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MUSIK: Er verhalf Hunderten zur ersten Geige

Nach 40 Jahren gibt Geigenbauer Peter Boner sein Geschäft in jüngere Hände. Das Schönste war für ihn, dabei zu sein, «wenn Kinder die Liebe zur Musik entdeckten».
Lena Berger
Peter Boner (rechts) in seinem Geigenbauatelier zusammen mit seinen Nachfolgern Ufuk Irgin (links) und Micha Sennhauser. (Bild Manuela Jans)

Peter Boner (rechts) in seinem Geigenbauatelier zusammen mit seinen Nachfolgern Ufuk Irgin (links) und Micha Sennhauser. (Bild Manuela Jans)

Die Arbeit von Geigenbauer Peter Boner gleicht derjenigen von Zauberstabmacher Ollivander in den Harry-Potter-Büchern: Mit viel Feingefühl hat er in den letzten 40 Jahren für jeden Musiker das passende Instrument gesucht. «Die gleiche Geige kann sich ganz verschieden anhören – je nachdem, wer auf ihr spielt», weiss Boner. Die Beziehung zwischen einem Geiger und seinem Instrument habe oft etwas Magisches – und halte teilweise ein Leben lang. Sein erstes Atelier eröffnete Boner 1973 an der Alpenstrasse in Luzern, danach zog er für 26 Jahre an den Mühlenplatz. Im Jahr 2006 verlegte er sein Geschäft an die Hirschmattstrasse 62, wo es sich noch heute befindet.

Der 71-Jährige lernte im Lauf seines Lebens viele Musiker kennen. Zu seinen berühmtesten Kunden gehörte der Amerikaner Nathan Milstein, einer der grössten Geiger des 20. Jahrhunderts. Wenn man Boner aber fragt, woran er am liebsten zurückdenkt, lautet die Antwort: «Das Schönste war, dabei zu sein, wenn Kinder die Liebe zur Musik entdecken. Ich hatte viele Kunden, die als Kinder Geigen von mir hatten – und später mit ihren Kindern wieder zu mir kamen.»

Cello mit dem Bogen traktiert

Nicht immer war die Begegnung mit seinen Instrumenten für die Kinder Liebe auf den ersten Blick. «Ein Mädchen werde ich nie vergessen. Sie sah aus wie ein Engel. Beim Üben bekam sie aber Wutanfälle – und schlug auf ihr Cello ein.» Zum Glück nichts, was der Geigenbauer nicht wieder hätte richten können. Heute ist das Mädchen Berufsmusikerin. «Das hätte weder ich noch sie selbst erwartet», schmunzelt Boner.

Es spielten sich einige Dramen ab in Boners Atelier. Er erinnert sich an eine Cellistin des Luzerner Orchesters, die ihn verzweifelt aufsuchte, weil sie mit dem Auto rückwärts über ihren Cellokasten gefahren war. Und da gab es einen Berufsgeiger, der sich auf seine antike italienische Geige gesetzt hatte. «Das sind Fälle, in denen ein Geigenbauer wirklich zeigen kann, was er kann», lacht Boner. Seine geduldige Hand hauchte dem 70 000 Franken teuren Instrument neues Leben ein. «Eine Geige ist erst tot, wenn sie von Würmern durchlöchert ist.» Die berühmteste Geige, die Boner restauriert hat, war von Gasparo Bertolotti Da Salò aus dem 16. Jahrhundert.

Zuerst Maschinenmechaniker

Zuerst machte Boner eine Lehre als Maschinenmechaniker. Die Liebe zur Musik trieb ihn dann in den Geigenbau. Die meisten Geigen, die er selber baute, gingen nach London in die Guildhall School. «Ein Bekannter war dort Lehrer und suchte für seine Schüler qualitativ gute Geigen, die nicht zu teuer waren», erklärt er. Viele Absolventen wollten ihr geliehenes Instrument nach der Ausbildung nicht mehr hergeben und bestellten bei Boner identische Geigen.

Selber hätte Boner nie im Leben Berufsgeiger werden wollen. «Auf einer Bühne zu stehen, ist nicht meine Welt – ich hätte Lampenfieber», erklärt er. Das Leben als Musiker sei hart. «Es gibt manche, die können spielen wie der liebe Gott und schaffen es trotzdem nicht, sich durchzusetzen.» An manchen Tagen habe er nicht nur Geigen gepflegt, sondern auch die Musiker, die sie spielten. Boner selbst musiziert einmal pro Woche mit seinem Quartett. Eines hat er sich nach der Pensionierung vorgenommen. «Ich habe den Kollegen fest versprochen, ab jetzt mehr zu üben.»

Vertrauen in die Nachfolge

Boners Nachfolge werden Micha Sennhauser und Ufuk Irgin antreten, beides gelernte Geigenbaumeister. «Ich kann ihnen meine Kunden guten Gewissens anvertrauen», ist er überzeugt. Sie wollen den Geigenverleih in Boners Sinne weiterführen. «Zusätzlich werden wir auf Barockinstrumente setzen und den Schweizer Geigenbau fördern», so Sennhauser.

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