MYTHOS: Barbie soll in Luzern entdeckt worden sein

Die erfolgreichste Puppe aller Zeiten – Barbie – feiert am kommenden Montag ihren 50. Geburtstag. Sie soll gemäss dem US-amerikanischen Spielzeug-Konzern Mattel, der die Puppe herstellt und weltweit vertreibt, in Luzern entdeckt worden sein.

Drucken
Teilen
Barbie-Puppe mit ihrem Freund Ken aus dem Jahre 1960. (Bild pd)

Barbie-Puppe mit ihrem Freund Ken aus dem Jahre 1960. (Bild pd)

Mit weit über einer Milliarde verkaufter Exemplare gibt es inzwischen mehr Barbies auf der Welt als Chinesinnen und Chinesen, die die bevölkerungsreichste Nation stellen. Barbie war in grauer Vorzeit die deutsche «Bild-Lilli», die ab 1955 von der Bild-Zeitung als Werbepuppe für Erwachsene vornehmlich in Tabakgeschäften verkauft worden ist. Die «Bild-Lilli» hatte zuvor als saloppes Comics-Mädchen in der Boulevardzeitung mit kessen Sprüchen das «Deutsche Fräulein-Wunder» mitgeprägt.

«Bäbi aus Luzern» als USA-Verkaufserfolg
Die amerikanische Barbie-Schöpferin und Mitbegründerin von Mattel, die 2002 verstorbene Ruth Handler, ging 1958 auf eine Europareise. Dabei hielt sie auch Ausschau nach einer Anziehpuppe für ihre kleine Tochter Barbara. Sie soll die 30 Zentimeter grosse «Bild-Lilli» in einem Luzerner Schaufenster entdeckt und in die USA mitgenommen haben. Dort liess sie eine kleine Serie herstellen. Diese präsentierte sie am 9. März 1959 als Ankleidepuppe auf der New Yorker Spielzeugmesse «American Toy Fair» unter dem Namen «Barbie» - dem Spitznamen ihrer Tochter. Das «Bäbi aus Luzern» war sofort ein Verkaufserfolg in den USA. 1964 kaufte Mattel die Rechte an der «Bild-Lilli» und lancierte die Kopie des «Deutschen Fräulein-Wunders» als Barbie auf dem Weltmarkt.

Hinweis im «Luzerner Freisinn»
Weil Puppen nicht bei Einwohnerämtern registriert werden müssen, erweist sich die Verifizierung der Luzerner Herkunft von Barbie als schwierig. Einen Hinweis findet man in der Parteipresse der Stadt. Im «Luzerner Freisinn» vom 8. Oktober 2008 heisst es: «Barbara aus Luzern? Nein, nein, nicht irgend eine Barbara aus Luzern ist gemeint, sondern die, die jeder kennt. Richtig, Original-Barbie aus Luzern! Nicht etwa ein neues Stadtoriginal, sondern das kitschige Anziehpüppchen aus Plastik, schlank und rank. Mit richtigem Namen hiess das klapperdürre Fräulein Lilli, bis es von der Mitbegründerin der Spielwarenfirma Mattel entdeckt wurde. Wo? Als Schaufensterauslage in Luzern!»

«Belegbar ist die Geschichte nicht»
Darauf angesprochen zeigt sich die Luzerner Stadtarchivarin Daniela Walker sehr erstaunt: «Davon weiss ich nichts. Es hat auch noch nie jemand nachgefragt, ob Barbie eine Luzernerin ist», sagte sie. Bernhard Graf, Konservator des Spielzeugmuseums Riehen (BS), sagt: «Die Entdeckung von Barbie in Luzern wird immer wieder kolportiert. Belegbar ist sie aber nicht.» Graf hat zum 50. Geburtstag der Puppe eine Ausstellung ausgerichtet und kennt sich deshalb in der Barbie-Genealogie bestens aus. Festmachen könne man die Luzerner Herkunft von Barbie wirklich nicht, sagt auch Mediensprecherin Stephanie Wegener von Mattel Europa im deutschen Dreieich. «Die Geschichte ist aber wunderhübsch. Deshalb lassen wir sie auch stehen.»

Harry Rosenbaum / ap