Nach ein paar Flaschen Bier wurde er zum Brandstifter

Ein Delinquent wurde anhand von Videoaufnahmen und Handy-Ortung überführt. Er ist geständig, will aber keine Therapie. Gestern wurde vor dem Luzerner Kriminalgericht verhandelt.

Sandra Monika Ziegler
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Dem 47-jährigen Angeklagten werden mehrfache Brandstiftung, mehrfache versuchte Brandstiftung, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfacher Diebstahl, Hausfriedensbruch, Hinderung einer Amtshandlung und Trunkenheit vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre bedingt. Und die Strafe soll zu Gunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden.

Gestern fand die Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht statt. Die meisten Vorfälle fanden in den Jahren 2015 und 2016 statt. In dieser Zeitspanne setzte der Schweizer an diversen Orten Gegenstände in Brand. Unter anderem zwei Abfallkübel auf dem Inseli, einen Kartonstapel vor einem Supermarkt, eine Sichtschutzwand bei einer Baustelle, einen Sitz einer Baumaschine und auch eine WC-Rolle in einer Toi-Toi-Toilette.

Fünf Tage Untersuchungshaft

Mit dem Anzünden der WC-Rolle setzte er auch gleich das Toi-Toi-WC in Brand. Dazu sagte er bei der polizeilichen Einvernahme aus, es hätte kein Licht gehabt, deshalb habe er die WC-Rolle angezündet. Überführt wurde er durch Videoaufnahmen und auch Handy-Ortungen. Er wurde im Januar 2017 verhaftet und kam fünf Tage in Untersuchungshaft. Seit der Entlassung wurde er nicht mehr straffällig.

Der angeklagte Schweizer betrat den Saal mit den Worten «Tag zäme» und setzte sich vor die Richter. Gleich zu Beginn erklärt er, dass er bereits mehrmals ausgesagt habe und er sich nach so viele Jahren jetzt nicht mehr genau erinnern könne: «Ich kann nicht 1:1 sagen, was damals gelaufen ist. Man sagt, was man weiss, und was man nicht weiss, kann man ja gar nicht erzählen.»

Auf die Frage warum er die Taten überhaupt begonnen habe, sagte der Mann: «Ich war anderthalb Jahre arbeitslos und fing deshalb an zu saufen. Jetzt habe ich einen Job und saufen tu ich auch nicht mehr.» Er mache sich natürlich schon Gedanken und entschuldige sich für das, was er getan habe. Er werde überall gelobt als «Chrampfer», sagt die Richterin. Ja, das stimme, er sei ein «Chrampfer» und nie krank, sagt darauf der Mann.

Aus Frust und unter Alkohol

Weitere Fragen beantwortet er meist mit «keine Ahnung», «schon möglich», «war voll betrunken», «gab damals Vollgas». Heute, so der Angeklagte, gäbe es höchstens noch ein Feierabendbier. «Als ich abgeholt wurde morgens um vier, wusste ich, jetzt bin ich zu weit gegangen. Das brauchte es, um zur Vernunft zu kommen. Ich hab damals der Staatsanwältin versprochen mit dem Saufen aufzuhören.» Ob er die Anklageschrift gelesen habe, fragt der Richter. Seine Antwort: «Ich schaue keine Akten an, ich kann nicht lesen. Fragen Sie meine Beiständin.»

Und die stationäre Massnahme? «Das hättet ihr gleich nach der U-Haft machen können. Jetzt brauch ich keine Therapie mehr, habe mein Problem selber gelöst.» Die Staatsanwältin bleibt bei zwei Jahren Haft unbedingt aufgeschoben zu Gunsten einer stationären Therapie. Brände seien ein gemeingefährliches Verbrechen, das verfolgt werden müsse. Da das Gutachten dem Mann eine leichte Intelligenzminderung, die seine Einsichtsfähigkeit einschränke, attestiere, sei eine positive Prognose schwierig.

Eine Chance geben

Der Verteidiger sieht die Legalprognose positiv. Sein Mandat sei in den letzten drei Jahren stabil und habe sich vom Alkohol distanziert. Zum Gutachten sagt der Verteidiger: «Dort steht, er ist kein Pyromane.» Dass man jetzt, weil er die ambulante Therapie ablehnt, eine stationäre wolle, sei zwecklos und provoziere unnötige Kosten: «Wer keine Therapie will, wird auch nicht geheilt. Und Dummheit ist lernbar, aber nicht heilbar.» Er will eine «Chance» für seinen Mandanten und fordert neun Monate bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Beim letzten Wort sagt der Angeklagte: «Im Nachhinein wird man gescheiter. Ich halte mein Wort.» Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.