Nach Luzerner Kirchenasyl: Mutter und Tochter sind nun in Belgien

Nach einem Jahr Kirchenasyl bei der Pfarrei St. Leodegar in Luzern haben eine Frau aus Tschetschenien und ihre Tochter die Schweiz am Dienstag verlassen.

Beatrice Vogel
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Die beiden Flüchtlinge vor der Hofkirche in Luzern. (Bild: PD)

Die beiden Flüchtlinge vor der Hofkirche in Luzern. (Bild: PD)

Die aus Tschetschenien geflüchtete Frau (53) und ihre Tochter (11) sind am Dienstagvormittag nach Brüssel geflogen. Laut Auskunft des Amts für Migration wurden die beiden bis zum Grenzpunkt von Polizisten in Zivil begleitet und in Brüssel von Mitarbeitern des Migrationsamts Belgien in Empfang genommen. Der Flug sei ruhig verlaufen. Die beiden Frauen wüssten, dass sie in Belgien um Asyl nachsuchen können und die belgischen Behörden sie in diesem Fall in die Asylstrukturen aufnehmen werden, zitiert die Nachrichtenagentur SDA eine Mitteilung des Staatssekretariats für Migration (SEM).

Die belgischen Behörden seien vom SEM vorinformiert worden. «Dabei hat das SEM auch in Erfahrung gebracht, dass Frau A. 2018 kein Asylgesuch gestellt hat und daher nicht in die betreuten Strukturen aufgenommen wurde», sagt Alexander Lieb, Leiter des Amts für Migration. Die Katholische Kirche Luzern hatte am Montag mitgeteilt, dass die Flüchtlinge bei ihrer Rückkehr nach Belgien auf der Strasse stehen gelassen worden und deshalb zurück in die Schweiz gekommen seien.

Laut Ruedi Beck, Pfarrer von St. Leodegar, haben sich die betroffenen von Belgien aus bei den Luzerner Kirchenvertretern gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren sie in Gewahrsam der Polizei.

Der Fall der beiden Flüchtlinge aus Tschetschenien sorgte am Montag für Aufsehen, weil sie nach einem Jahr Kirchenasyl in Luzern aufgegriffen wurden. Die Pfarrei St. Leodegar setzte sich bis zuletzt dafür ein, dass die beiden in der Schweiz bleiben und hier Asyl beantragen können. 

Grüne Luzern reichen dringliche Anfrage ein

Die vom Bundesverwaltungsgericht verfügte Ausschaffung stiess auch in der Luzerner Politik auf Resonanz. Am Dienstagabend hat sich Kantonsrat Urban Frye von den Grünen Kanton Luzern mit einer dringlichen Anfrage an den Luzerner Regierungsrat gewandt. Inhalt der Anfrage ist unter anderem, ob der Regierungsrat selbst den Auftrag zur Ausschaffung «der verletzlichen Familie» gegeben hatte. Ausserdem wollte Frye weiter wissen wieso die Kantonsregierung «in diesem speziellen Einzelfall» die Ausschaffung nicht ausgesetzt hat – wie es etwa der Kanton Basel-Stadt in einem anderen Fall getan hatte. Auch die Umsetzung der Ausschaffung ist Teil des Fragekatalogs. (stp)