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Nach dem Brand in Paris: So werden die Luzerner Hofkirche und die Peterskapelle geschützt

Denkmalgeschützte Kirchen sind auch in Luzern nicht vor Bränden gefeit. Vor knapp 400 Jahren brannte die Hofkirche fast bis auf die Grundmauern nieder. Heute sollen Brandmeldeanlagen und regelmässige Übungen vor einer Katastrophe schützen.
Hugo Bischof
Die ist eines der Wahrzeichen der Stadt Luzern: Die Hofkirche, links im Bild. (Bild: Boris Bürgisser, 27. März 2019)

Die ist eines der Wahrzeichen der Stadt Luzern: Die Hofkirche, links im Bild. (Bild: Boris Bürgisser, 27. März 2019)

Ein Brand wie in der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist überall denkbar, auch in Luzern. Wie beugt man hier dagegen vor? Wir sprachen mit Stefan Meyer, Leiter Fachbereich Bau und Infrastruktur bei der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Meyer betont:

«Die älteren denkmalgeschützten Kirchen in der Stadt Luzern sind voll ausgestattet mit Brandmeldeanlagen, die scharf geschaltet sind zur Feuerwehr.»

Die Brandmelder seien jeweils über die ganze Kirche verteilt und an den Decken montiert, vor allem in den besonders gefährdeten Dachstöcken. Umfassend geschützt ist die Hofkirche. Sie wurde von 1633 bis 1639 erbaut, teilweise auf den Fundamenten der vorherigen romanischen Basilika. Die Hofkirche ist eine der grössten und kunsthistorisch wertvollsten Kirchen der deutschen Spätrenaissance. Ein Verlust wäre eine Katastrophe ähnlich jener in Paris. Entsprechend zahlreich sind hier die Brandmelder. Es gibt solche unter anderem in der Sakristei, in der Schatzkammer und auf der Orgelempore. Bei Rauchentwicklung werden die Brandmelder aktiviert. Via zentrale Anlage geht der Alarm direkt zur Feuerwehr. «Bei einem Brandalarm in der Hofkirche ist klar, dass dann die Feuerwehr sofort mit einem Grossaufgebot ausrückt», sagt Meyer.

Was, wenn es sich als Fehlalarm erweist? «Theoretisch haben wir fünf Minuten Zeit, um den Alarm zu verifizieren», so Meyer. In der Praxis ist dies kaum praktikabel. Die Kosten für das Ausrücken der Feuerwehr bei einem Fehlalarm müsste die Katholische Kirche tragen. Fehlalarme seien aber äusserst selten. Meyer: «In den letzten fünf Jahren gab es in der Hofkirche keinen einzigen.» Die Brandmeldeanlagen würden regelmässig auf ihre Tauglichkeit geprüft.

Feuerwehr probt den Ernstfall

Periodisch probt die Stadtluzerner Feuerwehr in der Hofkirche den Ernstfall. Letztmals war dies im März 2017 der Fall. Damals ging es vor allem um den Kulturgüterschutz und die Bergung von Menschen. Rund 100 Feuerwehrleute waren beteiligt. Sie mussten sich unter erschwerten Bedingungen im komplexen Gebäude der Hofkirche mit seinen vielen Holzböden und -stiegen zurechtfinden. So übte man, bei Rauch kostbare Gegenstände aus dem Kirchenschatz zu bergen.

Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame könnte einen Zusammenhang mit laufenden Renovationsarbeiten haben. In Luzern wurde kürzlich die Peterskapelle, die älteste Kirche der Stadt, renoviert. Sie war während mehreren Monaten eingerüstet. Zu Zwischenfällen kam es dabei nicht. Stefan Meyer sagt:

«Eine Baustelle ist immer kritisch, da hier oft mit brandgefährdeten Materialien gearbeitet werden muss.»

Dazu komme, dass während Renovationsarbeiten die Brandmelder oft verpackt und deaktiviert werden müssen: «Sonst könnten schon das mit grosser Staubentwicklung verbundene Schleifen von Sandstein oder die Holzbearbeitung einen Alarm auslösen.» Bei grösseren Sanierungsarbeiten wie sie in Paris in Gang waren, brauche es deswegen zusätzliche Massnahmen für eine partielle Brandüberwachung. Denkbar seien zum Beispiel die Überwachung und Kontrolle der Baustelle durch Personen oder eine Teilüberwachung mit extern geschalteten Brandmeldern.

In der Peterskapelle gab es vor der kürzlichen Gesamterneuerung gemäss Stefan Meyer keine richtige Brandmeldeanlage: «Wir haben jetzt im Rahmen der Renovation eine topmoderne Anlage eingebaut.»

Grossbrand wegen Dohlen-Abschuss

Die Hofkirche Luzern fiel vor beinahe 400 Jahren einem Grossbrand weitgehend zum Opfer. Nur die beiden romanischen Türme, die das Bild der Kirche bis heute prägen, blieben stehen. Auch hier ging der Brand vom Dachstock aus. Am Abend des Ostersonntags, am 27. März 1633, erhielt ein Dachdecker von einem Chorherrn den Auftrag, Dohlen abzuschiessen, die sich auf den Chortürmen eingenistet hatten. Dabei entzündete er mit seinen Schüssen das dürre Holz der Kirche und setzte sie so in Brand. Wichtige Reliquien, etwa der Kirchenschatz, das Relief vom Maria-End-Altar und die Pietà, die heute im Seelaltar zu sehen ist, konnten gerettet werden. Die Hofkirche wurde auf den Grundmauern der zerstörten Kirche neu aufgebaut. An Ostern 1638 fand darin der erste Gottesdienst statt.

Blick in die renovierte Peterskapelle Luzern beim Kapellplatz. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Blick in die renovierte Peterskapelle Luzern beim Kapellplatz. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Die neuen Kirchbänke sind falt- und stapelbar und somit mobil. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Die neuen Kirchbänke sind falt- und stapelbar und somit mobil. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Die Kirche soll wieder mehr Besucher anlocken. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Die Kirche soll wieder mehr Besucher anlocken. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Im Innern wurden mehrere Holzeinbauten installiert, so auch dieses Büro mit Fenster. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Im Innern wurden mehrere Holzeinbauten installiert, so auch dieses Büro mit Fenster. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Hansruedi Kleiber, leitender Priester Peterskapelle, in der renovierten Peterskapelle. Er trägt ein Bild von der Kirche vor ihrer Sanierung. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Hansruedi Kleiber, leitender Priester Peterskapelle, in der renovierten Peterskapelle. Er trägt ein Bild von der Kirche vor ihrer Sanierung. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Auch der Altar wurde neu gestaltet. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Auch der Altar wurde neu gestaltet. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
So sah die Peterskapelle vor ihrer Sanierung aus. (Bild: PD)So sah die Peterskapelle vor ihrer Sanierung aus. (Bild: PD)
Verstaubt: Die Peterskapelle geriet in den vergangenen zunehmend in Vergessenheit. (Bild: PD) Verstaubt: Die Peterskapelle geriet in den vergangenen zunehmend in Vergessenheit. (Bild: PD)
Bei den Renovationsarbeiten wurde dieses Wandbild entdeckt. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Bei den Renovationsarbeiten wurde dieses Wandbild entdeckt. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Auch über im Dachgebälke musste die Kirche saniert werden. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Auch über im Dachgebälke musste die Kirche saniert werden. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Einblick in das Obergeschoss der Sakristei. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Einblick in das Obergeschoss der Sakristei. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Auch dieser Besprechungsraum ist neu. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Auch dieser Besprechungsraum ist neu. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Neuer Ambo, neuer Altar. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Neuer Ambo, neuer Altar. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Alte Elemente erhalten in der Kirche neue Plätze. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Alte Elemente erhalten in der Kirche neue Plätze. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
Der Taufstein wurde an zentraler Stell in der Kirche platziert. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)Der Taufstein wurde an zentraler Stell in der Kirche platziert. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)
15 Bilder

Impressionen aus der neuen Peterskapelle

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