Nach dem Entscheid der Regierung zur Surseer Ortsplanungsrevision: «Damit sind wir zurück auf Feld eins»

Sechs Beschwerden gegen die Surseer Ortsplanungsrevision wurden gutgeheissen. Jetzt nimmt die Investorenseite Stellung dazu.

Interview: Ernesto Piazza
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Das Industriegebiet Münchrüti-Chlifeld in Sursee.

Das Industriegebiet Münchrüti-Chlifeld in Sursee.

Bild: Philpp Schmidli (Sursee, 21. März 2019)

Der Regierungsrat hat sechs Beschwerden gegen die Surseer Ortsplanungsrevision gutgeheissen. Darunter war auch diejenige der ALB Real Estate AG in Inwil. Sie hatte im Gebiet Münchrüti-Chlifeld auf einer Fläche von knapp 33 000 Quadratmetern rund 450 Wohnungen und Dienstleistungsangebote vorgesehen. Der Entscheid bedeutet ebenfalls, dass der Regierungsrat das an der Gemeindeversammlung getroffene Verdikt umgestossen hat (Ausgabe vom Donnerstag).

Bernhard Häni, Sie vertreten zusammen mit Alois Egger die ALB, die beim Projekt im Gebiet Münchrüti-Chlifeld als Investor auftritt. Wie froh sind Sie über den Entscheid des Regierungsrats?

Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber wir sind froh, dass die Luzerner Regierung so entschieden hat. Denn der Surseer Souverän befand an der Gemeindeversammlung zur Ortsplanungsrevision über etwas, zu dem er gar nicht ermächtigt gewesen wäre.

Wie meinen Sie das?

Der Entscheid an der Gemeindeversammlung kam einer faktischen Enteignung gleich. Das wiederum hätte für die Investoren einen Wertverlust mit sich gezogen. Trotzdem: Das vorgesehene Projekt mit einem geplanten Wohnanteil von 80 Prozent – neben einem Dienstleistungsangebot – kann so nicht mehr realisiert werden.

Was bedeutet das für die ALB Real Estate AG?

Mit diesem Entscheid sind wir wieder zurück auf Feld eins. Statt in der angestrebten Mischzone befindet sich das Areal weiter in der Arbeitszone mit einem Wohnanteil von 20 Prozent.

Wie geht es aus Investorensicht jetzt weiter?

Wir werden jetzt die 20-tägige Frist abwarten. Innerhalb dieser kann beim Kantonsgericht gegen dieses Urteil noch Verwaltungsbeschwerde erhoben werden.

Und dann?

Dann wird es sicherlich auch zu einem Treffen mit den jetzigen Eigentümern des Gebiets kommen, wo die Überbauung Münchrüti-Chlifeld geplant war. So sind beispielsweise mit der Mauchli AG, der Witschi AG sowie der der Tiefbau AG bereits Kaufrechtsverträge abgeschlossen worden.

Wird das Gespräch mit dem Surseer Stadtrat ebenfalls gesucht?

Das kann ich mir vorstellen. Wann das sein wird, ist offen. Im Stadtrat wird es im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen vom kommenden Frühling sowieso Änderungen geben. So bekommt Sursee einen neuen Stadtpräsidenten und ebenfalls einen neuen Bauvorsteher.

Apropos Bauvorsteher: Der jetzige Ressortleiter Bruno Bucher spricht davon, dass es beim Projekt zu zeitlichen Verzögerungen von zwei bis drei Jahren kommen dürfte. Dies, weil die Stadt für die besagten Gebiete eine neue Teilzonenrevision vornehmen muss. Ist das für die ALB Real Estate AG ein Problem?

Wir können und müssen damit leben. In einem Projekt ist es immer wieder möglich, dass die Strategie überdacht wird. Wir sind aber der Ansicht, dass mit künftigen Teilzonenrevisionen das Fuder – im Gegensatz zu den Geschäften bei der besagten Gemeindeversammlung – nicht mehr überladen sein wird.

Könnte es sein, dass das Projekt abgespeckt wird?

Gegenüber neuen Situationen geben wir uns offen. Wir sind allerdings der Meinung, dass ein solches Projekt in Bahnhofsnähe für die Stadt Sursee Sinn macht.

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