Musikschulfestival
Drei-Abende-Konzert im Le Théâtre: Die Musikschule Emmen wagt Grosses

Trotz Pandemie – oder eigentlich erst recht: Schülerinnen und Schüler der Musikschule Emmen präsentieren ihr Können von 29. bis 31. Oktober. Es ist alles andere als eine kleine Vortragsübung.

Beatrice Vogel
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Drei Abende mit Konzerten, 300 Mitwirkende und das im grössten Saal Emmens: Unter dem Motto «Emmen musiziert!» veranstaltet die Musikschule Emmen am kommenden Wochenende ein regelrechtes Festival. Es ist der erste grosse Anlass seit Beginn der Pandemie im Le Théâtre – und auch ein Wagnis, zumal der Eintritt gratis ist: «Natürlich wissen wir nicht, wie gross das Publikum sein wird, aber ich bin überzeugt von diesem Weg», sagt Brigitte Annoff. Sie ist die Musikschulleiterin, die mit grosser Kelle anrührt und vernetzt denkt.

Die «Minifiddlers» der Musikschule Emmen proben für das Konzert am Wochenende.

Die «Minifiddlers» der Musikschule Emmen proben für das Konzert am Wochenende.

Dominik Wunderli (Emmen, 26. Oktober 2021)

In den vergangenen eineinhalb Jahren seien so viele Anlässe abgesagt worden, dass es für manche Kinder schwierig gewesen sei, sich zu motivieren, erzählt Annoff. Es sei wichtig, dass Kinder wie Lehrpersonen neben dem Lernen und Üben auch Musik erleben können – und das möglichst gemeinsam. Annoff:

«Mit dem Musikschulfestival kreieren wir Erlebnisse und Emotionen.»

In der ganzen Schweiz ist die Nachfrage nach Instrumentalunterricht eher rückläufig, die Konkurrenz durch Sport- oder andere Freizeitangebote ist gross. «Das Ziel einer Musikschule ist es, die Kinder nachhaltig für das Musizieren zu begeistern – und dafür ist ein solcher Anlass ideal», sagt Annoff. Die Musikschule könne dadurch in der Gemeinde das Musizieren sichtbar machen und einen Beitrag zum Kulturstandort Emmen leisten. Denn: «Als freiwilliges Bildungsangebot besteht für die Musikschule immer die Gefahr, dass sie nicht wahrgenommen wird, weil sie still vor sich hinarbeitet.»

Musikschule und Vereine unterstützen sich gegenseitig

Nicht zuletzt soll durch den Event die Partnerschaft mit den Musikvereinen gestärkt werden. Schliesslich bildet die Musikschule deren möglichen Nachwuchs aus. Deshalb wirken an den Konzerten unter anderen auch das Orchester und die Musikgesellschaft Emmen mit. «Die Vereine haben es während der Pandemie nicht leicht», sagt Annoff. Darüber hinaus sei es grundsätzlich schwierig, Leute zu finden, die sich engagieren. «Dabei leisten die Vereine einen wichtigen Beitrag für die Integration in der Gemeinde.»

Musikschulfestival mit reichhaltigem Programm

Diverse Ensembles, Chöre, Solisten und Solistinnen der Musikschule Emmen geben bei «Emmen musiziert!» ihr Können zum Besten. Das Musikschulfestival findet von 29. bis 31. Oktober im Le Théâtre Emmen statt. Konzertbeginn ist am Freitag und Samstag um 19.30 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Kollekte. Reservation obligatorisch, Covid-Zertifikatspflicht. Weitere Infos: www.musikschule-emmen.ch/emmen-musiziert

Brigitte Annoff, Leiterin Musikschule Emmen.

Brigitte Annoff, Leiterin Musikschule Emmen.

PD

Die Musikschulleiterin sieht es als ihre Aufgabe, Verbindungen zwischen verschiedenen Akteuren herzustellen. Sie greift dabei auf ihre eigenen Beziehungen zurück. Es kommt nämlich nicht von ungefähr, dass Brigitte Annoff, die erst seit rund einem Jahr die Musikschule Emmen leitet, das Festival im Le Théâtre stattfinden lässt: Sie war selbst Musicalsängerin und hat im Lausanner Konservatorium eine Musicalabteilung aufgebaut. So war eine der ersten Neuerungen, die sie in Emmen umgesetzt hat, das Angebot eines Musicalkurses, der von Irène Straub geleitet wird, der künstlerischen Leiterin des Le Théâtre. Annoff und Straub kennen sich schon seit Jahren.

Instrumentalunterricht soll wieder attraktiver werden

Der Musicalkurs und das Musikschulfestival sind zwei Beispiele für den frischen Wind, den die neue Leiterin nach Emmen brachte. Sie ist überzeugt: «Wir müssen das Angebot der Musikschule so gestalten, dass es für ein breiteres Publikum attraktiver wird», sagt Annoff. Denn Gesellschaft und Jugend haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, die Musikschulen seien aber mehr oder weniger gleich geblieben. Auf die Veränderungen gelte es zu reagieren.

Wenig Zeit bleibt bis zum ersten Konzert am Freitag. Sind die Kinder nervös? «Natürlich sind alle aufgeregt, die Emotionen gehen hoch», sagt Annoff. Aber das müsse natürlich so sein und am Ende erwarte niemand Perfektion.

«Für mich ist das Wichtigste, dass wir gemeinsam mit geballter Energie auf etwas hinarbeiten, aufführen dürfen, Freude erleben und nachher stolz sind auf unsere Leistung.»