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MUSEGGMAUER: «Öffnung würde Luegislandturm zerstören»

Der älteste Museggturm in Luzern ist nicht öffentlich zugänglich. Unsere Zeitung konnte ihn trotzdem exklusiv in Augenschein ­nehmen.
Eindrücke aus dem Innern des Luegislandturms, der in Richtung Stadt offen ist (Bild links). Rechts: Kantonsarchäologe Jürg Manser im Dachstuhl. (Bilder Pius Amrein)

Eindrücke aus dem Innern des Luegislandturms, der in Richtung Stadt offen ist (Bild links). Rechts: Kantonsarchäologe Jürg Manser im Dachstuhl. (Bilder Pius Amrein)

Der Luegisland-Turm der Museggmauer ist der einzige, nicht öffentlich zugängliche Turm der Museggmauer. Blick aus dem Luegislandturm auf den Wachtturm. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Seine Höhe beträgt 53 Meter. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Luegislandturm wurde 1367 erbaut. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2002 wurde er saniert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Luegislandturm gehört zum ältesten Teil der Mauer und diente anfänglich als Wachtturm. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der jeweilige Wächter war für die Feuerwache zuständig,... (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
... aber auch für den Stundenschlag. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ab 1874 diente er der Wasserversorgung – es wurde eine Brunnenstube mit Reservoir eingebaut, die 1924 modernisiert wurde. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Kantonsarchäologe Jürg Manser im Luegislandturm. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Heute verläuft unter dem Turm eine Hochdruckleitung der städtischen Wasserversorgung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
«Im Innern sieht der Luegislandtrum noch genau so aus, wie ihn die Handwerker im 14. Jahrhundert zurückgelassen haben», erklärt Kantonsarchäologe Jürg Manser. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
«Er ist ein einzigartiger Zeitzeuge, ein Stück Mittelalter in Luzern. Würde man ihn begehbar machen, müsste man das historische Dokument zerstören.» (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Blick vom Luegislandturm auf die Stadt Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Luegislandturm (Mitte), flankiert vom Männliturm (links) und dem Wachtturm. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
14 Bilder

Exklusiver Einblick in Luegislandturm

Durch den Garten eines Anwohners oder über die Museggmauer auf einem Steg ohne Geländer: Das sind die beiden Zugänge zum Luegislandturm. Über Letzteren betreten wir ihn, für Sicherheitsgefühl sorgt lediglich ein Drahtseil, an dem man sich festhalten kann. Eine Leiter führt ins Innere des Turms. Hier steht man zwar sicher, dafür stinkt es modrig, und der Boden ist übersät mit Staub und Blättern. «Das kommt davon, dass der Turm auf einer Seite offen ist. Wind und Wetter hinterlassen ihre Spuren», sagt der Luzerner Kantonsarchäologe Jürg Manser, der uns durch das historische Bauwerk führt.

Mittelalterfeeling und Aussicht

Der Luegislandturm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich (Ausgabe vom 29. August). Die Führung für unsere Zeitung ist eine absolute Ausnahme. Die Abschottung des Turms ist für viele ein Reizthema. Warum ist es nicht möglich, diesen zu besichtigen? Die Privatsphäre der Anwohner, der Aufwand für eine Begehbarmachung und mangelnde Sicherheit für Besucher sind eher nebensächliche Gründe. Allen voran ist es der Denkmalcharakter, der den Turm zum Einsiedler macht. «Im Innern sieht er noch genau so aus, wie ihn die Handwerker im 14. Jahrhundert zurückgelassen haben», erklärt Manser. «Er ist ein einzigartiger Zeitzeuge, ein Stück Mittelalter in Luzern. Würde man ihn begehbar machen, müsste man das historische Dokument zerstören.»

Das erstaunt auf den ersten Blick, denn der Luegislandturm ist – abgesehen von Treppen, Böden und Dachstuhl – absolut leer. Der Laie kann dem verwitterten Holz und den rohen Steinmauern wenig mehr abgewinnen als das Mittelalterfeeling und die grandiose Aussicht, die allerdings nicht viel anders ist als vom Männliturm. Ohne Führung würde man die Einzigartigkeit des Turms nicht erkennen. So hätte die Zugänglichkeit wenig Mehrwert im Vergleich zu den bereits geöffneten Türmen.

Laut Manser ist gerade das Unspektakuläre das Sensationelle an diesem Turm: So stammen Maueroberfläche, Holzböden und Treppen fast vollständig aus der Zeit der Errichtung. Die Treppen aus keilförmigen Holzbalken, die mit Holznägeln befestigt sind, seien typisch für die Zeit und sollten deshalb erhalten bleiben. In den Mauern sind sogar Balken des mittelalterlichen Baugerüsts erhalten, die aus der Wand ragen. «Es ist ein absolutes Glück, dass diese noch vorhanden sind. Ich habe das bisher nirgends sonst gesehen», schwärmt Manser. Wahrscheinlich seien sie stehen gelassen worden, weil die Ästhetik der Innenräume bei einem Befestigungsbau keine Rolle spielte. Für Archäologen sind die Gerüsthölzer zur Datierung des Bauwerks hilfreich, und man kann daran nachvollziehen, wie solche Türme im Mittelalter gebaut wurden.

Mit Webcam hineinschauen

An der ursprünglichen Innenausstattung liegt es denn auch, dass der Tourismus im Luegislandturm keinen Platz hat. Denn das Holz ist verwittert. Es trägt zwar eine kleine Menschengruppe, die sich vorsichtig fortbewegt, nicht aber grosse Massen. Aus Sicherheitsgründen müsste man die alten Balken und Treppen ersetzen. Manser: «Das würde den Zeugniswert des Turms zerstören.»

Dennoch soll der Luegislandturm erlebbar werden. In den nächsten Jahren werde ein Vermittlungskonzept erarbeiten. So soll es etwa möglich sein, mittels QR-Code und Webcam in den Turm hineinzuschauen.

1367 erbaut, ist der 53 Meter hohe Luegislandturm der älteste und höchste Museggturm. Dass er zur Stadtseite hin geöffnet ist, verleiht ihm ein besonderes Erscheinungsbild. «Es handelt sich um einen Schalenturm», erklärt Manser, «eine typische Bauweise im Mittelalter.» Diese hatte den Vorteil, dass damit Material gespart wurde und der Turm im Fall einer Eroberung durch den Feind von der Stadt her angegriffen werden konnte. Der Luegislandturm wurde bis 1768 von der Brandwache genutzt, bevor diese in den Wachturm umzog. Seither steht der Turm leer.


Beatrice Vogel

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