Nach Diebstählen: Luzerner Kantonsspital lässt Schutzmaskenvorrat bewachen

Das Luzerner Kantonsspital kämpft nicht nur gegen das Corona-Virus, sondern auch gegen Diebe. Ein Sicherheitsdienst sorgt für Ordnung.

Alexander von Däniken und Julian Spörri
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Blick in die Isolierungsstation des Luzerner Kantonsspitals.

Blick in die Isolierungsstation des Luzerner Kantonsspitals.

Patrick Hürlimann (Luzern, 5. März 2020)

Für einmal brauchen auch jene Schutz, die selbst schützen. Im Luzerner Kantonsspital (Luks) müssen Wachleute der Securitas den Schutzmaskenvorrat bewachen. Die Masken werden immer wieder gestohlen, wie mehrere Quellen gegenüber unserer Zeitung berichten. Das gelte auch für Händedesinfektionsmittel, welche sogar aus den Operationssälen verschwinden würden. Philipp Berger, Kommunikationsleiter beim Luks, bestätigt: «Es trifft zu, dass wir insbesondere letzte Woche einen überdurchschnittlichen Verbrauch an Schutzmasken festgestellt haben. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch Material für private Zwecke entwendet wurde.» Als vorsorgliche Massnahme habe man den Bezug von ausgewählten Artikeln eingeschränkt.

«So werden Schutzmasken nur noch gemäss internen Weisungen und beim Haupteingang des Spitalzentrums in Luzern durch Mitarbeitende der Securitas herausgegeben.»

Zudem würden nur noch Abteilungen mit direktem Patientenkontakt mit Händealkohol beliefert.

Philipp Berger, Kommunikationsleiter beim Luzerner Kantonsspital.

Philipp Berger, Kommunikationsleiter beim Luzerner Kantonsspital.

PD

Die Securitas ist laut Berger beim Haupteingang des Luzerner Spitalzentrums auch erste Anlaufstelle für Personen mit Corona-Verdacht. Sie geben Schutzmasken ab und erklären, wie diese korrekt aufgesetzt werden. Zudem informieren sie über den Ablauf und stellen die Begleitung auf die Isolierungsstation sicher. Die Station ist laut Berger aktuell etwa zur Hälfte mit Verdachtsfällen belegt. Das Luks rechne aber in den nächsten Wochen mit einer stärkeren Belegung. Die Schutzmasken sollen gemäss Empfehlung des Bundes nicht im öffentlichen Raum getragen werden. Das könne ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln.

Kanton Luzern erhält Material aus Bundeslager

Die Schutzmasken sind nicht nur im Luks begehrt. «Wir können zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschliessen, dass es vereinzelt zur Entwendung von Schutzmasken gekommen ist», sagt Claude Kaufmann. Er ist Mediensprecher der Hirslanden-Gruppe, die unter anderem in Luzern die Klinik St.Anna betreibt.

In den Luzerner Spitälern sind noch genügend Schutzmasken vorhanden. Auch deshalb, weil der Bund sein Lager mit 168000 Stück aufgelöst und die Masken an die Kantone verteilt hat. Luzern hat die Masken bereits vom Bund bezogen, wie Kantonsapotheker Stephan Luterbacher bestätigt. «Es ist vorgesehen, dass der Kanton Luzern ausgewählte medizinische Leistungserbringer ab nächster Woche mit dem Schutzmaterial beliefern wird.» Der Prozess für die Antragstellung, Priorisierung und Verteilung zusammen mit Vorgaben zur Verwendung sei in Vorbereitung. «Über die konkrete Zuteilung wird innerhalb der kantonalen Task-Force entschieden. Die Kriterien für die Zuteilung werden entsprechend der aktuellen Lageentwicklung überprüft und angepasst», sagt Luterbacher weiter. Der Kanton Luzern verfügt auch über ein eigenes Reservoir an Schutzmasken.

Pflegeheime melden Besucherrückgang

(avd) Kommen Schutzmasken oder Desinfektionsmittel auch in Pflegeheimen weg? Dem Pflegeheimverband Curaviva Luzern ist diesbezüglich nichts bekannt, sagt Präsident Roger Wicki. Auch den Angestellten sei bewusst, dass die Masken in erster Linie dem Schutz der Bewohner dienen.

Generell verzeichnen die Pflegeheime einen starken Rückgang der Besucher – und das ohne generelle Weisung von Kanton oder Curaviva Luzern. «Das zeigt, dass auch die Angehörigen sensibilisiert und gut informiert sind», so Wicki. Bislang haben nur wenige Heime explizit von Besuchen abgeraten, etwa in Kriens.

Bei der Hirslanden-Klinik St.Anna heisst es auf Anfrage, dass man noch ausreichend Schutzmasken und -kleidung an Lager habe, so dass die Sicherheit der Patienten und Mitarbeitenden gewährleistet sei. Matthias Wissler, Leiter der Task Force zum Umgang mit dem Corona-Virus an der Klinik St.Anna, sagt: «Die Lieferengpässe, kombiniert mit der dynamischen epidemischen Entwicklung, stellen aber auch uns mittelfristig vor grosse Herausforderungen.» Die Schweiz produziert nämlich selber kaum medizinisches Schutzmaterial, sondern importiert dieses. Bei der Hirslanden-Gruppe und beim Luks werden nun alternative Beschaffungsmöglichkeiten geprüft.

Weiter teilt das Luks mit: «Die Lage bezüglich Schutzmasken und -anzügen ist derzeit angespannt.» Man sei auf Lieferungen aus dem nahen Ausland angewiesen, um den Bedarf an medizinischem Verbrauchsmaterial decken zu können. Der Lagerbestand sei mittelfristig ausreichend, langfristige Prognosen seien schwierig. Durch verschiedene Massnahmen werde im Kantonsspital der Verbrauch reduziert. Beispielsweise wird – wie vom Bundesamt für Gesundheit empfohlen – eine Maske während mindestens zwei bis vier Stunden getragen, maximal auch bis zu acht Stunden.

Regierungsrat fordert nationale Unterstützung der Wirtschaft

Mittelfristig sind im Kanton Luzern also genügend Schutzmasken vorhanden. Ganz anders sieht es mit den Aufträgen vieler Luzerner Unternehmen aus. Betroffen sind nicht nur Betriebe, die im Tourismus tätig sind. Auch die Messen und die Event- und Veranstaltungsbranche erleiden grosse Einbussen.

Der Luzerner Regierungsrat fordert nun ein schweizweit koordiniertes Vorgehen, um die Wirtschaft zu stützen. Wirtschaftsdirektor Fabian Peter (FDP) hat gestern ein entsprechendes Schreiben an das Generalsekretariat der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektorinnen und -direktoren geschickt, welches in direktem Austausch mit dem Bund steht.