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Nach Unfall mit verheerenden Folgen: Personal des Strandbads Lido in Luzern droht Verurteilung

Badmeister und Geschäftsführer des Strandbads Lido mussten sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Luzern verantworten. Ihnen wird fahrlässige schwere Körperverletzung durch Unterlassung vorgeworfen.
Evelyne Fischer

Das Unglück ereignet sich im Juni 2014: Eine vierköpfige Familie besucht zum ersten Mal das Strandbad Lido in Luzern. Am Mittag springt der Vater kopfvoran von einem gut 90 Zentimeter hohen Steg auf der linken Seite ins Wasser. Der See ist an dieser Stelle nur gerade 1,19 Meter tief. Es kommt zum verheerenden Unfall: Der Mann schlägt mit dem Kopf auf dem Grund auf und zieht sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu, die zu einer kompletten Tetraplegie führen. Sein zwölfjähriger Sohn hält ihm den Kopf über Wasser, ein Badegast und dann auch der heraneilende Badmeister helfen, ihn auf den Steg zu bringen.

Auf diesem Holzsteg im Strandbad Lido Luzern passierte der tragische Unfall. (Bild Pius Amrein)

Auf diesem Holzsteg im Strandbad Lido Luzern passierte der tragische Unfall. (Bild Pius Amrein)

Dass am Mittwoch der damalige Badmeister und der Lido-Geschäftsführer, die den Unfall beide nicht mit eigenen Augen gesehen haben, vor den Einzelrichter treten mussten, ist einem Verdikt der höchsten Instanz geschuldet: Das Bundesgericht hat im Juli 2017 entschieden, dass der Fall wieder aufgerollt werden muss. Respektive, dass die Luzerner Staatsanwaltschaft, die das Strafverfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung durch Unterlassung Ende 2015 eingestellt hat, Anklage erheben muss. Gegen eine Einstellung hatte sich das Opfer, der Privatkläger, zuvor erfolglos beim Kantonsgericht gewehrt.

Staatsanwalt beantragt bedingte Geldstrafe

So viel vorweg: Das Urteil des Bezirksgerichts Luzern wird nach der über sechsstündigen Verhandlung schriftlich eröffnet. Im Falle des Geschäftsführers beantragt der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 190 Franken, bedingt ausgesprochen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Dem Badmeister droht eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 80 Franken, ebenfalls bedingt ausgesprochen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Bei einer fahrlässigen Körperverletzung wäre eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren möglich.

Die Krux ist: Es ist umstritten, ob das Wasser damals genug klar gewesen ist, um die Untiefe zu erkennen. Und: Erst 2016 hat die Badi auf dem Steg ein Kopfsprung-Verbotsschild angebracht. Dieses würde aber regelmässig missachtet, wie das Lido-Personal am Mittwoch bemerkte. Schon vor der Einführung des Verbots seien Badmeister angehalten gewesen, im hinteren Bereich konsequent zu intervenieren, sagte der Geschäftsführer. «Alle Badmeister haben diese Aufgabe pflichtbewusst umgesetzt.» Im vorderen Bereich, wo vermutlich auch der Familienvater eingetaucht ist, seien flache Kopfsprünge möglich.

Gemäss Staatsanwalt hätten Verbotsschilder dazu geführt, dass der Mann nicht gesprungen wäre. Für die beiden Lido-Angestellten sei der Unfall «vorhersehbar und vermeidbar» gewesen.

«Sie missachteten die gebotene Sorgfalt.»

Wie die Frau des Unfallopfers zu Protokoll gegeben hatte, sei ihr Mann zuerst zweimal auf der rechten Seite des Stegs ins Wasser gesprungen. Problemlos. Daraus folgert der Anwalt des Privatklägers: «Bei einem Verbot wäre mein Mandant mit grosser Sicherheit nicht dreimal gesprungen.»

Beide Verteidiger verlangen Freispruch

Die Verteidiger der Beschuldigten, die beide nicht vorbestraft sind, verlangen einen Freispruch. «Die Tragik des Unglücks darf nicht dazu führen, dass man um jeden Preis ein strafrechtlich relevantes Verschulden bei Dritten sucht», sagte der Anwalt des Badmeisters.

«Mein Mandant intervenierte bei Kopfsprüngen konsequent und schnell.»

Darüber hinaus gehende Massnahmen – etwa die Forderung eines Verbotsschilds – seien nicht in seinem Kompetenzbereich gelegen.

Auch der Verteidiger des Geschäftsführers hält fest, sein Mandant habe nicht die strafrechtliche Verantwortung für das Unglück zu tragen. Er sagte gar: «Es ist denkbar, dass sich der Verunfallte die Verletzung infolge suboptimaler Bergung zugezogen hat.» Bis heute habe nie ausreichend geklärt werden können, ob der Mann ins Wasser gesprungen oder gefallen sei.

Klar ist schon jetzt: Mit dem Urteil des Bezirksgerichts dürfte der Fall nicht abgeschlossen sein. Das Unfallopfer will Schadenersatzansprüche geltend machen. Wird das Lido-Personal strafrechtlich belangt, erhöht dies die Chancen, dass der Privatkläger mit seiner Zivilforderung reüssiert.

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