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«Motten-Gift» im Schulzimmer bereitet Luzerner Behörden Kopfzerbrechen

In der Region Luzern häuften sich in den letzten Jahren Probleme mit Naphthalin in Schulhäusern. Die Krux dabei: Der Giftstoff lässt sich nicht so einfach dingfest machen.
Robert Knobel
Leer geräumt: Die Schulzimmer im Schulhaus Höfli in Ebikon dürfen nicht mehr benutzt werden, weil die Naphthalinwerte in der Raumluft zu hoch sind. (Bild Pius Amrein, 6. Juli 2018)

Leer geräumt: Die Schulzimmer im Schulhaus Höfli in Ebikon dürfen nicht mehr benutzt werden, weil die Naphthalinwerte in der Raumluft zu hoch sind. (Bild Pius Amrein, 6. Juli 2018)

Naphthalin, ein aromatischer Kohlenwasserstoff, der nach Mottenkugeln riecht, ist der Albtraum vieler Baubehörden. Im früheren Schulhaus Staffeln in Reussbühl klagten Lehrpersonen und Schüler während Jahren über unerklärliche gesundheitliche Symptome. Tatsächlich wurden im Schulgebäude unter anderem erhöhte Werte von Naphthalin gemessen. Da sämtliche Sanierungsversuche keinen Erfolg brachten, entschied der Stadtrat 2015, das Schulhaus abzureissen und neu zu bauen.

Ein ähnliches Schicksal blüht dem Schulhaus Höfli in Ebikon. Weil die Naphthalin-Grenzwerte überschritten werden, mussten die Schüler kürzlich in ein Container-Provisorium umziehen. Das Schulhaus steht seither leer und wird später möglicherweise abgerissen. (Wir berichteten am 13. August 2018.)

Um Naphthalin dreht sich auch die Kontroverse um das Grenzhof-Schulhaus in Littau. Auch dort steht ein Teil der Schulanlage leer, weil die Grenzwerte überschritten werden. Der Stadtrat will das Schulhaus abreissen, doch Architektenverbände und die kantonale Dienststelle für Hochschulbildung und Kultur wollen das Gebäude unter Denkmalschutz stellen. (Wir berichteten am 20. September 2018.)

Kriens überprüfte 2018 alte Schulhäuser

Den drei Beispielen ist gemeinsam, dass die betreffenden Schulhäuser zwischen 1950 und 1980 gebaut wurden. In dieser Zeit wurden oft naphthalinhaltige Teerstoffe beim Bauen verwendet, beispielsweise auf den Unterlagsböden. Und ausgerechnet in dieser Zeitspanne wurden auch zahlreiche Schulhäuser neu gebaut. So etwa in Kriens die Schulhäuser Amlehn (1968), Meiersmatt (1972) und Roggern (1974). Das Thema Gebäudeschadstoffe werde in Kriens «sehr ernst genommen», wie der für Immobilien zuständige Gemeinderat Franco Faé (CVP) betont.

So habe man zwischen 2009 und 2012 eine Bestandesaufnahme von Krienser Schulanlagen gemacht. Dabei konnte etwa festgestellt werden, dass im Schulhaus Roggern kein Handlungsbedarf besteht. Für die Schulanlagen Bleiche, Grossfeld, Meiersmatt und Obernau wurden in diesem Jahr Bestandesaufnahmen veranlasst. Die Resultate sollen 2019 vorliegen, wie Franco Faé sagt. Die übrigen Krienser Schulhäuser wurden in den letzten Jahren saniert und sind gemäss Faé schadstofffrei.

«Es gibt keine Garantie, dass eine Sanierung das Naphthalin-Problem lösen kann.»

Allerdings bedeutet eine Sanierung nicht immer, dass das Naphthalin-Problem aus der Welt geschafft ist. In der Stadt Bern wurde beispielsweise ein grosses Schulhaus totalsaniert. Dennoch wären die Naphthalinwerte weiterhin zu hoch, würde nicht eine besonders starke Lüftung für Abhilfe sorgen. Oftmals ist der Giftstoff nämlich derart mit der Tragstruktur des Gebäudes verbunden, dass er sich selbst mit aufwendigen Massnahmen nicht vollständig entfernen lässt.

Genau deshalb ist der Luzerner Stadtrat äusserst skeptisch, ob das Grenzhof-Schulhaus mit vernünftigem Aufwand saniert werden könnte. Es gebe keine Garantie, dass eine Sanierung das Naphthalin-Problem vollständig lösen kann, sagt Marko Virant, Leiter Immobilien bei der Stadt Luzern. Der Grenzhof ist zudem das beste Beispiel dafür, dass einmalige Luftmessungen keine Garantie für eine dauerhafte Einhaltung der Grenzwerte sind.

Problem taucht oft erst nach Jahrzehnten auf

Gemäss Marko Virant wurde das Grenzhof-Schulhaus schon seit längerem regelmässig auf Schadstoffe kontrolliert. «Die Messungen zeigten stets tolerierbare Werte. Doch in diesem Jahr sind sie plötzlich angestiegen», erklärt Virant. Eine plausible Erklärung dafür gibt es nicht. Möglich ist beispielsweise, dass die Naphthalin-Dämpfe im Laufe der Jahrzehnte durch die Böden dringen und irgendwann in grösseren Mengen austreten.

Marko Virant sagt, dass die Stadt Luzern keine flächendeckenden Überprüfungen sämtlicher Gebäude aus der «kritischen» Epoche durchführt. «Wir schauen nur dann genauer hin, wenn konkrete Hinweise oder ein Verdacht bestehen.» Beim Grenzhof sei dies der Fall gewesen, weshalb man schon seit Jahren regelmässige Messungen durchgeführt habe. Gleichzeitig warnt Virant vor Panik. Denn der Giftstoff Naphthalin wurde längst nicht in allen Bauten verwendet. Oft sei auch nicht das ganze Gebäude betroffen, sondern nur einzelne Räume. Dies ist ebenfalls beim Grenzhof der Fall, wo ein Teil der Schulanlage weiterhin benutzt werden kann.

Sanierung in Ebikon machte es schlimmer

In der Gemeinde Emmen gibt es im Moment noch zwei Schulanlagen aus jener Zeit, die noch nie umfassend saniert wurden: Rüeggisingen und Hübeli. In beiden Fällen wurden aber bereits Teile der Anlagen saniert. «Da dort keine Schadstoffe gefunden wurden, ist es unwahrscheinlich, dass es in den verbleibenden Gebäuden böse Überraschungen geben wird», sagt Bruno Odermatt, Leiter Immobilien bei der Gemeinde Emmen.

Allerdings zeigt das Beispiel Ebikon, dass eine Sanierung das Problem sogar verstärken beziehungsweise erst auslösen kann. Das Schulhaus Höfli gab nämlich nie Anlass zu Klagen – bis es in den Jahren zwischen 2008 und 2014 saniert wurde. Erst dann wurden zunehmend schlechte Gerüche wahrgenommen. Offenbar waren die Originalböden derart gut versiegelt, dass kein Naphthalin an die Oberfläche gelangen konnte. Mit dem Ersatz der Böden traten dann die Probleme auf.

Emmen rüstet sich für den nächsten Giftstoff

Naphthalin ist längst nicht der einzige Gebäudeschadstoff, mit dem sich Behörden herumschlagen müssen. In naher Zukunft könnte sogar ein Stoff in den Fokus rücken, für den die Bauherren nichts können: Das Edelgas Radon tritt natürlicherweise aus dem Boden aus und ist gesundheitsschädlich.

Die Kantone sind seit 2018 verpflichtet, systematische Radon-Messungen in Schulhäusern durchzuführen. Dort, wo die Werte zu hoch sind, muss saniert werden. Die Gemeinden würden von der Dienststelle Umwelt und Energie «zu gegebener Zeit zu einer Messung aufgefordert», heisst es auf der Homepage des Kantons Luzern.

Auch in der Gemeinde Emmen rüstet man sich für entsprechende Analysen, wie Bruno Odermatt sagt. Man werde dies zum Anlass nehmen, die Gebäude gleich nochmals einer allgemeinen Schadstoff-Überprüfung zu unterziehen.

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