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Vom Ringerprofi zum Prüfling: Warum der Willisauer Jonas Bossert für den Job im Familienunternehmen gerüstet ist

Jonas Bossert (28) hat sich zum Technischen Kaufmann weitergebildet. Der Willisauer hat im Prüfungsstress von seinem Klassenlehrer und seiner sportlichen Karriere profitiert.
Stephan Santschi
Der Spitzenringer Jonas Bossert hat eine Ausbildung als Technischer Kaufmann abgeschlossen. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 6. November 2018))

Der Spitzenringer Jonas Bossert hat eine Ausbildung als Technischer Kaufmann abgeschlossen. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 6. November 2018))

Es waren besondere Drucksituationen, welche die Absolventen in Basel zu bewältigen hatten. Während drei Tagen schriftliche Examen in acht Fächern. Das ist so üblich, jedes Jahr wird die eidgenössische Berufsprüfung der technischen Kaufleute gesamtschweizerisch an einem zentralen Ort durchgeführt. «Und so kam es, dass rund 1300 Menschen in einem Saal an den schriftlichen Prüfungen arbeiteten. Die Nervosität war spürbar», sagt Jonas Bossert. Die Berufsprüfung der technischen Kaufleute ist aktuell die grösste der Schweiz.

Gut, hatten die 47 Luzerner Teilnehmer einen Ausbildner, der mehr machte, als im Pflichtenheft vorgesehen wäre. Urs Peter, Leiter des Bildungsgangs «Technische Kaufleute» im Weiterbildungszentrum des Kantons Luzern mit Standorten in Sursee und Willisau, habe sie perfekt auf den Prüfungsstress vorbereitet. Bossert: «Ihn konnte man bei Problemen Tag und Nacht anrufen. So wie er sich ins Zeug legte, kann ich sagen: Einen solchen Klassenlehrer hatte ich noch nie.» In Basel habe Peter gar einen Raum organisiert, an den sie sich vor den Prüfungen zurückziehen konnten.

Für Bossert ist alles gut gegangen: Mit der Note 4,8 schloss er ab, am 16. November wird er zusammen mit 44 weiteren erfolgreichen Absolventen an der Feier in Willisau sein Diplom abholen können. «Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, Aufwand und Ertrag stimmen überein.» Mit einer Erfolgsquote von 96 Prozent liegt das Weiterbildungszentrum Kanton Luzern weit über dem schweizweiten Schnitt von 65 Prozent.

Vielfalt der Ausbildung hat ihn überrascht

Der 28-jährige Willisauer gibt allerdings zu: Die Themenvielfalt der Weiterbildung habe er unterschätzt. Logistik, Marketing, Verkauf, Personalmanagement, Finanzwirtschaft, Unternehmensführung, Recht und Volkswirtschaft – wer zum technischen Kaufmann oder zur technischen Kauffrau heranwächst, wird während zwei Jahren auf eine leitende Position in einem Unternehmen vorbereitet. Bossert: «Es war ziemlich streng.»

Voraussetzung ist, dass der Absolvent im Vornherein einen technisch-handwerklichen Beruf erlernt und darin auch Erfahrung gesammelt hat. Im Fall von Jonas Bossert war dies die Lehre zum Automechaniker mit Berufsmatura. Letztere habe ihm während der Weiterbildung vieles erleichtert, betont er. Auch der Sport, den er auf internationalem Niveau betrieb, war ihm eine Hilfe, wurde seine Belastbarkeit doch immer wieder auf die Probe gestellt. Bossert nämlich ist Ringer im griechisch-römischen Stil.

«Ich möchte für kein Geld zurück, das Leben ohne Spitzensport gefällt mir ebenso und ich muss nicht mehr auf so vieles verzichten.»

Jonas Bossert, Willisau

Sein grosses Ziel war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Sechs Jahre war er Teilzeitprofi, reduzierte sein Arbeitspensum in einem Grosswanger Pneuhaus, um für Trainings und Wettkämpfe genug Zeit zu haben. «Leider habe ich die Qualifikation für Rio aber nicht geschafft», merkt er an. Ein Kreuzbandriss warf ihn zurück, zudem fehlte ihm die letzte Überzeugung vom Sport auf internationalem Niveau. «Ich möchte für kein Geld zurück, das Leben ohne Spitzensport gefällt mir ebenso und ich muss nicht mehr auf so vieles verzichten», sagt er mit Blick auf die monatelangen Trainingslager im Ostblock.

Heute betreibt er Ringen noch auf nationalem Level, mit dem RC Willisau strebt der 1,79 Meter grosse und 78 Kilo schwere Athlet nach dem Schweizer Meistertitel. Priorität aber hat nun die Familie, mit Lebenspartnerin Sabine und dem 20 Monate alten Söhnchen Jan wohnt er in Willisau in einem Neubau. Nachwuchs Nummer zwei ist unterwegs, jeden Tag könne es soweit sein, erwähnt Bossert mit einem Lächeln.

«Wir kümmern uns um alles rund um die Kuh»

Nach der Beendigung seiner Spitzensportkarriere im Anschluss an Rio 2016 ist er ins Geschäft seines Vaters Hubert, die Bossert Hoftechnik AG, eingestiegen. «Wir installieren, reparieren und unterhalten Melkmaschinen, Milchkühlanlagen und Stalleinrichtungen, oder kurz: Wir kümmern uns um alles rund um die Kuh.» Dank der Weiterbildung zum Technischen Kaufmann fühlt er sich gerüstet, die Zukunft des Familienunternehmens mitzuprägen.

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