MUSEGGMAUER: Tourist im Männliturm eingesperrt

Schreckminuten in einem Luzerner Wahrzeichen: Der Turmwart übersah einen Besucher.

Hugo Bischof
Drucken
Teilen
Der Männliturm. (Archivbild Neue LZ)

Der Männliturm. (Archivbild Neue LZ)

Die Anwohnerin eines Hauses an der Museggmauer staunte nicht schlecht, als sie auf ihrem Balkon stand und jemanden auf Englisch um Hilfe rufen hörte. Die Rufe kamen vom Männliturm her. «Everything is closed, I cannot leave the tower» (Alles ist geschlossen, ich komme nicht aus dem Turm raus), rief der Mann, offensichtlich ein amerikanischer Tourist. Es war 19.30 Uhr – eine halbe Stunde nach der offiziellen Schliessungszeit der Museggtürme. Der Mann war im Turm eingeschlossen.

«Er hatte schon seinen Kopf zwischen den spitzigen Bretterzaun und den Stacheldraht gezwängt, mit dem der Treppenaufgang im Süden abgesperrt ist, um irgendwie herauszukommen«, erzählt die Anwohnerin. «Ich bot an, ihm einen Snack und etwas zum Trinken hinüberzuwerfen.» Dann habe sie der Polizei. telefoniert. Diese reagierte schnell. «In wenigen Minuten war jemand da, der den Männliturm wieder öffnete; und der US-Tourist war wieder frei.»

Turmwart hereingelegt?

Ende gut, alles gut also. Doch wie konnte das passieren? Im Auftrag der Stadt verantwortlich für die allmorgendliche Öffnung und allabendliche Schliessung der vier öffentlich zugänglichen Museggtürme (Männli, Wacht, Zyt, Schirmer) ist Walter Fassbind, Betreiber des Bauernhofs auf Musegg. An den Vorfall am kühlen Abend im Juni erinnert er sich gut. «Ich stieg wie gewohnt etwa um 19 Uhr die steile Treppe zum Männliturm hinauf. Auf halbem Weg kamen mir zwei Touristen von oben her entgegen.» Diese hätten ihm versichert, dass sich oben niemand mehr aufhalte, worauf er wieder nach unten ging und den Turm abschloss. «Entweder wollten die beiden Touristen mich hereinlegen, oder dann haben sie den Amerikaner tatsächlich übersehen», so der Musegg-Turmwart.

Als ihn die von der Anwohnerin avisierte Polizei anrief, habe er sich sofort nochmals zum Männliturm aufgemacht und den US-Touristen aus seiner misslichen Lage befreit: «Ich wohne schliesslich keine zwei Minuten entfernt.»

Dass Touristen versehentlich in einem Museggturm eingeschlossen werden, komme «höchstens einmal pro Jahr» vor, so Fassbind. Er bedauert den Vorfall, betont aber: «Der Amerikaner war mir überhaupt nicht böse.»

Liebespaar in flagranti ertappt

Vier der neun Museggtürme (Männli, Wacht, Zyt, Schirmer) sind von Karfreitag bis Allerheiligen täglich von 8 bis 19 Uhr frei begehbar. Fassbind hat es dabei mit vielerlei Touristen zu tun: «Einige weigern sich, die Türme zu verlassen, wenn ich abends mit meinen Schlüsseln anrücke; so sehr geniessen sie den Ausblick.» Er lasse die Türme dann manchmal ausnahmsweise etwas länger offen; aber irgendwann müsse er auf der Schliessung bestehen: «Dann fällt schon ab und zu ein härteres Wort.»

Fassbind hat auch schon ganz andere Geschichten erlebt: «Einmal ertappte ich, ohne es zu wollen, auf einem Museggturm ein Paar in flagranti im Liebesakt – das war eher peinlich.»