MUSEUM: Seit 700 Jahren schützt die Feuerwehr die Stadt Luzern

Die Feuerwehr der Stadt Luzern gibt es seit 700 Jahren. Gestern gab sie Einblick in ihr Schaffen – und sorgte für Erstaunen.

Christian Hodel
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Ehemalige Feuerwehrmänner bedienen eine Handdruckspritze aus dem Jahr 1909. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)

Ehemalige Feuerwehrmänner bedienen eine Handdruckspritze aus dem Jahr 1909. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)

Wasser marsch! Zwei Feuerwehrleute stürmen vor dem historischen Museum einen Lastwagen. Ein Container steht darauf – Rauch strömt heraus. Einer der Feuerwehrmänner öffnet die Türe, der andere spritzt Wasser hinein. Nach wenigen Sekunden ist das Feuer gelöscht, die Zuschauer applaudieren.

Anlage kostet eine Million Franken

Die auf dem Lastwagen aufgebaute Brandsimulationsanlage gehört der Gebäudeversicherung Luzern und Aargau und dient pro Jahr 2000 Feuerwehrleuten zum Trainieren. In der rund eine Million Franken teuren Anlage simulieren sie Brände. Sechs Brandstellen können sie per Knopfdruck entzünden – mal brennt ein Kochherd, mal die eingebaute Wendeltreppe, ein Bett oder die Wand.

Gestern sahen anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Feuerwehr der Stadt Luzern Hunderte von Interessierte dem Training vor dem historischen Museum in Luzern zu. Sie liessen sich den Ablauf eines Brandeinsatzes erklären, erhielten in einer Ausstellung Einblick in die Geschichte der Feuerwehr.

«Ausrüstung sieht einfach gut aus»

Es sei die Vielseitigkeit der Einsätze, warum er von der Feuerwehr fasziniert sei, sagt Klaus Flury (38). Der Oberleutnant der Stützpunktfeuerwehr Stans besuchte mit seiner Frau Michelle (37) und den Buben Yanic (5) und Jonas (2?) das Erlebniswochenende im historischen Museum, das bis heute 17 Uhr andauert. Yanic sagt: «Ich will auch mal Feuerwehrmann werden wie mein Daddy.» Anders als der Vater hat der Junior aber einen anderen Beweggrund: «Die Ausrüstung und der Helm sehen einfach gut aus.» Gut 20 Kilogramm sei die Brandschutzausrüstung eines Feuerwehrmannes schwer, sagt Beat Muntwyler, Betriebsleiter Mobile Brandsimulationsanlagen der Gebäudeversicherung Luzern. Vor einigen Jahren war die Montur noch deutlich schwerer.

Geändert habe sich seit der ersten Feuerwehr in Luzern anno 1315 einiges, sagt Muntwyler. Nicht nur bei der Ausrüstung und den Geräten. «Früher hat man bei der Brandbekämpfung Wasser ‹reingekoselt›. Heute nimmt man nur so viel wie nötig, um Wasserschäden an den Gebäuden zu verhindern.»

Pferde zogen den Löschwagen

Wie die Brandbekämpfung Anfang des vergangenen Jahrhunderts vor sich ging, zeigten gestern Mitglieder des Feuerwehrvereins Littau-Stadt Luzern, die historische Feuerwehrgeräte unterhalten. Sie bedienten eine Handdruckspritze aus dem Jahr 1909. Von Pferden wurde diese einst zum Brandort gezogen, 16 Mann pumpten das Wasser aus dem Schlauch – rund 600 Liter pro Minute.

Eine moderne Motorspritze schaffe in gleicher Zeit wohl die dreifache Menge, sagt Hans Koller (88) aus Reussbühl. 30 Jahre lang, von 1951 bis 1981, war er in der lokalen Feuerwehr, gegen 100 Einsätze machte er mit. «Die Feuerwehr lässt mich auch heute nicht los», sagt er und erzählt von seinen Einsätzen und den alten Geräten. Ein Utensil aus dem vergangenen Jahrtausend beeindruckt ihn besonders. «1890 hat die Stadt Luzern eine Dampfspritze angeschafft», sagt Koller. Bevor diese gebraucht werden konnte, musste sie zuerst mit Holz eingefeuert werden. Erst nach gut einer Stunde Warten konnte der Kommandant seinen Mannen dann den Befehl erteilen: «Wasser marsch!»

Impressionen: Mehr Bilder finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder