Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MUSICAL: Tosender Applaus für das Musical «95» bei der Premiere in Emmen

Der Umzug des Le Théâtre von Kriens ins Emmer Gersag hat sich gelohnt: Publikum und Darsteller haben mehr Platz. Zudem hat das Ensemble nochmals an Professionalität zugelegt.
Roman Kühne
Szenen aus dem neuen Musical «95 – Ninety-Five», das zurzeit im Le Théâtre im Gersag läuft. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 24. November 2017))

Szenen aus dem neuen Musical «95 – Ninety-Five», das zurzeit im Le Théâtre im Gersag läuft. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 24. November 2017))

Roman Kühne

region@luzernerzeitung.ch

Die letzten Takte verhallen, tosender Applaus, niemanden hält es auf den Sitzen. So mancher Zuschauer wird sich wohl verwundert die Augen reiben. Kaum ist es fassbar, was aus diesem regionalen Musical – Projekt, einer einst bunten Truppe von Amateuren geworden ist, welche Wege sie gegangen sind.

Mit der Premiere im neuen Le Théâtre in Emmen stösst das Team um Andréas Härry und Irène Straub in neue Dimensionen vor. Das ehemalige Gersag wurde völlig neu ausstaffiert. Statt Orange und Braun dominieren Schwarz, Rot und Silber. Steil steigt die Zuschauerrampe, gigantisch ist das Bühnenrund. Man mag die engen Platzverhältnisse in Kriens, die Nähe zu den Künstlern, ja ihren Schweiss und Dampf vermissen. Doch die fehlende Intimität wird durch die künstlerischen Möglichkeiten, den zusätzlichen Komfort mehr als wettgemacht.

Witz und Trash

Man kann es vorweg nehmen. Das neue Musical «95 – Ninety-Five» ist als Gesamtpaket ein Erfolg. Dies liegt zum einen an der Musik. Die 90er Jahre sind eine Bonbontüte schöpferischer Weltattraktionen. Aber nur wenige Stücke sind absolute Ohrwürmer, die man kaum mehr hören mag. Melodien wie «Lemon Tree», der einzige Hit der deutschen Gruppe Fools Garden oder «Miss you like crazy» (Natalie Cole) garantieren geradezu einen erfolgreichen Abend. Alle sind sie Hitparaden gestählt, haben sie das gewisse «Etwas».

Auch Trash Songs wie «Mambo Nr. 5» fehlen nicht. Diese Lieder wurden vom langjährigen musikalischen Leiter Arno Renggli in entstaubende Arrangements gepackt. Solistische Zwischenspiele schaffen einen lockeren Zusammenhalt. Ein Höhepunkt ist der Verschnitt, wo die Tänzer rückblickend die 90er Jahre auf die Schippe nehmen. «Smells like teen spirit» (Nirvana), «Black and White» (Michael Jackson) oder «Wannabe» (Spice Girls) wechseln im Sekundentakt. Raffiniert, wie sich die beiden Nebenbuhler im Rap-Rhythmus streiten, während Motive aus Richard Wagners «Götterdämmerung» den richtigen Boden liefern. Rengglis Eigenkomposition «Here in 95» passt sich nahtlos in den Abend ein. Die perfekt aufspielende Band, die hervorragende neue Akustik des Theaters – den Vorhängen vor den Fenstern und den stoffbezogenen Stühlen sei Dank – trägt das ihre dazu bei.

Liebe, Geld und Rache

Zwar fehlt der grosse musikalische Bogen. Einzelne, den Personen zuordenbare Leithemen oder gar eine identitätsstiftende Grundmelodie gibt es nicht. Aber die Songs passen sich nahtlos in die Handlung ein. Leichte Änderungen geben den Texten zusätzliche Würze. In «Mambo Nr. 5» kehrt die Wahrsagerinn Rosanna (Irène Straub) den Spiess um, singt von all den Männern die sie schon vernaschte. Witzig wie Lucio Dallas «Attenti al Lupo» eine esoterische «Entspannungsübung» untermalt. Mehr sexuelle Anmache, denn transzendentale Wahrheitsfindung.

Amüsant, wenn die Teenager sich mit «Barbie Girl» über ihre Freunde beklagen. Das Buch wurde wieder von den Leitern des Le Théâtre, Andréas Härry und Irène Straub, geschrieben. Sie knüpfen damit beim letztjährigen Erfolg «Summer of ´85» an. Auf zwei Handlungsebenen wird über Liebe, Loslassen, Macht, Geld, Träume und Rache gesungen und getanzt. Zwar bilden die Schwiegermutter, der auf zu vielen Hochzeiten tanzende Frauenschwarm und die Esoteriknudel witzige Nebenfiguren. Doch des Spieles Lauf ist absehbar. Der Text bleibt im erwartbaren Rahmen, endet am Schluss in purer Minne. Sogar die Tochter des «Bösewichts» wendet sich ab von diesem. Aber die Leichtigkeit der Texte passt zur Musik. Die verschiedenen Lieder, dialogisch auf die Sänger verteilt, entfalten ihre Wirkung, treiben die Handlung vorwärts.

Star des Abends ist der Tanz

Der Regisseur Silvio Wey inszeniert schmal. Weisse Würfel, ein kleiner Aufbau, ein Bett, ein paar Stühle. Ohne aufwändige Projektionen, ohne Spektakel stellt er einen leichten, ja fast poetischen Rahmen für das Schauspielensemble, die Menschen ins Zentrum rückend. Die Lichtregie (Markus Güdel) teilt die grosse Bühne geschickt in kleinere Räume. Diese Schlankheit lässt die verrückten, neonfarbigen Kleider der 90er Jahre (Ausstattung Janina Ammon) in umso hellerem Licht erstrahlen. Die in weiss gewandten Männer, die roten Teufelsfrauen geben dem Song «Relight my fire» (Take That) eine eigene Deutung und Tiefe. Exzellent besetzt ist das Ensemble. Hier hat der letzte Schritt Richtung Professionalität definitiv stattgefunden. Christian Sollberger gibt den zerrissenen Julian, als Sänger wie als Spieler, kraftvoll. Packend singt er mit der überzeugenden Maren Kern (als Laura) die Duette. Alexander Ruttig (als Frank Berger) akzentuiert gekonnt den Spagat zwischen Liebe und Zerstörungswut. Heimlicher Star des Abends, mit voller, souliger Stimme ist Daniela Tweesmann als Schwiegermutter. Oder Irène Straub welche die Paraderolle der esoterischen Rosanna mit Witz und Leben füllt. Das Teeniepaar Jessica Lapp und Jan Grossfeld singen ihre Wirrungen mit Witz und Ironie (I'm your Angel). Die 12-jährige Noé Kilchenmann aus Buochs spielt und tanzt die kleine Schwester mit Reife und Ausdruck. Der Funke über dem Spektakel, ja ein Kraftzentrum des Abends gar, sind die wuchtigen, farbigen bis akrobatischen Tanzeinlagen (Choreographie Adriano Piccione und Cecilia Wretemark), wo im ausgezeichneten Ensemble vor allem die Spanierin Pilar Ortí López glänzte. Ein toller Abend, der auch auf manch grosser Bühne des Auslands bestens bestehen würde.

Hinweis

Das Musical «95 – Ninety-Five» läuft noch bis 6. Januar jeweils mittwochs bis sonntags im Gersag in Emmen. www.le-theatre.ch

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Szene aus «95» (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 24. November 2017))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.