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Nach 44 Jahren als Lehrer in Littau: «Schule muss nicht immer Spass machen»

Etliche Lehrpersonen hatten am Freitag ihren letzten Schultag vor der Pension. Keiner von ihnen hat so viele Jahre «auf dem Buckel» wie Beat Krieger, der 44 Jahre in Littau unterrichtet hat. Das Lehrersein war für ihn nicht nur Job, sondern eine Lebenshaltung.
Larissa Haas
Beat Krieger hat 44 Jahre in Littau als Lehrer unterrichtet. In diesem Zimmer im Schulhaus hat er selber die 5. und 6. Klasse besucht. (Bild: Roger Grütter, Littau, 28. Juni 2018)

Beat Krieger hat 44 Jahre in Littau als Lehrer unterrichtet. In diesem Zimmer im Schulhaus hat er selber die 5. und 6. Klasse besucht. (Bild: Roger Grütter, Littau, 28. Juni 2018)

Ein Besuch im Schulzimmer von Beat Krieger ist auch ein Besuch in seinem Leben. Hier drückte Krieger einst selbst die Schulbank, heute nennt er es «Heimat». Er sitzt am Lehrerpult und blättert durch zwei Ordner, in denen er seine Klassenfotos chronologisch sortiert hat. Daneben liegt eine Mappe mit Zeitungsartikeln und Notizen aus seiner Lehrertätigkeit. Aber Kriegers Leben gehört in mehr als zwei Ordner und ein Mäppchen, merkt man, wenn man bei ihm Platz nimmt: Der 64-Jährige ist in Littau aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Nach fünfjähriger Ausbildung am Lehrerseminar in Hitzkirch wurde er dann in Littau Primarlehrer – bis am vergangenen Freitag, als er das Schulhaus Dorf zum letzten Mal als Lehrer betrat. Und wie fühlt es sich an, der Gedanke an die Pensionierung? «Für mich ist es emotional sehr schwierig», sagt Krieger. «Weil ich mit Herz und Seele Lehrer bin.»

Gemeinderat, Sektionschef, FC-Präsident

Wer Beat Krieger kennt, der weiss, diese Worte sind nicht Heuchelei, sondern die Leidenschaft eines Menschen, für den das Lehrersein keinen Job, sondern Berufung ist: «Ich wollte immer mitgestalten und mitreden», sagt er. Dies zeigt auch sein Lebenslauf, der sich liest, als ob seine Tage länger wären als 24 Stunden: Von 1987 bis 2004 war er Gemeinderat von Littau, gleichzeitig militärischer Sektionschef, er war bei der Feuerwehr, Jubiläumspräsident im Abendzirkel und nun seit 12 Jahren Präsident des FC Littaus.

Dann hat er auch die Musikschule begleitet, er hat Littaus Weihnachtsbeleuchtung initiiert und war Chef des Krisenstabs beim Jahrhunderthochwasser 2005. «Man sagt, ich sei ein Macher», sagt er – dafür ist er weit über die Dorfgrenzen bekannt.

Er will, dass die Jungen etwas leisten

Krieger sagt, er sei ein fordernder Lehrer. Er möchte, dass seine «Jungen» etwas leisten. Sie sollen lernen, vernetzt zu denken, nicht aber mit Theorie, sondern mit Geschichten und Exkursionen. Wenn er hört, Schule mache keinen Spass, antwortet er: «Schule muss nicht immer Spass machen. Sie soll aufs Leben vorbereiten!»

Krieger ist authentisch. Er ist temperamentvoll. Und deswegen auch mal laut. Früher hatte er an die Wandtafel geklopft, wenn die Klasse nicht parierte. Einmal schlug er aber so fest darauf ein, dass es ein Loch gab. Fortan klopfte er deshalb nur noch auf sein Lehrerpult, wenn ihm etwas nicht passte. Das Etikett «der Lehrer, der einmal eine Wandtafel eingeschlagen hat» ist er aber bis heute nicht losgeworden.

Krieger spricht über die Zeit im Lehrerseminar und über seine damaligen Dozenten, die ihn gelehrt hatten, nicht «nur» Lehrer zu sein, sondern sich zu engagieren. Einer von ihnen war Joseph Röösli. Er hatte Krieger damals eine Blockflöte geschenkt und ihm die Liebe zur Musik mit auf den Weg gegeben. Bis zuletzt stimmte er mit derselben Flöte mit der Klasse Lieder an. Manchmal zückte er seine Gitarre oder sang inbrünstig drauflos, etwa als Dirigent des Weihnachtschors oder während der Fasnacht in seiner Lieblingsbeiz, dem Ochsen.

Kritik an den vielen Sitzungen

Rückwärts blickend, vorwärts schauen» – mit diesem Leitspruch hat Krieger stets unterrichtet. Blickt er zurück, wird er nostalgisch: Er denkt an die Zeit als Feuerwehrmann, als er bei Feueralarm plötzlich aus dem Schulzimmer rannte und eingeräuchert wieder zurückkam. Schaut er vorwärts, hat er kein Problem, Kritik zu üben. Etwa an den vielen Sitzungen, die heute alltäglich sind. «Teamarbeit war nicht immer meins, weil ich mich gut selbst organisieren konnte», sagt er.

Doch nicht nur das Schulsystem, auch die Schüler seien schwieriger geworden: «Es ist absurd, wie viele Schüler meinen, sie werden gemobbt.» Auch ärgert er sich, wenn er etwas «lang und breit» erkläre, zwei Tage später aber alles wieder vergessen sei. Das muss doch extrem ernüchternd sein! «Ja, das ist es. Ich habe mich deswegen schon oft hinterfragt.»

Vielleicht ist gerade das einer der Gründe, weshalb er sich manchmal gewünscht hatte, die Weichen seines Lebens neu gestellt zu haben. Nach dem 50. Geburtstag etwa wäre er bereit für eine Veränderung gewesen: Er trat aus dem Gemeinderat und der Feuerwehr aus und absolvierte die Schulleiterausbildung – dennoch blieb er seiner Berufung treu. Nicht aber aus Bequemlichkeit, sondern aus Ehrgeiz, in «seiner» Schule etwas zu bewirken.

Mehr Zeit für Kreuzfahrten

Rund 600 Kinder hat Beat Krieger in all den Jahren begleitet. Nun wird er sein Schulzimmer räumen, das letzte Stück Schokolade aus dem Lehrerpult naschen und das «Motz- und Kummerheft» seiner Schüler einpacken. Was danach kommt, weiss er nicht. Soviel steht fest: Er hat mehr Zeit für sein Hobby, dem «Kreuzfahren». Krieger geht zur Weltkarte und fährt mit dem Finger die Route nach. «Das Schiff muss von hier nach hier», erklärt er: Hamburg, Kopenhagen, Ärmelkanal, La Coruña, Genua.

Etwas wird diesmal aber anders sein: Er wird nicht in den Schulferien an Bord gehen, sondern im September, dann, wenn seine Schüler ohne ihn Dezimalzahlen und Brüche lernen.

Stadt Luzern verabschiedet 32 Lehrpersonen

Aschwanden Furrer Hannelore (Geissenstein, 21 Jahre); Baumgartner Paul (Hubelmatt, 41 Jahre), Egli Boog Ruth (Maihof, 21 Jahre), Felder Marcel (Mariahilf, 41 Jahre), Gut Köpfli Ursula (Maihof, 42 Jahre), Habermacher Schlanstein Clara (Fluhmühle, 6 Jahre), Imfeld Roberto (Musikschule, 26 Jahre), Ineichen Dietrich (Hubelmatt, 35 Jahre), Jaeggi-Heiniger Yvonne (Fluhmühle, 17 Jahre), Kaufmann Pia (Hubelmatt, 10 Jahre), Kaufmann Ellen (Maihof, 29 Jahre), Kaufmann Megumi (Musikschule, 36 Jahre), Kaulitz-Frei Andrea (Littau Dorf, 26 Jahre), Kipfer Christian (Felsberg, 11 Jahre), Klaus Peter (Utenberg, 28 Jahre), Kneubühler-Rimer Renée (Säli, 17 Jahre), Krell Salzmann Brigitte (Wartegg, 20 Jahre), Krieger Beat (Littau Dorf, 44 Jahre), Kupper Lilian (Moosmatt, 27 Jahre), Mettler Bernhard (Musikschule, 30 Jahre), Mezzadri-Furrer Monika (Würzenbach, 4 Jahre), Müller-Amberg Clara (Fluhmühle, 13 Jahre), Pigoni Ruth (Wartegg, 14 Jahre), Reutimann Martin Margrit (Littau Dorf, 28 Jahre), Sager Regula (St. Karli, 3 Jahre), Schelbert Luzia (Fluhmühle, 27 Jahre), Schlüssel Michèle (Hubelmatt, 28 Jahre), Schüepp Markus (Säli, 40 Jahre), Süess Petra (Grenzhof, 23 Jahre), Vogt Therese (Moosmatt, 18 Jahre), von Gierke Karin (Musikschule, 37 Jahre), von Moos Corina (Rönnimoos, 18 Jahre). (red)

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