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MUSIKTHEATER: Ranft-Ruf-Hauptdarsteller: «Bruder Klaus ist eine extreme Figur»

Das Gedenkjahr neigt sich dem Ende zu. Doch für Markus Amrein, der im Stück «Ranft-Ruf» Bruder Klaus spielt, ist noch längst nicht alles gesagt.
Hugo Bischof
Spielt Bruder Klaus: Der Luzerner Markus Amrein. (Bild: PD)

Spielt Bruder Klaus: Der Luzerner Markus Amrein. (Bild: PD)

Der «Ranft-Ruf» ist ein Musiktheater über Niklaus von Flüe (1417–1487). Vier Schauspieler, ein Musiker (Cello) und ein Vokalensemble lassen die Visionen des europaweit bekannten Mystikers theatralisch-musikalisch auf­leben. Am kommenden Wochenende finden die beiden letzten Aufführungen in Emmenbrücke und in Luzern statt. Wir sprachen mit dem in Luzern geborenen und in Emmen aufgewachsenen Hauptdarsteller Markus Amrein (Bild).

Markus Amrein, im Gedenkjahr 600 Jahre Niklaus von Flüe ist über die Figur des Bruder Klaus fast schon zu viel gesagt, geschrieben und performt worden. Braucht es dieses Ranft- Musiktheater noch?

Ich kann nicht sagen, ob es unser Stück «braucht». Das kann letztlich nur der Besucher und die ­Besucherin beurteilen. Unseres Wissens ist unser Stück jedoch das einzige im Jubiläumsjahr, in dem Bruder Klaus und seine ­Gattin Dorothea als Figuren in Erscheinung treten. Dass die Kirchen jeweils vollbesetzt sind, viele mehrmals zu einer Aufführung kommen und es viele begeisterte Rückmeldungen gibt, zeigt uns, dass der «Ranft-Ruf» die Zuschauenden zu erreichen und zu bewegen vermag.

Sie haben den Bruder Klaus bereits 2013 verkörpert, im SRF-Format «Die Schweizer». Ist Ihnen die Figur noch nicht verleidet?

Nein. Bruder Klaus ist eine extreme Figur von grosser Tiefe. Mich mit ihm und seinem Weg auseinanderzusetzen, ist sehr inspirierend. Es ist jedes Mal ein Abenteuer. Ich bin gespannt, wie es bei den vorerst letzten Aufführungen unserer Tournee gelingt.

Kann der «Ranft-Ruf» etwas Neues erzählen, was nicht schon gesagt worden ist?

Was der «Ranft-Ruf» bietet, ist kein neuer Gedanke oder eine neue Aussage, sondern ein echtes Erleben. Viele Zuschauenden melden uns zurück, dass das Geschehen auf der Bühne sie ergriffen habe. Dabei erzählt das Stück nichts «Neues», denn seit den antiken griechischen Mysterienspielen kreist das Theater ja immer um die gleiche Frage: Was ist der Mensch, und wie verhält er sich zu seinem Schicksal? Die ­Geschichte von Niklaus und ­Dorothea bietet eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Frage, der jeder Mensch auf seinem Lebensweg begegnet.

Was ist die Kernaussage?

Alle Figuren des Stücks – die Journalistin, der Historiker, Dorothea und Niklaus – werden im Verlauf der Handlung mit der Frage nach ihrer Berufung konfrontiert: Worum geht es in meinem Leben? Lebe ich wirklich, oder tue ich nur so? Mit dem Titel des Stücks gesagt: Vernehme ich den «Ranft-Ruf» meines Herzens, und wohin führt er mich? Das Stück zeigt auch: Es gibt keine Erneuerung ohne Krise, denn wenn wir unser Festhalten am Kleinen nicht aufgeben, werden wir die Erfahrung nicht machen können, dass wir von etwas Grösserem gehalten sind.

Bruder Klaus wird oft kritisiert, weil er Frau und Kinder verliess. Wie sehen Sie dies?

Natürlich kann man von Flüe deswegen kritisieren. In unserem Stück tut das Naomi, die Journalistin, ganz heftig. Die Frage ist: Will man es bei dieser Kritik bewenden lassen, oder will man versuchen, Dorothea und Niklaus besser zu verstehen? Beide sind durch einen schmerzhaften Prozess des Loslassens gegangen. Für sich allein, aber auch gemeinsam. Das kennen wir alle, denn diese Herausforderung bringt jede Liebesbeziehung mit sich, wenn auch meist nicht in dieser unausweichlichen Heftigkeit.

Welche Ratschläge kann Bruder Klaus uns heutigen Schweizern geben? Welche den Europäern, vielleicht gar den Weltbürgern?

Dazu fällt mir ein Satz ein, den ich im Stück als Bruder Klaus sage: «Grosszügig sein und Gutes tun ist eine Bewegung, die aus dem Frieden kommt, aus der Liebe, und sich zu den anderen hin ausbreitet, weil die vom gleichen Leben sind wie ich.»

Interview: Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Der Ranft-Ruf. Pfarrkirche Bruder Klaus, Emmenbrücke: Freitag, 24. November, 19.30 Uhr. Der Maihof, Pfarrei St. Josef, Luzern, Sonntag, 26. November, 17.00 Uhr. www.ranft-ruf.ch

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