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Nach anonymer Drohung: Wikons Gemeindepräsident tritt zurück

Der Druck ist ihm zu viel geworden: René Wiederkehr tritt per Mai als Gemeindepräsident von Wikon zurück. Trotz seiner Demission muss sich die Exekutive aber mit weiteren Baustellen befassen.
Evelyne Fischer und Ernesto Piazza

«Aufgrund einer anonymen Drohung, die an meine Person gerichtet wurde, lege ich mein Amt nieder und trete aus der Wikoner Exekutive per 1. Mai 2019 aus.» In einem Rücktrittsschreiben hat René Wiederkehr (47, parteilos) am Freitag publik gemacht, dass er die Reissleine zieht.

René Wiederkehr.

René Wiederkehr.

Die Arbeit als Gemeindepräsident gefalle ihm, aber er sei aktuell einer grossen Belastung ausgesetzt. Statt sich wichtigen Geschäften wie etwa der Organisation auf der Verwaltung oder der Zonenplanrevison widmen zu können, müsse «viel Aufwand für die Kommunikation mit Anwälten und Staatsanwaltschaften investiert werden», heisst es im Schreiben, welches das Zofinger Tagblatt auf seiner Website veröffentlicht hat. «Zusätzlich muss ich mich gegen rufschädigende Angriffe einzelner Gruppierungen zur Wehr setzen.»

Wiederkehr war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, das offizielle Demissionsschreiben wurde am Freitagabend auf der Gemeindewebsite aufgeschaltet.

Wiederkehr ist 2015 in stiller Wahl in die Exekutive gewählt worden und hat per Juni das Ressort Finanzen übernommen. 2016 obsiegt er bei den Gesamterneuerungwahlen beim internen Gerangel ums Präsidium und löst Hans Golling per September an der Spitze ab. Dieser demissioniert nach der Wahlniederlage.

Ereignisse haben Spuren hinterlassen

Wiederkehrs jetzige Reaktion entspricht einer 180-Grad-Wende. Einen Rücktritt als Präsident? Dies konnte er sich letzte Woche noch unter keinen Umständen vorstellen. Damals hatten SVP und SP seinen Abgang verlangt. Wiederkehrs Reflex: «Zu einer Demission lasse ich mich nicht drängen.» Parteipolitisch hat er mittlerweile keinen Rückhalt mehr: Er gehört seit kurzem nicht mehr der örtlichen FDP an. Wiederkehr plante, für die Freisinnigen als Kantonsrat zu kandidieren. Die Wahlkreispartei Willisau legte ihm einen Verzicht nahe.

An der Reputation des Gemeindepräsidenten gekratzt haben wohl auch die Ereignisse vergangener Monate: Im letzten Jahr ist es zu Morddrohungen gegen Angestellte der Verwaltung gekommen. Im Sommer hat der Gemeinderat Finanzverwalter Wolfgang Kunzelmann (SVP) die Dossiers entzogen. Anfang November wird klar: Das Vorgehen ist nicht rechtens, das Justizdepartement stellt grobe Verfahrensfehler fest. Das letzte Wort im Kapitel Kunzelmann steht noch aus: Unter anderem gegen Gemeindepräsident Wiederkehr und die drei übrigen Gemeinderäte hat der Finanzverwalter ein Strafverfahren wegen Amtsmissbrauch, Ehrverletzung, Urkundenfälschung und Amtsgeheimnisverletzung eröffnet.

Einige Novembertage später. Wieder schreibt Wikon negative Schlagzeilen: Schulverwalter Markus Dietrich gibt aus beruflichen Gründen seine Demission per Ende März bekannt, Gemeindeschreiberin Janine Bron kündigt per Ende Februar. Ihr letzter Arbeitstag liegt Wochen zurück.

Am Dienstag wird weiteres Vorgehen besprochen

Ratsvizepräsidentin Michaela Tschuor (CVP) sagte am Freitag zum Rücktritt von Wiederkehr:

«Der Entscheid überrascht mich nicht.»

Sie seien im Gemeinderat regelmässig im Austausch gewesen. Tschuor kann das Verdikt «nachvollziehen». Aufgrund der vorliegenden Situation findet sie den Entscheid auch «richtig». Am Dienstag findet in Wikon die nächste Gemeinderatssitzung statt. «Dann werden wir sicherlich besprechen, wie es weiter geht», so Michaela Tschuor.

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