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Luzerner EWL-Areal: Ein neues Stück Stadt mit einem heimlichen Star

Das Siegerprojekt des EWL-Areals steht fest: «Rotpol» von den Baufirmen Halter/Eberli. Es bringt laut Jury nicht nur die Bedürfnisse von EWL, Feuerwehr und anderen Nutzern am besten unter einen Hut, sondern überrascht auch mit den Aussenräumen.
Roman Hodel
So soll das EWL-Areal künftig aussehen, in der Mitte der Quartierplatz mit dem Roten Haus im Hintergrund, rechts Wohnbauten der ABL. (Visualisierungen: PD)

So soll das EWL-Areal künftig aussehen, in der Mitte der Quartierplatz mit dem Roten Haus im Hintergrund, rechts Wohnbauten der ABL. (Visualisierungen: PD)

Der heimliche Star des künftigen Luzerner EWL-Areals steht in der Mitte des dreieckigen, etwas über 20'000 Quadratmeter grossen Grundstücks und ist ein alt bekannter: Das Rote Haus:

Einst zur Gasproduktion gebaut und längst zum Lagergebäude degradiert, wird es in ein paar Jahren das Herz eines neuen Stücks Stadt bilden, umgeben von einem öffentlichen Quartierplatz. So jedenfalls sieht es das Siegerprojekt «Rotpol» vor, das die EWL Areal AG am Dienstag den Medien präsentiert hat. Entwickelt wurde dieses von den beiden Baufirmen Halter/Eberli. Das Gespann ist in Luzern bestens bekannt – etwa durch die Swisspor- oder die geplante Pilatusarena.

Rund um den Quartierplatz und das Rote Haus, wo Kultur und Kulinarik Einzug halten sollen, setzt das Siegerprojekt drei grosse Gebäude:

  • Wohnhof/Sicherheitszentrum anstelle des heutigen EWL-Hauptsitzes. Hier finden zwischen dem 1. Untergeschoss und 2. Obergeschoss Platz: Feuerwehr Stadt Luzern, Rettungsdienste, Zivilschutzorganisation Pilatus, integrierte Leitstelle der Luzerner Polizei und des Sanitätnotrufs 144 sowie die Leitstelle der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL). In den bis zu 29 Meter hohen Aufbauten sind 72 Wohnungen der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABL) mit 2,5 bis 5,5 Zimmer sowie 81 Zimmer des Pflegezentrums der Viva Luzern AG untergebracht.
  • Sheddachgebäude im Südwesten des Areals. Das gezackte Dach des vierstöckigen Gebäudes erinnert an eine Fabrikhalle und damit an die industrielle Vergangenheit des Areals. Hier werden die ganze EWL-Logistik und mehrere städtische Dienststellen wie beispielsweise das Tiefbauamt oder das Geoinformationszentrum Platz finden.
  • Bürogebäude im Südosten des Areals. Auf sechs Etagen ziehen hier der neue EWL-Hauptsitz und Arcade Solutions AG ein.

Die drei Gebäude wurden von den Architekturbüros E2A (Zürich) und Masswerk (Luzern) entworfen. Sie unterscheiden sich in der Form, Silhouette und Materialisierung zwar – trotzdem sieht man, dass sie zusammengehören. Etwa dadurch, dass bei allen die Tragstrukturen sichtbar sind. Mike Guyer, Jurypräsident des Beratungsgremiums, sagte:

«Diese gute Balance zwischen Differenziertheit und doch zur Familie gehörend, gab mit den Ausschlag für das Siegerprojekt.»

Zudem habe Halter/Eberli das Rote Haus mit dem Platz gebührend inszeniert – und bei den Kosten nicht überbordet. Denn anders als bei einem Architekturwettbewerb ging es bei dieser Gesamtleistungsstudie auch ums Finanzielle. In das Grossprojekt wird die EWL Areal AG, welche EWL, der Stadt und der ABL gehört, rund 200 Millionen Franken investieren. Hier das Modell (vorne die geplante Überbauung der Kooperation Industriestrasse, dahinter das EWL-Areal):

Hervorgehoben hat Guyer, der als Architekt in Zürich tätig ist, weiter die Aussenräume des Siegerprojekts. Sie stammen von Raymond Vogel Landschaften AG (Zürich). Neben dem Quartierplatz ist dies einerseits die Industriestrasse. Hier wird der parallel dazu verlaufende Allmendlibach geöffnet und das Ufer bepflanzt:

Andererseits erhält der Wohnkomplex über der Feuerwehrhalle einen abgestuften, begrünten Innenhof für die Bewohner. Apropos Wohnkomplex. Das Wort «komplex» war am Dienstag mehrfach zu hören. Es bezog sich vor allem auf die Schwierigkeit, die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Nutzer unter einen Hut zu bringen. «Es ist wohl einmalig in Luzern, dass so viele Partner zusammen etwas realisieren», sagte Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) und sprach von «klugen Lösungen». Dazu zählt nicht zuletzt der ökologische Aspekt: So will man das 2000-Watt-Areal-Zertifikat anstreben und den Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken mit Fokus auf die Seewassernutzung. Borgula: «Die öffentliche Hand hat hier eine Vorbildfunktion und diese wollen wir wahrnehmen.»

Das ist im Sinne der ABL, die laut ihrem Leitbild die Zukunft «nachhaltig» gestaltet. «Wohnraum schaffen auf einem solch gemischt genutzten Areal ist anspruchsvoll, doch uns haben die Architektur und die Aussenräume überzeugt», sagte ABL-Präsidentin Marlise Egger Andermatt. Für Angaben zu Mietzinsen sei es noch zu früh. Nur soviel: «Sie werden im Neubausegment von Genossenschaften sein.»

Für die Gesamtleistungsstudie hatten sich ursprünglich 14 Teams beworben, in der Endausmarchung waren es noch zwei. Pflicht war die Erhaltung des Roten Hauses. Es ist im Inventar schützenswerter Bauten eingetragen. Dessen gebäudehohen Fenster kommen laut Stephan Marty, Vorsitzender der EWL-Geschäftsleitung, nicht von ungefähr: «Wenn es beim Gas produzieren eine Explosion gegeben hätte, wären zwar alle Scheiben rausgeflogen, aber das Haus stünde noch.»

Hinweis: Die sechs ein­gereichten Projektvorschläge sind vom Mittwoch, 3., bis Samstag, 13. Juli, bei EWL an der Industriestrasse 6 in Luzern ausgestellt. Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich. Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr (am Mittwoch, 3. Juli endet die Besuchszeit bereits um 16 Uhr) Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 19 Uhr Samstag von 9 bis 12 Uhr.

Das EWL-Areal aus der Vogelschau. (Bild: PD)

Das EWL-Areal aus der Vogelschau. (Bild: PD)

So geht es weiter:

Um das Bauvolumen zu realisieren, muss etwa die Ausnützungsziffer erhöht werden. Dies geschieht im Rahmen der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung. Gleichzeitig benötigt die EWL Areal AG «innert nützlicher Frist» die Absichtserklärung von allen Partnern. Gemeint sind etwa die Luzerner Polizei oder auch VBL, die erst seit Kurzem wissen, was kostenmässig auf sie zukäme. Als nächste Schritte folgen Gestaltungsplan, Vor- und Bauprojekt. Im Jahr 2021 soll das Stimmvolk über die städtische Finanzierung des Projekts befinden. Sofern die Baubewilligung im selben Jahr vorliegt, würde 2022 der Bau der ersten Etappe (Shed- und Bürogebäude) starten, 2024 die zweite (Wohnhof). Der Betrieb der vorhandenen Nutzungen auf dem Areal wird während der gesamten Bauphase ohne Provisorien gewährleistet. Die neuen Mieter können voraussichtlich 2026 ihre Räumlichkeiten beziehen. (hor)

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