MUSIKFEST: Darum sind die Luzerner Blasmusiker top

Blasmusik hat im Kanton Luzern einen hohen Stellenwert. An Wettbewerben sind hiesige Ensembles oft spitze. Das hat ganz verschiedene Gründe.

Roger Rüegger
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«Gruppen wie die Brass Band Bürgermusik haben eine enorme Ausstrahlung.»
Daniel Elmiger, Präsident Luzerner Blasmusikverband

Daniel Elmiger Kantonalpräsident



(Neue LZ/Dominik Wunderli)

Fotografiert am 15.3.2014



Musik

Verein

Abstimmung (Bild: Dominik Wunderli (Neue Luzerner Zeitung))

«Gruppen wie die Brass Band Bürgermusik haben eine enorme Ausstrahlung.» Daniel Elmiger, Präsident Luzerner Blasmusikverband Daniel Elmiger Kantonalpräsident (Neue LZ/Dominik Wunderli) Fotografiert am 15.3.2014 Musik Verein Abstimmung (Bild: Dominik Wunderli (Neue Luzerner Zeitung))

Die Zahl der Luzerner Blasmusikvereine am Eidgenössischen Musikfest in Montreux spricht für sich: Von 118 dem Luzerner Kantonal-Blasmusikverband (LKBV) angeschlossenen Musikgesellschaften haben 46 den Weg an die Riviera am Genfersee gefunden. Es geht darum, dem Rest der Schweiz zu zeigen, wer den Ton in der Blasmusik angibt.

Am ersten Wochenende haben die Luzerner schon mal eine Duftmarke abgesetzt. In über 30 Wettbewerben haben sich 14 Luzerner Formationen aufs Podest gespielt (Ausgabe vom Montag). Vier holten einen Sieg. Die Musikgesellschaft Schwarzenbach feierte gar einen Doppelsieg. In der Kategorie Brass Band 3. Klasse erreichte die Band mit 193,67 die höchste Punktezahl des Wochenendes. In der Disziplin Parade­musik auf der Grand Rue in Montreux gewann die Formation mit 91,33 Punkten. «Wir wollten das Beste herausholen, wenn wir schon antreten. Dass wir gleich beide Wettbewerbe gewonnen haben, ist einmalig und wird sich wohl nie mehr wiederholen», sagt Daniel Galliker, Präsident der Musikgesellschaft.

Motivation hochhalten

Schwarzenbach zählt als Ortsteil von Beromünster nur gerade 250 Einwohner. Umso erstaunlicher ist, dass es bis heute gelungen ist, einen Blasmusikverein erfolgreich am Leben zu erhalten. «Es ist für Vereinsführungen eine Herausforderung, die Motivation der Mitglieder hochzuhalten. Hier funktioniert es sehr gut, auch mit unserem Nachwuchs. Ich bin mit 37 das viertälteste Mitglied, und das Durchschnittalter liegt unter 30 Jahren», erklärt Galliker. Und er fügt etwas stolz hinzu, dass auch viele Mitglieder, die von Schwarzenbach wegziehen, der Musikgesellschaft erhalten bleiben. Schwarzenbach ist dabei fast repräsentativ für den Kanton Luzern. Der LKBV ist mit 4611 Mitgliedern der drittgrösste Blasmusikverband der Schweiz. Nur Bern (7535) und Wallis (6323) haben mehr organisierte Blasmusiker.

Grund für die grosse Beliebtheit der Blasmusik in der ­Zentralschweiz sind einerseits die zahlreichen Topformationen, die hier ansässig sind. Die Brass Band Bürgermusik Luzern, eine der besten Brassbands der Schweiz und 2014 Europameister, wurde in diesem Jahr mit dem Prix Walo ausgezeichnet. Auch die zwei anderen nominierten Ensembles stammten aus dem Kanton Luzern. Neben der Bürgermusik standen die Blaskapelle Lublaska und die Wiggertaler Blaskapelle zur Wahl. «Solche Bands haben eine enorme Ausstrahlung. Sie motivieren viele Musikerinnen und Musiker, in ihren Vereinen aktiv mitzuwirken und an Wettbewerben teilzunehmen», sagt Daniel Elmiger, Präsident des LKBV.

Angefressen durch Wettbewerbe

Franz Schwegler, der Präsident der LKBV-Veteranen, schreibt den Erfolg im Kanton Luzern auch der Ausbildung zu. «Das beginnt bereits in den Musikschulen, wo die Schüler heute enorm gefördert werden. Viele Musiklehrer sind daran interessiert, die Kinder an Solo-Wettbewerbe zu schicken. Diese Wettbewerbe auf relativ hohem Niveau tragen dazu bei, dass viele Blasmusiker richtig angefressen sind», sagt Schwegler.

Peter Schmid, Präsident der Musikkommission des LKBV, bestätigt diese Argumente. «Luzern verfügt schon lange über gute Ausbildungsmöglichkeiten für Blasmusikdirigenten. Auch hat die Hochschule viele gute Holz-und Blechbläser hervorgebracht, welche wiederum den Unterricht für Blasinstrumente in unserem Kanton professionalisiert haben. Zudem haben wir fast in allen Dörfern eine gut funktionierende Musikschule.»

Der Kanton Luzern habe auch das Glück, dass mit Albert Benz (1927–1988) und André Winkler (1914–1987) zwei Pioniere des Blasmusikwesens als Pädagogen und Dirigenten wirkten. Noch heute seien viele Studenten und ehemalige Schüler dieser beiden Musiker aktiv und würden ihr Wissen weitergeben.

Einen weiteren Anteil zur Popularität der Blasmusik trägt die Politik bei. «In etlichen Dörfern gab es zwei Vereine, die einen unterschiedlichen politischen Hintergrund hatten. Die vielen Musizierenden haben sich ihren Verein je nach Gesinnung ausgesucht. So entstand eine Rivalität, welche wiederum leistungsfördernd war», erklärt Schmid.

Wenig Freizeit, viel Musik

Nicht zuletzt sei das mangelnde Alternativangebot an Freizeitbeschäftigungen auf dem Land für die Blasmusik fördernd gewesen oder sei es immer noch. Gerade im Entlebuch und im Hinterland sei viel musiziert worden. Das sei bis heute so geblieben. In Montreux haben auch die Musikgesellschaft Schüpfheim (Konzert Harmonie 1. Klasse) und die Feldmusik Hochdorf (Parade Harmonie) einen Sieg errungen. Die Ausbeute der Luzerner bezeichnet Schmid als sehr gut. Er blickt denn auch optimistisch auf das Wochenende. Mit den Brass- bands aus Reiden, Rickenbach und der Kirchenmusik Flühli sind Luzerner am Start, mit denen an jedem Musikfest zu rechnen ist, um nur einige zu nennen.

Roger Rüegger

Hinweis

Von Freitag bis Sonntag geht das Musikfest in Montreux weiter. Alle Informationen dazu finden Sie unter www.ffm2016.ch.