MUSIK: Luzern inspiriert zwei Flamenco-Gitarristen

Das Duo Joncol fuhr mit dem Wohnmobil während zweier Monate durch Andalusien. Wie sich das auf die Musik auswirkt, kann bald in Luzern erlebt werden.

Stephan Santschi
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Britta Schmitt und Carles Guisado zelebrieren die spanische Musik. Hier sind sie im Hotel Montana in Luzern zu sehen. (Bild Corinne Glanzmann)

Britta Schmitt und Carles Guisado zelebrieren die spanische Musik. Hier sind sie im Hotel Montana in Luzern zu sehen. (Bild Corinne Glanzmann)

«Aires de Andalucía» – sinngemäss übersetzt: andalusische Klänge. So heisst das Programm, das Britta Schmitt und Carles Guisado am Samstag, 17. Oktober, im Marianischen Saal in Luzern aufführen werden. Es ist ein Heimkonzert der 38-jährigen Deutschen und des 37-jährigen Spaniers – seit 2009 lebt das verheiratete Paar in Luzern. Ein Jahr davor haben die beiden Gitarristen das Duo Joncol gegründet.

Die Inspiration für die in Luzern präsentierten Stücke holten sich Schmitt und Guisado diesen Sommer auf einer zweimonatigen Reise durch Andalusien. Unterwegs waren sie in dem sogenannten Pfeifermobil. Hierbei handelt es sich um ein Wohnmobil, das die Luzerner Otto-Pfeifer-Stiftung kostenlos Künstlern aus der Zentralschweiz zur Verfügung stellt (siehe Kasten). Hinzu kam eine finanzielle Unterstützung von monatlich 2000 Franken.

Das Treffen mit «Roger Federer»

Das Duo Joncol, das mittlerweile zwei CDs herausgegeben hat, machte sich vergangenen Juni auf die Reise und legte dabei 7000 Kilometer zurück. Ohne Verpflichtung, ohne Ablenkung – «wir waren einfach nur da und konnten in die Musik eintauchen», erzählt Schmitt. Die beiden Interpreten von klassischer, spanischer Musik tauschten sich mit lokalen Künstlern aus und liessen vor allem den Flamenco auf sich wirken. «Wir trafen unter anderen Manolo Sanlúcar, den Roger Federer der Flamenco-Gitarristen. Mit ihm zu sprechen, zu essen und zu spielen, war unglaublich. So, als ob man mit Federer Tennis spielt und ihm auch noch gefällt, was man macht», erzählt Guisado und strahlt.

In Andalusien sei die Musik im Alltag allgegenwärtig – ein perfekter Ort für Guisado. «Ich erlebe die Welt durch die Musik. Ich höre keine Geräusche, ich höre Rhythmen und Melodien. Auch ausdrücken kann man sich manchmal besser mit Musik als mit Worten», findet er. «Die Kunst des Dialogs», unter diese Überschrift stellen sie denn auch generell ihre Auftritte. Tatsächlich wirkt es wie Kommunikation, wenn Schmitt und Guisado nebeneinandersitzen, sich zwischendurch in die Augen schauen und an den Saiten ihrer Gitarren zupfen. «Alles ist bei uns geprobt, aber während jedes Konzerts entsteht stets auch etwas Neues. Warum wir so gut zusammen funktionieren, können wir uns selbst nicht immer erklären», sagt Schmitt. Wenn sie zu Hause im Dreilindenquartier für sich in ihren Arbeitszimmern üben, komme es regelmässig vor, dass der eine auf das einsteige, was die andere im Nebenraum gerade spiele.

Am See finden sie zur Ruhe

Kennen gelernt haben sie sich während der künstlerischen Ausbildung in Guisados Heimatstadt Barcelona. Später studierten sie gemeinsam in Köln, ehe sie den Doppel-Master in Kammermusik und Instrumentalpädagogik an der Musikhochschule Luzern abschlossen. «Die Leute hier sind sehr offen, wir haben uns schnell zu Hause gefühlt», berichtet Schmitt, die aus Vreden in Nordrhein-Westfalen stammt. «Als wir den Bahnhof verliessen und erstmals den See sahen, waren wir fasziniert», erzählt Guisado.

Beeindruckt sind sie auch vom hohen Niveau der klassischen Musik in der Stadt, sie besuchen oft Konzerte im KKL und schwärmen vom Lucerne Festival. «Viele Inspirationen für meine Eigenkompositionen finde ich in Luzern», betont Guisado. Und Schmitt hält fest: «Von unseren Reisen nehmen wir viele Eindrücke mit. Bei einem Spaziergang am See kann man zur Ruhe kommen und die Gedanken ordnen.» Neben ihren Auftritten in der Schweiz und im Ausland unterrichten sie Gitarre an der Musikschule des Konservatoriums Zürich und an der Pädagogischen Hochschule Zug.

Keine Freude am Klischee

Am 17. Oktober kann man sich vom Ergebnis ihrer Andalusienreise überzeugen lassen. Schmitt und Guisado ist es wichtig, dass Gitarrenmusik nicht auf Lagerfeuerromantik reduziert wird. «Es passt auch nicht als Hintergrundmusik in eine Bar. Wir wünschen uns vom Publikum ein Feedback. Und dazu brauchen wir seine komplette Aufmerksamkeit», erklärt Guisado. Für das Konzert in Luzern verstärken sie sich mit einem Perkussionisten und einer Flamenco-Sängerin und nennen sich Joncol 4.

Stephan Santschi

HINWEIS

Konzert «Aires de Andalucía»: Samstag, 17. Oktober, 19.30 Uhr im Marianischen Saal, Luzern. Karten: Vorverkauf bei Geigenbau Koch, Murbacherstrasse 15, Luzern, oder an der Abendkasse. – Preis: 35 Franken (ermässigt: 20.–)