Nach Nein zum Rontalzentrum: Gemeinderat sorgt sich um die Zukunft Dierikons

Die deutliche Absage an die vier Wohntürme neben der Mall of Switzerland bringt die Finanzstrategie Dierikons durcheinander. Nun muss der Gemeinderat über die Bücher.

Simon Mathis
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So hätte das Rontalzentrum neben der Mall of Switzerland aussehen können.

So hätte das Rontalzentrum neben der Mall of Switzerland aussehen können.

Visualisierung: PD

Dass die Dierikoner Bevölkerung am 10. Dezember dem Rontalzentrum neben der Mall of Switzerland eine Absage erteilen würde, hatte sich im Vorfeld bereits abgezeichnet. Dass das Verdikt mit 151 zu 42 Stimmen derart deutlich ausfallen würde, war dann aber doch eine Überraschung. Insgesamt zählt Dierikon rund 1500 Einwohner. Der Gemeinderat, der bisher mit der Verwirklichung der vier Wohntürme gerechnet hatte, muss nun umdenken – und warnt vor den Konsequenzen dieses Neins.

Laut Gemeindepräsident Max Hess (CVP) zeigt das deutliche Votum vor allem eines: «Den Leuten hat das konkrete Projekt nicht gepasst.» Diese Entscheidung gelte es zu akzeptieren. Allerdings werde die Bevölkerung relativ schnell merken, welche Konsequenzen das Nein nach sich ziehe.

Eine Nummer zu gross

«In Zukunft werden wir auf der Ertragsseite ein Manko haben», hält Hess fest. «Wir müssen also am Steuerfuss schrauben oder die Leistungen reduzieren.» Der Gemeinderat müsse nun über die Bücher und seine Strategie aktualisieren. Die Ausgangslage habe sich jedoch nicht geändert:

«Nicht nur in Dierikon, auch in anderen Gemeinden sieht es finanziell alles andere als rosig aus. Wir stehen unter Druck und brauchen Lösungen.»

An der Gemeindeversammlung regte ein Bürger an, mit einer Bevölkerungsumfrage die Gründe für das Nein in Erfahrung zu bringen – ähnlich wie Ebikon nach der Absage zum MParc. Ob das ein Thema sein könnte, werde der Gemeinderat noch besprechen, so Max Hess. Dass sich die Dierikoner am Dienstagabend generell gegen Wachstumsbestrebungen ausgesprochen haben, glaubt er nicht. Hess verweist auf das Entwicklungsgebiet zwischen der Kreuzung Schönenboden und der Rigistrasse, das zurzeit von Autohändlern dominiert sei. Dieses Projekt habe bessere Chancen, da es sich direkt bei der Wohnzone befinde und weniger dichtere Nutzungen generieren werde, ist Hess überzeugt.

«Der Gemeinderat hatte sich schon erhofft, dass sich mehr Befürworter in der Turnhalle einfinden», so Hess. «Die Gegner haben stärker mobilisiert.» Das klare Resultat am Dienstagabend mag auch daran gelegen haben, dass sowohl CVP und FDP Dierikon eine Nein-Parole zum Rontalzentrum verkündeten. Franziska Brunner, Präsidentin der CVP, interpretiert das Ergebnis wie folgt:

«Obwohl Dierikon eine Agglogemeinde ist, sehen wir uns noch als Dorf. Die Aussicht, dass dieses Dorf auf einmal über vierzig Prozent wächst, ist sicherlich beängstigend für die Einwohner.»

Brunner glaubt, dass die Einwohner von Dierikon nicht per se gegen ein Wachstum sind. «Jedoch sollte dieses konstant und abschätzbar sein. Das Projekt war vielleicht einfach eine Nummer zu gross.» Der Gemeinderat müsse sich nun sicherlich neu orientieren, so Brunner. «Aber ich bin überzeugt, dass es wieder andere Lösungen geben wird, um eine stabile Finanzlage auch in Zukunft zu schaffen.»

Visualisierung: PD

Missmut bei Bürgern, Bedauern bei Schindler

Jan Jambor, Präsident der FDP Dierikon, kritisiert derweil das Vorgehen der Gemeinde. «Immer wieder hörte man aus dem Gemeinderat, man habe aus den Fehlern von Ebikon beim MParc-Projekt gelernt.» Das sei aber nicht der Fall. «Wenn der Gemeinderat die Bevölkerung von Anfang an stärker eingebunden hätte, wäre am Dienstag sicher einiges anders gelaufen – das Resultat wäre zumindest weniger klar ausgefallen.» Jambor deutet das Votum auch als gewissen Missmut der Bürger gegenüber der Exekutive.

Er betont aber auch, dass die FDP die gleichen Ziele wie der Gemeinderat verfolge. «Auch wir wollen den Steuerfuss klein halten und die Kosten minimieren», so Jambor. «Und auch wir sehen die Schwierigkeiten, vor denen Dierikon steht.» Aber:

«Das Rontalzentrum ist definitiv nicht die Lösung für unsere Probleme.»

Die Risiken des Projekts seien schlicht zu gross gewesen. «Natürlich ist die FDP für Investitionen, diese sind zwingend notwendig. Aber sie müssen auch schlau sein, was man von den vier Wohntürmen nicht behaupten kann.» Das Rontalzentrum wäre nichts als ein kurzfristiger Sondereffekt gewesen, mit dem man das Problem um einige Jahre nach hinten geschoben hätte, so Jambor.

Den Vorwurf, der Dierikoner Gemeinderat habe die Bevölkerung zu wenig einbezogen, weist Max Hess zurück: «Die Bevölkerung wurde immer zeitnah informiert. Wir haben die Rückmeldungen in den letzten vier Jahren fortlaufend aufgenommen und berücksichtigt.» Hess räumt aber auch ein:

«Der veränderte Zeitgeist ist noch nicht überall angekommen. Das haben wir vermutlich unterschätzt.»

Das Unternehmen Schindler, dem das Grundstück gehört, hat momentan keinen Plan B für das Rockwell-Areal. «Wir werden die Situation nun neu beurteilen und uns Gedanken über die zukünftige Nutzung machen», schreibt Mediensprecher Florian Meier auf Anfrage. Das Resultat der Abstimmung habe man «mit Bedauern zur Kenntnis genommen». Aber natürlich respektiere das Unternehmen den demokratischen Entscheid der Dierikoner Bevölkerung.

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Simon Mathis