MÜSWANGEN/HITZKIRCH: Eine Genossenschaft soll das Dorflädeli retten

Der Dorfladen in Müswangen hat in den vergangenen Jahren immer rote Zahlen geschrieben. Jetzt soll ein neues Modell Abhilfe schaffen, um die einzige Einkaufsmöglichkeit im Dorf zu retten.

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Müswangen von oben. (Bild mapsearch.ch)

Müswangen von oben. (Bild mapsearch.ch)

Die Einwohnergemeinde Müswangen hat im Jahr 2004 den Dorfladen inklusive der angegliederten 3½-Zimmer- Wohnung im Gebäude Dorfstrasse 8 gekauft und den Laden im 460-Seelen-Dorf auf 810 Metern über Meer seither auf eigene Rechnung betrieben. Doch die Rentabilität liess zu wünschen übrig: 40'000 Franken beträgt momentan das Defizit, wie das «DRS Regionaljournal Zentralschweiz» meldet.

Höheren Preis bachab geschickt
Vor rund einem Jahr sei es deshalb beinahe zum Aus gekommen: Die Stimmbürger in der fusionierten Gemeinde Hitzkirch haben dem Gemeinderat den Auftrag gegeben, die Lokalität zu verkaufen. Gemeinderätin Luzia Ineichen hat nach einer anderen Lösung gesucht – die jetzt zustande gekommen ist. An der Gemeindeversammlung vom (gestrigen) Dienstagabend wurde dem Vorhaben grossmehrheitlich zugestimmt, den maroden Dorfladen zum Preis von 350?000 Franken an die neu gegründete Genossenschaft Dorfladen Müswangen zu verkaufen. Der Antrag, dafür 420'000 Franken zu verlangen, wurde abgelehnt.

«Zuerst rote, dann schwarze Null»
Die Ex-Gemeinderätin Verena Ottiger-Hediger, neben Ineichen und Peter J. Müller Mitglied der Verwaltung der Genossenschaft, hofft, dass nun bessere Zeiten bevorstehen: «Wir arbeiten mit Sparmassnahmen daran, dass wir auf eine rote Null und später auf eine schwarze Null kommen – und vielleicht können wir mit der Zeit auch einen Gewinn ausweisen», wie sie gegenüber dem «Regionaljournal» ausführt. Die Solidarität der Bevölkerung – auch der Hitzkircher – sei gross: Bislang sind für rund 66'000 Franken Anteilscheine gezeichnet worden. Nun seien Ideen gefragt – die Möglichkeit eines Hauslieferdienst oder Geschenkkörbe sind im Gespräch –, um das Geschäft anzukurbeln.

Kreativität um zu überleben
Ideen braucht es auch in der 650-Einwohner-Gemeinde Schlierbach über dem Luzerner Surental, damit der einzige Dorfladen überleben kann. «Der Laden alleine reicht nicht für eine Existenz», sagt Detaillist Philipp Arnold (30). Deshalb setzt er schon seit längerem mit einem Getränkehauslieferdienst und einem Festservice auf zwei zusätzliche Standbeine. Jetzt ist ein unkonventionelles viertes Standbein mit einer nationalen Dimension dazugekommen: Wer Rekruten, Soldaten oder Offizieren ein «Frässpäckli» ins Militär schicken will, kann dies seit Anfang Oktober online über den Schlierbacher Dorfladen tun.

scd/HRW