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Luzerner Maskenbrüder feiern 200-Jahr-Jubiläum

Nach dem Regierungsputsch kam es zum Gründungsakt: Die Maskenliebhaber-Gesellschaft Stadt Luzern hat eine spannende Vergangenheit. Mitgliederschwund kennt der Männerclub nicht – Freude und Engagement haben all die Zeit überlebt.
Sandra Monika Ziegler

Zünfte und Gesellschaften haben in der Stadt Luzern eine lange Tradition. Die Zunft zu Safran ist die älteste Zunft, sie wurde im Mittelalter als Gewerbeverband gegründet. Und die Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern, kurz MLG, ist die bekannteste Gesellschaft. Sie feiert dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Ihr Credo lautet: Freundschaft und Frohmut – Freiheit und Fortschritt.

In der ersten Gedenkschrift der Gesellschaft wird der Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag 1814 besonders hervorgestrichen. Denn an jenem 16. Februar knallte es gewaltig in der Stadt. Die sogenannte Bauernregierung wurde abgesetzt und eingesperrt. Aus Angst vor einem Einmarsch auswärtiger Bauern, die die Regierung befreien wollten, wurde die Stadt über Wochen hermetisch abgeschlossen und scharf bewacht. In dieser Zeit kamen in der städtischen Wachtstube fünf gleichgesinnte Männer zusammen, unter ihnen der frühere Stadtweibel Ueberrüter Gilly, «ein sehr grosser Maskenfreund», wie es in einer Chronik heisst. So sahen das Wachtlokal «Oberes Thor» und der «Kesselturm» aus:

(Bilder: Archiv MLG)

(Bilder: Archiv MLG)

Die fünf Männer heckten einen Plan aus, wonach zur Erinnerung an den Putsch künftig jährlich ein rauschendes Fest veranstaltet werden soll.

Am 1. Februar 1815, wiederum an einem Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag, war es soweit: Der erste Maskenball fand statt – im Gasthof Zum Weissen Rössli, Ecke Mühlenplatz–Rössligasse. Am 31. Oktober 1819 dann wurde die Maskenliebhaber-Gesellschaft gegründet. Es sollte ein fröhlicher Verein von guten Freunden sein, mit nicht mehr als 30 Mitgliedern. Untereinander nannten sie sich Maskenbrüder. Ihr Maskenball, hier ein Plakat aus dem Jahr 1863, wurde zur festen Institution.

Querelen zwischen den Beizern führten nach fünf Bällen allerdings zu einem Lokalwechsel. Fortan wurde in der «Krone» getanzt, später ging es wieder zurück ins «Rössli», und 1883 wurde der Ball aus Platzgründen ins «Union» verlegt. Dies generierte nicht nur mehr Tanzfreudige, sondern auch mehr Einnahmen, wie in Protokollen nachzulesen ist. Im Jahr 1903 konnte «mit 2129 Franken die bislang höchste Netto-Einnahme aller Bälle verzeichnet werden». Ein Jahr später wurde der Maskenball in Maskenliebhaber-Ball umbenannt. Fortan fand er nicht mehr wie bisher am Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag, sondern 14 Tage vor dem Aschermittwoch statt.

Mit der Statutenrevision von 2016 erhöhte die MLG die Mitgliederzahl auf 55. Heute sind rund 50 Männer aktiv und 63 als Ehrenmitglieder dabei. Möglichst alle Berufsgruppen sollen vertreten sein – für eine «ausgewogene Meinungsvielfalt innerhalb der Bruderschaft». Der Bruderschaft stehen ein siebenköpfiger Vorstand und ein Präsident vor. Aktuell ist es Mike Oswald:

Er vertritt die MLG an offiziellen Anlässen. Der Präsident trägt dazu einen dunklen Anzug und seit 1933 die Präsidentenkette. Diese stiftete der damals nach 20-jähriger Präsidialzeit zurücktretende Carl Weidmann. Entworfen und ausgeführt wurde sie von Goldschmied und Maskenbruder Albert Burger. Auf den Gliedern der Kette sind Namen und Amtszeit aller Präsidenten seit der Gründung aufgeführt. Abschluss der Kette ist das Abbild des Königsbööggs, des Symbols der MLG. Das folgende Bild zeigt den Königsböög mit zwei Pagen und Narr im Hintergrund:

1994 kam eine weitere kostbare Insigne dazu: das Gesellschaftszepter. Geschaffen hat es der Luzerner Künstler Charles Gerig (1932-2003). Es ist versehen mit ziselierten Masken, die einen Querschnitt durch Jahrhunderte Luzerner Fasnachtstradition darstellen.

Ein Haus voller Schätze

Zu den MLG-Grundsätzen gehören seit Beginn neben der Pflege fasnächtlichen Brauchtums eine freiheitlich-liberale Gesinnung und die Wohltätigkeit. Zudem unterhält die MLG ein eigenes Gesellschaftshaus. Das war ein lange gehegter Wunsch. Im Frühling 1923 konnte Präsident Carl Weidemann die geheimen Kaufverhandlungen für die Liegenschaft im Süesswinkel 6 und 7 aufnehmen. Das Haus gehörte zum benachbarten Hotel Adler, wo sich heute das Restaurant Fenice befindet. Zusammen mit dem «Rössli» und der «Krone» zählte der «Adler» damals zu den vornehmsten Gasthäusern der Stadt Luzern. Der Deal kam zu Stande, das Haus wechselte für 80 000 Franken den Besitzer.

Im Dezember 1923 gründete die Bruderschaft ihre Stiftung. Ihr Zweck lautete untere anderem «Hebung und Pflege des Maskenwesens» sowie «Unterstützung der Armen im Sinne der Gesellschaftsstatuten der Maskenliebhaber-Gesellschaft». Diese Grundsätze gelten bis heute. Die Statuten der MLG wurden in den 200 Jahren erst achtmal angepasst. Das letzte Mal im Jahr 2016.

Zu den Bruderpflichten gehören auch die vier jährlichen Monatsversammlungen. An der vierten werden auch Neumitglieder vorgestellt. Zu dieser Ehre kommen Männer nur auf Empfehlung eines Maskenbruders. Wer neu aufgenommen wird, hat an der Generalversammlung seinen Auftritt. Er muss sich mit einer humoristischen Darbietung gleich selber vorstellen. Die Anlässe finden im Gesellschaftshaus im Festsaal statt. Der Saal im Empire-Stil kann übrigens auch für private Veranstaltungen gemietet werden.

(Bild: mlg.ch)

(Bild: mlg.ch)

Ein weiteres Schmuckstück ist die Kegelbahn. Sie hat ihr Bestehen dem Herren-Kegelclub, der in den 1950er-Jahren gegründet wurde, zu verdanken. Denn die Herren liessen den Weinkeller zur Kegelbahn umfunktionieren. Nach einigen Arbeiten rollten die ersten Kegelkugeln ab 1941. Die Kegelbahn ist noch heute in Betrieb. Seit 2010 zelebriert hier während der Fasnacht die 1982 gegründete Fasnachtsgruppe Nostradamus mit ihrer «Noster-Bar» gelebte Geselligkeit in Reinkultur.

(Bild: mlg.ch)

(Bild: mlg.ch)

In den Gemäuern des Gesellschaftshauses gibt es eine einzigartige Maskensammlung. Darunter sind seltene Wachsmasken, solche aus Stukkolin, aus Holz oder auch Metall. Dem nicht genug: In der Cuoni-Stube ist eine komplette Sammlung von Luzerner Fasnachtsplaketten seit 1925 zu bestaunen. Es ist eine Leihgabe des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK). Apropos Plaketten: Diese wurden 1925, zeitgleich mit dem ersten Umzug der damals gegründeten Wey-Zunft von der Vereinigung zur Förderung der Luzerner Fasnacht lanciert. Mit dem Verkaufserlös wurden fortan die grossen Umzüge der Safran- und eben der Wey-Zunft finanziert. Ab 1952 übernahm das LFK den Plakettenverkauf. Zu dessen Gründern gehören neben der Safran- und Wey-Zunft die Fidelitas Lucernensis und die MLG.

Witzige Fasnachtstheater

Bestens bekannt ist die Bruderschaft auch für ihre originellen Umzugssujets samt Theaterspiel: letztes Jahr als «Muppet-Show» (siehe Bild) und ein Jahr zuvor als «Giacobbo-Müller». Für den Wagenbau sind immer die jüngsten Jahrgänge verantwortlich. Dieses Jahr sind es 16 Männer; seit letztem Oktober sind sie im Fliegerschuppen Luzern intensiv an der Arbeit.

(Bild: Philipp Schmidli, 8. Februar 2018).

(Bild: Philipp Schmidli, 8. Februar 2018).

Mit der Prämierung des Goldige Grend hält die MLG eine weitere Tradition hoch. In der Chronik wird dazu vermerkt: «Eine Maskenprämierung mit Tradition, durchgeführt in einem geschichtsträchtigen Haus, das entspricht den Ansprüchen unserer Gesellschaft.» Sie findet immer am Güdismäntig statt, dieses Jahr bereits zum 21. Mal, ab 20 Uhr im Hotel Schweizerhof.

Die Brüder haben aber nicht nur Sinn für Humor, sondern auch für die Wohlfahrt. So wird etwa bei ihren Versammlungen die Armenkasse herumgereicht und von den Brüdern gefüllt. Mit dem Erlös werden lokale karitative Organisationen unterstützt. Die Kassenaufsicht hat der Armenvater, ein Vorstandsmitglied.

Zu den Brüdern gesellen sich auch Schwestern

Für die Wohlfahrt findet auch der Samichlausen-Anlass statt. Erstmals trat der MLG-Chlaus am 7. Dezember 1924 im Gesellschaftshaus auf. Das Samichlausen-Komitee besteht nicht aus Männern, sondern aus zehn Maskenschwestern. Diese organisieren jeweils am ersten Mittwoch im Dezember den Samichlausen-Anlass. Frauen in der MLG? Dazu hält die Bruderschaft in ihrer Chronik fest: «Ein deutlicher Hinweis, dass die Maskenbrüder ihre Partnerinnen in das Gesellschaftsleben recht stark einbeziehen.»

Quellennachweis: www.chronik.mlg.ch

Stadtrat lehnt Geschenk der Maskenbrüder ab

Die Zünfte und Gesellschaften in Luzern haben auch eine starke politische Ausstrahlung. Die Maskenliebhaber-Gesellschaft (MLG) erlebte 2018 diesbezüglich negative Erfahrungen. Sie wollte aus Anlass ihres 200-Jahr-Jubiläums der Stadt Luzern einen Maskenbrunnen schenken. Er sollte auf dem Kornmarkt zu stehen kommen – als Ersatz für den defekten Brunnen vor dem PKZ-Gebäude. Geplant war er in Form einer 6 Meter hohen und 75 Zentimeter breiten Stele, die von oben bis unten mit fasnächtlichen Masken geschmückt sein sollte. Der Stadtrat lehnte das 180 000-Franken-Geschenk jedoch unerwartet ab. SP/Juso-Politiker warfen den Maskenbrüdern ein «nationalistisches und sexistisches Gesellschafts- und Weltbild» vor; sie wollten sich mit dem Brunnen ein Denkmal setzen. Der abschlägige Bescheid aus dem Stadthaus kam, obwohl der Stadtarchitekt das Projekt positiv beurteilt und die Verwaltung seit Monaten den Brunnenbau mitgeplant hatte. Daraufhin zog die MLG das Baugesuch zurück – «zutiefst enttäuscht, dass der Stadtrat ohne Not und weiteren Dialog mit uns das Geschenk eines Maskenbrunnens ablehnt». Doch die MLG wäre nicht die MLG, wenn das Geschenk nicht wie einst Phönix aus der Asche auferstehen würde. Vielleicht schon in wenigen Tagen? (sam/hb)

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