirigent Michael Bach. Beim Aufgabestück erreichten sie nur Rang 6.

Kein Sieg, trotzdem zufrieden

Ebenfalls nicht auf die vordersten Plätze schafften es die Luzerner Formationen in der 1. Klasse. Die Brass Band Kirchenmusik Flühli belegte als beste Luzerner Band den 5. Platz mit 94 von 100 Punkten. Dirigent Armin Renggli freuts dennoch. «Wir sind nur vier Punkte hinter der siegreichen Regional Brass Band Bern. Wir sind voll dabei und daher sehr zufrieden.» Die Entlebucher hätten Ambitionen und gingen nie nach Montreux, um nur dabei zu sein, sagt Renggli. «Unser Ziel ist eine Platzierung im ersten Viertel. Das haben wir erreicht.»

Die Brass Band Rickenbach, die zum letzten Mal unter der Leitung des Sempachers Corsin Tuor in Montreux antrat, belegte den 6. Rang eine leichte Enttäuschung. «Wir haben uns schon etwas mehr erhofft», so der Dirigent, der in der Höchstklasse mit der Brass Band Berner Oberland dafür den 3. Rang belegte. Das wiederum freute ihn und sein Ensemble so, dass sie in Jubelgesänge ausbrachen. Der 40. Schweizerische Brass-Band-Wettbewerb sei ein Höhepunkt in der Schweizer Brass-Geschichte, betont Tuor. «Dass in fünf Klassen Stücke gespielt werden, die eigens für den Wettbewerb von Schweizer Komponisten geschrieben wurden, ist einzigartig.»

Das Stück für die 1. Klasse mit dem Titel «A Lenda Do Curupira» stammt aus der Feder von Stephan Hodel (41). Der in Grosswangen aufgewachsene Komponist lebt seit zehn Jahren mit einer Brasilianerin in London. «Das Stück handelt vom brasilianischen Fabelwesen Curupira. Dieses geht der Legende nach gegen Umweltsünder vor», erklärt Hodel, der für den Wettbewerb anreiste. Das Stück sei für Brasser eher ungewohnt, da es Passagen mit Samba-Elementen enthalte.

Enttäuschte Knutwiler

Nicht wunschgemäss schnitt die Feldmusik Knutwil unter Dirigent Gian Stecher ab. Mit 83 Punkten belegten die jungen Luzerner gemeinsam mit der Oberwalliser Brass Band A den letzten Platz. «Wir hättens besser gekonnt. Doch wir leisteten uns zu viele individuelle Fehler. Es war eine der schlechteren Versionen von uns. Aber das ist halt bei Wettbewerben. Für die Musiker ist das eine gute Erfahrung», sagt Stecher.

In der 2. Klasse belegten die Luzerner Brass Bands Harmonie Rickenbach, Abinchova und Feldmusik Escholzmatt Rang 6 bis 8. Die Band aus Ebikon (Abinchova) gewann letztes Jahr in der 3. Klasse und fand mit der Jugend Brass Band Michelsamt einen Luzerner Nachfolger. «Letztes Jahr wurden wir Zweite. Aufs Podest wollten wir zwar, dass es aber zum Sieg reichte, ist richtig cool. Das werden wir feiern», so Dirigent Lukas Scherrer.

Auch in der 4. Klasse gewannen Luzerner. Die Jugend Brass Band Neuenkirch siegte vor der Entlebucher und der Hinterländer Jugend Brass Band. Die Präsidentin des Schweizerischen Brass Band Verbands, Ariane Brun aus Grosswangen, war begeistert von der Darbietung der 57 Bands. «Wenn ich die Qualität der Musik und den Jubel der Besucher höre, weiss ich, warum ich mich engagiere.» An beiden Tagen waren je 2000 Besucher anwesend. Über die Platzierung sagt Brun: «Die darf man nicht überbewerten. Das Niveau in Montreux ist hoch, die Stücke schwer. Alle Bands haben hart gearbeitet.»

Grosse Sieger waren am Wochenende auch die BML Talents. Sie waren für einmal nicht in Montreux. Dafür machten sie mit dem Sieg in der TV-Show «Kampf der Orchester» beste Werbung für die Brass-, Blas- und Jugendmusik (mehr dazu Seite 36).

Die Rangliste

13 Luzerner Brass Bands haben vergangenes Wochenende am 40. Schweizerischen Brass-Band-Wettbewerb teilgenommen. Hier finden Sie die Rangliste mit der erstplatzierten Formation jeder Klasse und die Ränge der Luzerner:
Höchstklasse
Aufgabestück «A Voice In Them», Oliver Waespi: 1. Brass Band Treize Etoiles, James Gourlay. 4. Brass Band Bürgermusik Luzern (Michael Bach).
1. Klasse
Aufgabestück «A Lenda Do Curupira», Stephan Hodel: 1. Regional Brass Band Bern (Vincent Baroni). 5. Brass Band Kirchenmusik Flühli (Armin Renggli). 6. Brass Band Rickenbach (Corsin Tuor). 10. Brass Band Harmonie Neuenkirch (Christoph Bangerter). 12. Brass Band Schötz (Peter Stadelmann). 17. Feldmusik Knutwil (Gian Stecher).
2. Klasse
Aufgabestück «The Son Of Light», Bertrand Moren: 1. RosAlp Brass Band (David Bonvin). 6. Brass Band Harmonie Rickenbach (Lukas Scherrer). 7. Brass Band Abinchova (Gian Walker). 8. Brass Band Feldmusik Escholzmatt (Roger Müller).
3. Klasse
Aufgabestück «Cha das caldeiras», Pierre Schmiedhäusler: 1. Jugend Brass Band Michelsamt (Lukas Scherrer).
4. Klasse
Aufgabestück «Flow!», Mario Bürki: 1. Jugend Brass Band Neuenkirch (Christoph Bangerter). 2. Entlebucher Jugend Brass Band (Mario Schubiger). 3. Hinterländer Jugend Brass Band (Luca Frischknecht).

Die Brass Band Rickenbach (oben) beim Proben (Bild: Philippe Dutoit)

Die Brass Band Rickenbach (oben) beim Proben (Bild: Philippe Dutoit)