Nach Schmähpreis für Viva Luzern: Wieso ist das Essen in den Schülerhorten «gruusig»?

Das Kinderparlament der Stadt Luzern kritisiert die Qualität des Essens in den städtischen Schülerhorten. Zubereitet wird dieses in der Küche der Alters- und Pflegeheime Viva AG. Dort will man der Kritik nun auf den Grund gehen.

Roman Hodel, Emanuel Schüpfer und Robert Knobel
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Das Kinderparlament der Stadt Luzern vergibt alljährlich den Schmähpreis «Saure Zitrone». Dieses Jahr muss die Viva Luzern daran glauben. Die städtischen Alters- und Pflegeheime beliefern nämlich zahlreiche Schülerhorte täglich mit Essen. Und dieses schmeckt den Kindern überhaupt nicht, es sei «gruusig», wie es  an der Session des Kinderparlaments am Mittwoch wörtlich hiess (wir berichteten). 

2018 gaben die Eltern gute Noten fürs Essen

Aktuell bereitet Viva Luzern täglich 600 Mahlzeiten für 8 von insgesamt 16 Schülerhorten in der Stadt Luzern zu. Die übrigen Horte kochen ihr Mittagessen selber – und diese sind explizit von der Kritik des Kinderparlaments ausgenommen. Die Qualität des Essens aus der Altersheim-Küche gab schon früher Anlass zu Diskussionen in den Schulen. 2018 wurde dazu eine Umfrage bei Kindern und Eltern durchgeführt. «81 Prozent der Eltern antworteten, dass ihr Kind grundsätzlich gerne am Mittagstisch isst, weil ihm das Essen schmeckt», sagt Vreni Völkle, Rektorin der städtischen Volksschule. Gleichzeitig habe es aber einige Verbesserungsvorschläge gegeben, die man dann umgesetzt habe. «Einige Eltern fanden, es gebe zu viel Süsses und Frittiertes, und Kinder fanden das Angebot zu gemüselastig», so Völkle. Inzwischen wird beispielsweise Gemüse vermehrt in Form von kalten Dips angeboten – dies  mögen die Kinder eher als traditionell gekochtes Gemüse. 

«Es wäre vermessen, den Geschmack der Kinder in Frage zu stellen»

Doch offenbar ist das Essen in den Augen vieler Kinder noch immer nicht zufrieden stellend. Gibt es also weiteren Handlungsbedarf? «Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und es wäre vermessen, aus der Erwachsenenperspektive den Geschmack der Kinder in Frage zu stellen», sagt Vreni Völkle.  «Eventuell können wir das Kinderparlament zu einem Küchenbesuch einladen, damit die Kritik direkt besprochen werden kann.» Bei der Viva stösst diese Idee auf offene Ohren. «Gerne laden wir Vertreter des Kinderparlaments ein», sagt Ramona Helfenberger, Kommunikationsleiterin der Viva. Auch sie verweist auf die Umfrage von 2018 und die daraus abgeleiteten Massnahmen, auf die man «diverse positive Rückmeldungen» verzeichnet habe.

Doch wie kindgerecht kann ein Mittagessen überhaupt sein, wenn es aus einer Altersheimküche stammt? Ramona Helfenberger betont, dass man durchaus zwischen Senioren und Schulkindern unterscheide. «Für unsere Bewohnenden kochen wir eher traditionelle Gerichte, wogegen wir für die Kinder öfters auch modernere Gerichte wie Fajitas vorbereiten.» Durch optimierte Produktions- und Kühlprozesse könne eine hohe Qualität gewährleistet werden. Mögliche Schwachpunkte und «ein häufiger Grund für Qualitätsschwankungen» fänden sich meist bei der Endzubereitung der Speisen, also in den Horten selber. «Um dies zu vermeiden, beraten wir unsere Kunden entsprechend», so Helfenberger.

Heute gibts Hamburger, Cannelloni und Ratatouille

Bei aller Kritik – der Menuplan für die Schülerhorte von heute Freitag lässt sich durchaus sehen, wie Ramona Helfenberger aufzählt: Minestrone, Rindshamburger mit Barbecuesauce, Bandnudeln, Ratatouille, Cannelloni Mediterrano, Cinque Pi Sauce und Reibkäse. Zusätzlich kann jederzeit Salat und Obst dazu bestellt werden.