MUSEUM: Streit um Angy Burri geht weiter

Ob das Angy-Burri-Museum kommt, bleibt unklar. Zwischen der dafür gegründeten IG und den Nachkommen des verstorbenen «Stadtindianers» herrscht dicke Luft.

Dominik Weingartner
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Versteigerung von Gegenständen des verstorbenen Angy Burri am 4. Oktober in Werthenstein. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Versteigerung von Gegenständen des verstorbenen Angy Burri am 4. Oktober in Werthenstein. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Versteigerung von Gitarren und Mischpulten aus dem Nachlass von Angy Burri vor einer Woche verlief nicht so, wie sich die Organisatoren das vorgestellt hatten (Ausgabe vom 6. Oktober). Erstens wurden nicht alle zum Verkauf angebotenen Gitarren verkauft. Zweitens äusserten Familienmitglieder und ein Bandkollege des Ende 2013 verstorbenen Luzerner «Stadtindianers» Kritik an der Veranstaltung.

Klar ist: Zwischen der«Interessengruppe zur Betreuung der Sammlung von Angy Burri» und einigen von Burris Angehörigen herrscht dicke Luft. Die Versteigerung fand auf der Cowboy Coffee Ranch I in Werthenstein statt.

«Er war für mich wie ein Vater»

Nachdem die Familie das Erbe aufgrund der hohen Schulden Angy Burris ausgeschlagen hatte, kaufte die IG den Nachlass und will daraus nun ein Museum machen (siehe Kasten). Die Kuratorin dieses geplanten Museums ist Susanne Ineichen. Sie bezeichnet sich auf Anfrage als «Seelenverwandte» von Angy Burri. «Er war für mich wie ein Vater; ich war viel mit ihm unterwegs», fügt sie hinzu. Einige Familienmitglieder hätten das nicht akzeptieren können. «Ich habe darum schon im Vorfeld der Versteigerung damit gerechnet, dass einzelne Familienmitglieder auftauchen und die Auktion kritisieren werden. Aber dass sie so dreist sind und die Echtheit der Gitarren in Frage stellen, damit habe ich nicht gerechnet.» Ineichen betont: «Wir haben Fotos, die beweisen, dass die Gitarren im Probelokal von Angy waren. Er besass etwa 33 Gitarren.»

Versteigerung hat «irritiert»

Burris langjähriger Bandkollege, der Bassist François Mohr, sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Angy hat auf der Bühne eigentlich immer mit den gleichen vier Gitarren gespielt. Von diesen konnte man keine ersteigern, und es war auch keine davon ausgestellt.» Darunter seien auch die berühmten zwei Büffelkopf-Gitarren und die American-Flag-Gitarre, die Angy Burri selber angefertigt habe sowie eine sehr wertvolle Fender Stratocaster aus den Sechzigerjahren.

Susanne Ineichen sagt dazu: «Diese vier Gitarren werden wir im Museum ausstellen und selbstverständlich nicht verkaufen. Auch sein legendäres Harley-Motorrad werden wir sicher nicht verscherbeln.»

François Mohr sagt dazu «Das finde ich okay, aber dann hätte man den Werbetext zu dieser Versteigerung nicht auf diesen berühmten Instrumenten aufbauen sollen.» Er betont auch, dass er rein gar nichts gegen das geplante Angy-Burri-Museum habe: «Im Gegenteil, ich würde hingehen und auch Eintritt bezahlen.» Er sei anlässlich der Versteigerung einfach irritiert gewesen, dass dort Sachen zu kaufen gewesen seien, die aus seiner Sicht nicht viel mit Angy Burri zu tun gehabt hätten. «Ich bin dort mit der Absicht hingegangen, für mich ein Erinnerungsstück zu kaufen. Aber was ich dort antraf, war alles andere als eine Erinnerung», so Mohr.

Keine Antworten erhalten

Sonja Burri, die Schwiegertochter von Angy Burri, sagt auf Anfrage: «Wir gingen an die Versteigerung, weil angekündigt worden ist, dass dort über das geplante Museum informiert wird.» Doch davon sei keine Rede gewesen. «Auf unsere Fragen, wann und wo das Museum eröffnet wird, erhielten wir keine Antworten», so Burri. Sie betont auch, dass sie nicht behaupten wolle, dass die zum Kauf angebotenen Gitarren nicht Angy Burri gehört hätten. Aber es seien sicher nicht die Gitarren, mit denen Angy regelmässig gespielt habe. Sonja Burri sagt: «Ich finde es schade, dass in der IG keine Freunde von Angy sind und dass die IG nie den Kontakt zur Familie gesucht hat. Wir haben von der Gründung der IG aus den Medien erfahren.» Und weiter: «Ein Museum war Angys Traum. Aber das, was hier abläuft, ist sicher nicht in seinem Sinne.»

Museum soll 2015 eröffnet werden

Wann genau das Angy-Burri-Museum eröffnet wird, kann Kuratorin Susanne Ineichen noch nicht sagen. Sie verspricht aber: «Es wird im nächsten Jahr sein.» Zunächst müsse man mit dem Architekten das weitere Vorgehen besprechen. Standort ist laut IG die Scheune in Werthenstein, wo die Versteigerung stattfand. Die Heubühne, in der das Museum Platz finden werde, müsse umgebaut werden, sagt Ineichen. Darum brauche man den Rat des Architekten.

Konkursverfahren beendet

Nach dem Tod des Luzerner Stadtoriginals Angy Burri kam heraus, dass dieser hoch verschuldet war. Sein Sohn Angelo Burri junior sagte im Februar gegenüber unserer Zeitung, dass er von 100 000 Franken Schulden wisse. Die Hinterbliebenen schlugen aufgrund der hohen Verschuldung Burris das Erbe aus.

Laut Angaben des Kantonsgerichts Luzern ist das Konkursverfahren gegen Angy Burri nun abgeschlossen. «Alle Gläubiger wurden befriedigt, und alle Schulden wurden bezahlt», teilt die Informationsbeauftragte des Kantonsgerichts, Sandra Winterberg Lang, mit. Wie Winterberg weiter mitteilt, habe es mehrere Interessenten gegeben, die den Nachlass von Angy Burri en bloc kaufen wollten. Auf eine öffentliche Versteigerung habe man verzichtet, weil keine Sicherheit bestand, dass alles zu einem guten Preis hätte verkauft werden können.

IG bot den höchsten Preis

Das Rennen um den Nachlass machte schliesslich die «IG zur Betreuung der Sammlung von Angy Burri», die damit ein Museum aufbauen will. Über die Höhe des Kaufpreises machen weder die IG noch das Kantonsgericht Angaben. Sandra Winterberg sagt: «Wie immer in einem Konkursverfahren wurde an den Meistbietenden verkauft.»