Mit Spendern aus Genf bis Vaduz: Lärmschutzbeschwerde zur Luzernerstrasse in Kriens wird ans Bundesgericht weitergezogen

Innert einer Woche hat Dominik Hertach 29'000 Franken gesammelt, um den Lärmschutz an der Luzernerstrasse in Kriens vor Bundesgericht zu bringen. Als Grund für die vielen Spenden sieht Hertach die schweizweite Verbreitung von «Papiersanierungen» – und die Hoffnung auf einen Präzedenzfall.

Philipp Wolf
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Stein des Anstosses ist die Luzernerstrasse in Kriens.

Stein des Anstosses ist die Luzernerstrasse in Kriens.

Bild: PD

Plötzlich musste es schnell gehen für Dominik Hertach. Mitte Oktober wäre die Frist für das Einreichen seiner Beschwerde beim Bundesgericht abgelaufen. Und um genügend Zeit zu haben für die Formalitäten und das Verfassen der Beschwerde, musste er das Geld für den Gang vors höchste Gericht schon ein paar Wochen früher zusammenhaben. Deshalb startete Hertach vor rund einer Woche ein Crowdfunding, um die auf 29'000 Franken geschätzten Verfahrenskosten zu sammeln.

Und siehe da, innert Wochenfrist hat der Anwohner der Luzernerstrasse in Kriens und Geschäftsführer des VCS Luzern die nötige Summe zusammenbekommen. Nun muss das Bundesgericht entscheiden, ob der Kanton an der Luzernerstrasse in Kriens seine Pflicht zur Lärmreduktion erfüllt oder nicht. Zum Crowdfunding sagt Hertach:

«Spenden kamen von Privatpersonen aus Genf bis Vaduz.»

Die meisten Spenderinnen und Spender kamen aber aus Kriens und Umgebung – auch einige Hauseigentümer an der Luzernerstrasse beteiligten sich am Crowdfunding, sagt Hertach. Derweil kommen etwas mehr als ein Drittel der 29'000 Franken von nur zwei Geldgebern. Eine Privatperson und der VCS Luzern spendeten je 5000 Franken. Hertach, Geschäftsführer eben dieses VCS, sagt:

«Der Vorstand des VCS Luzern hat den Beitrag eigenständig beschlossen.»

Dass sich der VCS Luzern für den Lärmschutz vor der eigenen Haustüre interessiert, liegt nahe. Doch was motiviert Genfer oder Vaduzer dazu, für den Lärmschutz einer Strasse einzustehen, die sie wohl nie bewohnen werden?

Das Problem der «Papiersanierungen» bestünde schweizweit, sagt Hertach. Über 60 Personen und Organisationen hätten gespendet, um dem ein Ende zu setzen. «Papiersanierungen» damit meint er Folgendes:

«Sanierungen, die den Lärm nicht senken, obwohl es Möglichkeiten dazu gäbe.»

Bei der Luzernerstrasse wurde im Jahr 2000 ein Erleichterungsentscheidverfügt. Der Blick auf die Daten zeigt, dass vor und nach der «Lärmsanierung» im Jahr 2003 mit 950 Personen genau gleich viele Menschen von Lärm über den zulässigen Grenzwerten betroffen waren. Hertach bezeichnet die Praxis darum als «Papiersanierung» und strengte deswegen eine Beschwerde an.

Diese wurde vom Kantonsgericht abgelehnt. Geht es nach Hertach und seinen Spendern, soll das Bundesgericht diesen Entscheid nun kippen – und ein nationales Präjudiz schaffen, das auch den Lärmschutz in anderen Landesteilen beeinflussen würde.

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