Nach durchzogener Evaluation zur Integrierten Sek: Stadt Luzern prüft Anpassungen

Am Modell wolle man grundsätzlich festhalten, sagt Stadtpräsident Beat Züsli. Doch die Lehrpersonen sollen besser unterstützt werden. Auch ein Ende des Luzerner Sondermodells steht zur Debatte.

Stefan Dähler
Drucken
Teilen

Seit vier Jahren wird auf der Sekstufe in der Stadt Luzern nach dem Integrierten Modell unterrichtet. Eine Evaluation der Pädagogischen Hochschule St. Gallen ist nun zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen: 42 Prozent der Lehrpersonen stehen dem Modell (eher) nicht positiv gegenüber, 60 Prozent erleben diese Schulform als (eher) belastend. Gut die Hälfte beurteilt den Lernertrag im Stammklassen-Unterricht (eher) negativ (wir berichteten).

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli

Bild: Boris Bürgisser

Nun nimmt der Luzerner Stadtrat Stellung zum Thema. Dies aufgrund einer Interpellation der FDP. Für Bildungsdirektor und Stadtpräsident Beat Züsli (SP) zeigt die Evaluation zwei Seiten: «Eltern sowie Schülerinnen und Schüler sind mehrheitlich zufrieden. Die grosse Herausforderung ist, dass es bei den Lehrpersonen zwei Lager gibt, von denen eines sehr kritisch ist.» Das sei grundsätzlich keine grosse Überraschung, da die Umstellung auf das Integrierte Modell sehr gross war. «Doch die Evaluation bringt wichtige Detailerkenntnisse.»

Die Bildungsdirektion erarbeitet auf deren Basis nun Massnahmen mit dem Ziel, die Lehrpersonen zu unterstützen. Als Idee nennt Züsli etwa die Förderung des internen Austausches:

«Es hat sich gezeigt, dass die Vorbereitung aufwendiger geworden ist. Eine Möglichkeit wäre daher, dass Lehrpersonen untereinander vermehrt ihre Erfahrungen und erarbeiteten Unterrichtsmaterialien austauschen.»

Weiter stünden Weiterbildungen zur Diskussion. Ob es auch zusätzliche Pensen gibt, sei noch offen. Der Stadtrat entscheidet nach den Sommerferien darüber. «Eigentlich war das früher geplant, doch wegen Corona kam es zu Verzögerungen», sagt Züsli. Kleinere Anpassungen auf Ebene Schule wie zum Beispiel die Gestaltung des selbstorganisierten Lernens könne man aber auch während des neuen Schuljahres einführen.

Grössere Anpassungen erst in einem Jahr

Grössere strukturelle Anpassungen benötigten dagegen mehr Zeit und könnten auf das Schuljahr 2021/22 eingeführt werden. Wie solche aussehen könnten, sei ebenfalls noch offen, so Züsli. Grundsätzlich wolle man das Integrierte Modell beibehalten, aber:

«Die Frage ist, ob die Stadt weiterhin einen Sonderweg gehen soll.»

Zur Erklärung: Das Integrierte Sekmodell sieht vor, dass wie in der Primar keine nach den Leistungsstufen A, B und C getrennten Klassen existieren. Bei gewissen Fächern wird eine Einteilung in Niveaugruppen vorgenommen. Rund ein Drittel aller Sekschüler im Kanton Luzern werden nach dem Integrierten Modell unterrichtet, Tendenz steigend. Die Stadt Luzern ist aber ein Sonderfall, da für Deutsch und Mathematik keine Niveaugruppen vorgesehen sind, was sonst nirgends im Kanton der Fall ist.

Erfolgt Anpassung an kantonale Verordnung?

Dazu hat der Kanton nun im Frühling eine neue Verordnung erlassen: Auf der Sekstufe ist der Unterricht in Stammklassen in Deutsch oder Mathematik möglich, aber nicht in beiden Fächern. Das heisst, die Stadt wird ihr Sekmodell wahrscheinlich entsprechend anpassen. Eine Möglichkeit wäre aber auch, eine Sonderbewilligung einzuholen für die Fortführung des städtischen Sonderwegs. Bereits bisher war solch eine nötig. Entsprechende Abklärungen habe man aber noch nicht getätigt, so Züsli.

Weiter schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme zur Interpellation, dass die Zahl der Schüler auf der Sekstufe seit 2016 stabil geblieben sei. Es gebe also keinen Exodus aufgrund des Integrierten Modells. Zwar habe auch die Quote der Kantischüler zugenommen. Man gehe aber davon aus, dass Letzteres nicht auf das Sekmodell zurückzuführen sei. Züsli:

«In städtischen Gebieten ist dieser Trend schweizweit zu beobachten. Hier spielen zum einen der Standortvorteil mit den ortsansässigen Mittelschulen, zum andern die Erwartungen des Elternhauses eine grosse Rolle.»

Auch seitens der Lehrpersonen habe man keine Häufung der Kündigungen festgestellt. «Aber es gab durchaus Fälle, in denen Lehrpersonen Mühe hatten, sich auf das neue Modell einzustellen.» Abschliessend schreibt der Stadtrat in der Stellungnahme, dass es in der Schule «keine kurzfristigen Richtungswechsel verträgt». Der Entwicklung hin zum aktuellen Modell sei ein achtjähriger Prozess vorhergegangen. Es gelte, «einen klugen Weg einzuschlagen und die positive Einstellung der Lernenden und vor allem der Eltern gegenüber dem Modell zu respektieren».

Mehr zum Thema